Gorleben soll leben!

Argumente für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen

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ATOMENERGIE: todsicher!

Windscale, Harrisburg, Tschernobyl, Risse in Rohrleitungssystemen wie in Brunsbüttel, Leukämie in der Elbmarsch in Nachbarschaft von Krümmel...- das sind einige Stationen der „friedlichen“ Nutzung der Atomenergie und ihrer angeblichen Beherrschbarkeit. In Harris-burg kam es 1979 zu einem gravierenden Unfall, einem GAU. Rein statistisch gesehen gibt es so einen GAU (Kürzel für „größter anzunehmender Unfall“) nur alle 10.000 Reaktorbetriebsjahre. Hunderte und Tausende würden an den Folgen dieses Unfalls sterben. Der „Super-GAU“ von Tschernobyl (das ist die „Steigerung“ des GAU, weil das Reaktor-druckgefäß zerbarst und Radioaktivität direkt freigesetzt wurde), hat bereits 1986 stattge-funden, aller Statistik zum Trotz. Die Auswir-kungen waren noch Tausende Kilometer entfernt spürbar: verseuchte Nahrung, ver-seuchte Böden, verseuchte Gewässer waren die Folge. Nach offiziellen Angaben starben allein in der Ukraine bisher 125.000 Men-schen an den Folgen des GAU.
Krebserkrankungen als Folge radioaktiver Strahlung treten in der Regel erst 10, 15, 20... Jahre nach Freisetzung von künstlicher radio-aktiver Strahlung auf. Wie in Hiroshima waren die unmittelbaren Schäden in Tschernobyl so massiv, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem Unfall und den Erkrankungen auf der Hand lag. Meist aber wird nach so langer Zeit die Ursache einer Krebserkran-kung sehr schwer nachweisbar sein. Genau das nutzen Atomindustrielle und Befürworter der Atomenergie aus, um die tatsächlichen Gefahren herunterzuspielen.

Um das Ansehen der Atomindustrie nicht anzukratzen, wurden Störfälle beim Betrieb der Atomanlagen oft vertuscht. Die Folgen eines Reaktorbrandes im englischen Windsca-le im Jahre 1957 wurden von der Regierung 30 Jahre lang geheimgehalten. 1988 gab man amtlich 33 Tote zu - nichtamtliche Stellen sprechen von über 1000 Toten. Bis dahin hatten die Behörden geschwiegen und sogar wider besseres Wissen verseuchte Nahrung in den Verkauf gebracht, um die Bevölkerung „nicht zu beunruhigen“.

In Biblis blieb eine blinkende Warnlampe 16 Stunden lang unbeachtet. Vom Funktionie-ren eines einzigen Sicherheitsventils hing schließlich ab, dass 2,5 Millionen Menschen im Umkreis von 60 Kilometern und ganz Mitteleuropa einer nuklearen Katastrophe entging. 1,1 mm trennten uns in Brunsbüttel noch von einer Katastrophe: Risse im Kühl-system.

Die Störfallliste ist unendlich lang, im Os-ten wie im Westen! Denn eine absolut funkti-onierende Technik gibt es ebenso wenig wie den unfehlbaren Menschen - in Osteuropa wie in Westeuropa! Das von den Betreibern ein-kalkulierte „Restrisiko“ reicht aus, ganz Euro-pa unbewohnbar zu machen. Ein Restrisiko, das uns den Rest geben kann, lehnen wir ab. 

Es gibt keine sichere Atommüll-Entsorgung

Die bei der Erzeugung von Atomstrom entstehenden radioaktiven Spaltprodukte bleiben über Jahrtausende, z.T. über Jahrmilli-onen wirksam und für die Menschheit lebens-gefährlich. „Entsorgung“ dieser Stoffe hieße, sie für diesen Zeitraum von uns und der le-benden Welt sicher abzuschirmen.
Der „Nachweis der gesicherten Entsorgung“, der für jedes in Betrieb befindliche Atom-kraftwerk verlangt wird, bezieht sich lediglich auf sechs (!) Jahre. Dabei genügt es, wenn die Betreiber auf verfügbare Zwischenlager oder das sogenannte Erkundungsbergwerk in Gor-leben hinweisen. Wenn Politiker und Atomin-dustrie also von Entsorgung sprechen, meinen sie lediglich, dass sie sich in der Lage sehen, den Jahrtausende strahlenden Müll für ein paar Jahre irgendwo - in externe Zwischenla-ger wie Ahaus, Greifswald oder Gorleben oder kraftwerksnah für mindestens 40 Jahre abzu-stellen. Die Produktion weiteren Atommülls ist angesichts der großen Risiken ein Verbre-chen an allen künftigen Generationen. Die riskanten Improvisationen, die uns die Betrei-ber als „Entsorgung“ anbieten, erfüllen uns mit Sorgen.

FASSLAGER GORLEBEN:

Skandalmüll und Blähfässer

Das CASTOR-LAGER:

11 Jahre erfolgreicher Widerstand, aber nicht mehr leer!

Als es Anfang der 80er Jahre um die Genehmigung des Fasslagers ging, war beschwichtigend vom radioaktiven „Kran-kenhausmüll“ die Rede. Es hat ein Fas-sungsvermögen von 35.000 Fässern. Die Inbetriebnahme erfolgte im Oktober 1984 - gegen unseren erbitterten Widerstand. In Gorleben wurden auch Fässer aus dem Transnuklear- und Mol-Skandal eingela-gert wurden. Schmiergeldzahlungen von 21 Millionen DM hatten es ermöglicht, Fässer mit z.T. unbekanntem Inhalt und falscher Inhaltsdeklaration aus dem belgi-schen Mol auf Umwegen nach Gorleben zu bringen. Einige dieser Fässer enthielten in Spuren Plutonium, manche blähten sich auf, manche waren geplatzt. Fassdeckel waren lediglich mit Tesakrepp „abgedichtet“.

In zähen Auseinandersetzungen um diese „Altlast“ haben wir durchgesetzt, dass alle 1.290 Einzelfässer, die in Gorle-ben lagerten, zu Einzeluntersuchungen wieder abtransportiert wurden. Die „Aus-lagerungskampagne“ kam nur schleppend voran. Sie begann 1991, doch erst am Jahresende 1997 wurden die letzten Ge-binde abtransportiert. Die Ergebnisse der - äußerst kostspieligen - Einzelfassuntersu-chungen wurden nie veröffentlicht.

Von einer weiteren Merkwürdigkeit ist noch zu berichten. Ist es sommerlich heiß, so steigt die Strahlung in der Umgebung des Lagers. Es ist typisch: entdeckt wurde dies nicht von den Überwachungsbehör-den, sondern von der „Fachgruppe Radio-aktivität“ der Bürgerinitiative. Enthüllt wurde darüber hinaus, dass in Gorleben eine völlig unzureichende Umgebungs-überwachung stattfindet. Deshalb baute die Fachgruppe Radioaktivität einen eigenen Messring auf.

In dieser Lagerhalle für hochaktiven A-tommüll sollten 420 sogenannte CASTOR-Behälter mit abgebrannten Brennelementen eingelagert werden. Werden alle Stellplätze genutzt, so würde dort das radioaktive Inven-tar von 40 AKW in einer einzigen kraftwerks-externen Anlage konzentriert. Gekühlt werden die heißen Behälter durch die Luft, die die offene Lagerhalle von unten nach oben durch-streicht. Ein Filtersystem gibt es nicht. Die Sicherheit muss also allein durch die Behälter selbst gewährleistet sein. Prototypen des Cas-tors wurden Ende der 70er/ Anfang der 80er Jahre Tests unterzogen, dabei wurden sie für 30 Minuten einem Feuer von 800 Grad Celsi-us ausgesetzt. Was aber passiert, wenn es längere Zeit bei noch höheren Temperaturen brennt? Die neueren Castoren werden nicht einmal im Original getestet, ihre Haltbarkeit wird nur noch errechnet!

Bei der beabsichtigten Lagerdauer von 40 Jahren können bislang unkalkulierbare Probleme auftreten: unter der Hitze und als Folge der radioaktiven Dauerstrahlung sind Materialermüdung und Versprödung des Behälters nicht auszuschließen. Flugbewe-gungen über Gorleben gibt es täglich: Passa-giermaschinen und Bundeswehr überfliegen das Lager. Gegen einen Flugzeugabsturz ist das Lager nur unzureichend geschützt, gegen einen gezielten terroristischen Absturz gar nicht. Die Gefahr lautet: 40 mal Supergau.

Mangels Endlager ist die „Zwischen“lagerung faktisch nichts anderes als ein oberirdi-sches Dauerlager. Obwohl es eindeutig eine atomare Anlage ist, wurde es statt nach Atomrecht einfach nach Baurecht gebaut, wie eine Kartoffelscheune.

Unter dem Motto „Wir stellen uns quer!“ erklärten im Sommer 1994 über 4000 Men-schen aus der Region, dass sie sich dem Cas-tor in den Weg stellten. Am 25. April 1995 wurde die erste Mülltonne unter dem „Schutz“ von 16.000 Polizisten nach Gorleben transpor-tiert. Auf den „Tag X“ folgte im Mai 96, ein erster Transport mit hochradioaktiven verglas-ten Kokillen aus der französischen WAA La Hague. Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte den Weg dafür geebnet und dem Antrag der Brennelementlagergesellschaft Gorleben (BLG) auf eine Nutzungserweiterung stattge-geben. Künftig darf noch enger gestapelt werden: statt 1.500 t dann 3.800 t Schwerme-tall - mehr als das Doppelte.

Nachträglich wurde das Nutzungskonzept verändert: nach Gorleben werden keine abge-brannten Brennelemente mehr verfrachtet, diese werden an den AKW in den neu errichteten Lagerhallen aufgestellt. Dafür fährt die Atommüllabfuhr mit den verglasten hochradioaktiven Abfällen aus La Hague und später aus Sellafield Gorleben an.

Nur gegen den entschiedenen Widerstand breiter Bevölkerungskreise werden die Trans-porte abgewickelt: mit den größten Polizei-aufgeboten der Nachkriegszeit – größer als zur Sicherung des G 8- Gipfels in Heiligendamm im Jahr 2007. Allein die Kosten der Polizei-einsätze werden offiziell mit über 50 (1995) bzw. 90 (1996) Millionen DM angegeben. Vorläufiger Höhepunkt war die Anlieferung von sechs Behältern im März 97 - der dritte Tag X im Wendland. Über Zehntausend Men-schen stellten bzw. setzten sich eindrucksvoll quer. Rund 30.000 Uniformierte „sicherten“ den Transport. Die Kosten für den Polizeiein-satz schnellten auf 111 Mio. DM in die Höhe. Wer nicht hören will, muss zahlen, doch der politische Preis liegt höher. Denn Atomenergie ist nicht mit rechtsstaatlichen Mitteln durch-setzbar. Die Auseinandersetzung um Gorleben hat die Anti-AKW-Bewegung immer wieder mit neuem Elan erfüllt. Bisher verlieren sich noch 80 Behälter in der Halle. Jeder Behälter, der dort lagert, erhöht den Druck auf die Fer-tigstellung des Endlagerbergwerks Gorleben. Mit langem Atem nutzen wir jede Chance die Antwort auf die Kernfrage zu geben: Das Atommülldilemma ist nur zu begrenzen, wenn die Atommeiler stillgelegt werden.

Im Jahr 2009 kann kein Transport stattfin-den, weil es den Betreibern nicht gelungen ist, eine Genehmigung für einen neuen Behälter-typ einzuholen.

DAS ENDLAGER-Projekt:

Der Salzstock ist ungeeignet - der Bau geht weiter...

Die Untauglichkeit des Gorlebener Salz-stocks als atomares Endlager ist längst erwie-sen. Schon die Standortbenenung fand nicht nach wissenschaftlichen Kriterien statt, son-dern ausschließlich unter politischen Erwä-gungen. Dennoch wird - allen Ankündigungen zum Trotz - kein anderer Standort untersucht. Die massiven Zweifel an der Eignung des Salzstocks Gorleben führten im Jahr 2000 zu einem auf höchstens 10 Jahre befristeten Baustopp („Moratorium“). Die Bundesregie-rung drückt sich um eine alternative Endlager-suche. Inzwischen wurden 1,51 Mrd. Euro für den Ausbau ausgegeben. Bundeskanzelrin Angela Merkel „argumentiert“ mit dieser Summe und möchte Gorleben fertigstellen („erkunden“). Dass die Asse II, das Pilotpro-jekt für Gorleben, inzwischen absäuft und das ehemalige DDR-Endlager Morsleben einzu-stürzen droht, hindert die Endlager-Community nicht daran, an Salz und Gorleben als Endlagergestein festzuhalten.

Und dass, obwohl alle anfänglichen Eig-nungsbedingungen inzwischen widerlegt sind. So ist zwischen dem Salzstock und den wasserführenden Schichten keine schützende geschlossene Tonschicht als Deckschicht vorhanden. Der Salzstock hat Grundwasser-kontakt, vom Salz werden jährlich zwischen 3.000 und 12.000 m3 abgelaugt. Da aber diese Einbahnstraße Gorleben politisch gewollt ist, muss der Salzstock tauglich sein, muss das Bergwerk errichtet werden. Um welchen Preis, das hat der tödliche Unfall aus dem Jahre 1987 gezeigt, bei dem ein Bergmann ums Leben kam, als Schacht 1 ins Rutschen geriet und einzustürzen drohte. Das Abteufen der Schächte war ständig von Laugenzuflüs-sen begleitet.

Unabhängig von der Eignung speziell des Gorlebener Salzstocks ist für Wissenschaftler anderer Nationen fraglich, ob Salz als Lager-stätte für Atommüll überhaupt geeignet ist.

Die Behälter sind durch das aggressive Einlagerungsmedium schneller Korrosion ausgesetzt. Versuche haben gezeigt, dass Salz durch die radioaktive Strahlung in Verbindung mit den vom Atommüll ausgehenden hohen Temperaturen in seine chemischen Bestandtei-le Natrium und Chlor zersetzt wird. Bei diesen Radiolyse-Prozessen wird vor explosiven Reaktionen gewarnt.

Dem weiteren Ausbau des Bergwerks in Gorleben stehen die Salzrechte des Gorleben-klägers Andreas Graf von Bernstorff und der Kirche entgegen. Zwar wurde im Oktober 1995 der erste Querstollen zwischen den beiden Schächten in 840 m Tiefe aufgefahren und mit der Erkundung begonnen, aber zum endgültigen Ausbau der Stollen muss ein lang-wieriges Enteignungsverfahren eingeleitet werden. Die - verfassungsrechtlich - fragwür-dige Voraussetzung sollte durch die Novelle des Atomrechts 1997 geschaffen werden. Die damalige Bonner Umweltministerin Dr. Ange-la Merkel (CDU) ließ in das Atomgesetz einen Passus einfügen, mit dem bereits der salzige Untergrund enteignet werden kann, wenn es für die „Erkundung“ nötig sei („lex Berns-torff“).

Die Betreiber des Bergwerkes haben un-erwartet Konkurrenz bekommen: SALINAS. Diese Firma möchte das Salz vermarkten Die SALINAS GmbH geht zurecht davon aus, dass wegen des hohen politischen Symbol-werts dieses Salzgesteins das Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich arbeiten kann. Das Salz soll in großer Tiefe in unmittelbarer Nähe zu dem DBE-Projekt ausgespült werden. Die wirtschaftliche Ausbeutung von Bodenschät-zen genießt laut Bergrecht Vorrang gegenüber wissenschaftlichen Erkundungen. BfS und DBE müssten dann schon mal Pläne für den Rückbau der Schachtanlage schmieden.

TRANSPORTRISIKEN:
Atommüll auf Schienen und Straßen

In Gorleben sind vorerst 160 Stellplätzen für die Kokillenbehälter mit den Abfällen aus der Wiederaufarbeitung reserviert. Solange es keine Lagerplätze direkt an den AKW gibt, dienen allein Ahaus und Gorleben als „Ent-sorgungsnachweis“, Greifswald ist bisher allein für den Atommüll, der bei der Stillle-gung der Reaktoren in Greifswald und Rheinsberg anfällt, reserviert.

Hinzu kommen Transporte ins Fasslager. Schon der „normale“ Transport der Behälter setzt die Bevölkerung, das Transportpersonal und auch Polizisten einer beträchtlichen Ge-fährdung durch Strahlenbelastung aus. Jahre-lang wurden Castoren nach La Hague trans-portiert, deren Oberfläche stark kontaminiert war. Dabei wurden Verstrahlungen von bis zu 13.400 Becquerel (Bq) pro Quadratzentimeter registriert, das ist mehr als das 3000 fache des zulässigen Grenzwerts von 4 Bq. Seit der Kontaminationsskandal bekannt wurde, gab es keine weiteren Castortransporte. Die Atomwirtschaft drängte. Sie befürchtete die Stille-gung der Reaktoren auf „kaltem Wege“, wenn die Transporte noch für längere Zeit ausgesetzt werden. Im Januar 2000 hat der grüne Bun-desumweltminister Jürgen Trittin den von seiner Vorgängerin Angela Merkel (CDU) verhängten Transportestopp wieder aufgehoben.

Was passiert, wenn es zu einem Verkehrs-unfall kommt? Die Betreiber des Zwischenla-gers weisen gern auf ihre Fall- und Brandver-suche mit den Behältern hin (und zeigen auch entsprechende Beschwichtigungsfilme). Nur kann die Sturzhöhe z.B. bei einer Eisenbahn-brücke weitaus mehr als die erprobten neun Meter betragen. Und die Temperatur bei Gas- und Benzinbränden kann bis zu 2.000 Grad betragen - und nicht 800 Grad, wie sie (für kurze Dauer) für den Test angesetzt wurde. Nur leere Castor-Behälter oder Prototypen (Miniaturausgaben) wurden für Versuche benutzt. Was aber kann damit bewiesen wer-den?! Nicht viel. Im Januar 2000 belegte die ARD-Sendung Plusminus, dass Originalbehälter diesen Tests nicht unterzogen werden. Als britische Behälter vom Typ NTL 11 Tests unterzogen wurden, versagten sie in Serie.

PKA

Hier entsteht eine Atommüllfabrik

Die Konditionierung wurde früher als Al-ternative zur Wiederaufarbeitung (WAA) beschrieben (nicht wiederaufarbeiten, sondern „endlagerfähig machen“ und dann „direkt endlagern“). Weil Wirtschaftlichkeit vor Si-cherheit geht, soll der Strahlenmüll in der Pilotkonditionierungsanlage (PKA) dichter gepackt werden: je enger, desto weniger benö-tigter Platz, desto billiger endzulagern.

Erprobte Techniken einer derartigen Kon-ditionierung gibt es nicht. In Gorleben soll eine Pilotanlage den Betrieb aufnehmen. Die Bevölkerung spielt unfreiwillig Versuchska-ninchen. Ob die Betreiberin, die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), die Anlage, wie beantragt, überhaupt nutzt, ist allerdings ungewiss. Wahrscheinlich wird sie scheib-chenweise in Betrieb gehen und am Ende wird die GNS auch das Zerschneiden abgebrannter Brennelemente beantragen.

Wir haben uns mit mehreren Platzbeset-zungen und einer Großdemonstration gegen die PKA gewehrt. Dennoch haben wir die Genehmigung nicht verhindern können. 800 Millionen DM hat die PKA gekostet.
Vorerst ist„nur“ die Reparatur defekter Castoren erlaubt. Eine Konditionierung macht für absehbare Zeit gar keinen Sinn, die PKA ist überflüssig.

Das heißt, Castoren, die nicht dicht halten, beschädigt sind, werden künftig nach Gorle-ben transportiert. Und weil nach einem Unfall eine Mengenbegrenzung unsinnig wäre, fällt sogar die ursprünglich geplante Begrenzung auf einen Jahresdurchsatz von 35 Tonnen!

Statt eines Atomausstiegs wurde uns eine weitere Atomanlage untergeschoben - zur Sicherung der GNS-Investitionen. Ein schwarzer Tag - nicht nur für das Wendland! Aber gegen die Betriebsgenehmigung wird mit Sicherheit geklagt.

WOHIN MIT DEM STRAHLENDEN MÜLL ?

Der weitere Betrieb von Atomkraftwerken schafft täglich neue Sachzwänge. Wir treten folglich für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen ein. Eine Lösung muss zwar im internationalen Maßstab gefunden werden, aber Exporte von Atommüll ins Ausland (z.B. GUS-Staaten oder 3. Welt) würden wir nie-mals billigen. Welche Möglichkeiten der Endlagerung letztlich in Frage kommen, ist weltweit völlig ungewiss.
Wir werden jeden Vorschlag genau unter die Lupe nehmen.

WELCHE ALTERNATIVEN ZUR ATOMENERGIE GIBT ES ?

Auch das Verbrennen von Kohle, Erdgas und Mineralöl wirft große Probleme auf: Verschmutzung der Luft und Klimaprobleme sind die Folge. Die Freunde der Atomenergie preisen demgegenüber die AKW's als sauber und umweltfreundlich an. Eine Energiepolitik, die auf die Zukunft gerichtet ist, muss also eine doppelte Anwort finden: wie lassen sich die Gefahren der Atomkraft und das Klima-roblem überwinden? Die größte Energiequelle heißt nach wie vor Energieeinsparung. Im Verkehr durch treibstoffarme Fahrzeuge, bei der Raumwärme durch Isolation, bei der Stromerzeugung durch Kraft-Wärme-Koppelung (KWK). Forschungspolitisch müssen alle Anstrengungen auf die Entwicklung soge-nannter regenerativer Energiequellen (Wasser, Wind, Sonne) gerichtet sein. Anstelle der griffigen Formel Kernkraft und Kohle könnte es in naher Zukunft Kraftwärmekoppelung, Regenerative und Einsparung heißen. In ferner Zukunft wird Wasserstoff als (Sekundär-) Energieträger eine wichtige Rolle spielen, vor allem dann, wenn Wasserstoff durch Sonnen-energie aus Wasser in größeren Mengen ge-wonnen wird. Die Liberalisierung auf dem Strommarkt wirft jedoch alle Bestrebungen zurück, vernünftige Alternativen zur bisherigen Energiepolitik zu installieren. Die großen Stromkonzerne drohen mit Dumping-Preisen die Stadtwerke und damit die dezentrale Ener-gieversorgung mit KWK zu zerschlagen. Die freie Wahl der Stromanbieter bietet aber auch ungeahnte neue Möglichkeiten. Wir fordern alle Kommunen, Kirchen, Betriebe und Büros auf, es uns nachzutun und den Anbieter zu wechseln: Atomstrom kommt uns nicht ins Haus!

Sowohl im Energierecht als auch in der Forschung müssen die Weichen gestellt sein. Das Atomzeitalter ist schließlich nichts Schicksalhaftes. Nehmen wir unser Geschick in unsere Hände!

STOPPEN WIR DIE ATOMINDUSTRIE!

Gemessen an dem, was in den 70er Jahren unter dem Stichwort „Nukleares Entsorgungs-zentrum“ für Gorleben geplant wurde, ist die heutige Situation geprägt von Erfolgen der Anti-AKW-Bewegung: die Wiederaufarbei-tungsanlage (WAA) konnte sowohl in Gorle-ben als auch in Dragahn und Wackersdorf verhindert werden. In elf Jahren seit der Fer-tigstellung der CASTOR-Halle ist es den Betreibern nie gelungen, hochradioaktiven Müll einzulagern. Der Bau des Endlagers im Salzstock Gorleben konnte bereits um Jahre verzögert werden. Die Atomtransporte in das Castorlager wurden immer wieder ver- und behindert und letztlich nötigten wir der Bun-desregierung die Ausstiegsdiskussion auf.

Die Auseinandersetzung ist noch nicht ent-schieden. Der Widerstand in Gorleben geht weiter: Gegen den Betrieb der PKA, für das Verfüllen der Endlagerschächte und die Schließung der Anlage, gegen den Bau einer zweiten Fasslagerhalle, für die Schließung des Zwischenlagers, gegen weitere Atomtranspor-te, für die sofortige Stilllegung aller Atoman-lagen und für eine nachhaltige Form der Energieversorgung.

DIE BÜRGERINITIATIVE UMWELTSCHUTZ LÜCHOW-DANNENBERG

ist auf jede Unterstützung dringend angewiesen! Wer sich in die zur Mobilisierung für Aktionen angelegten „Alarm“-Telefonlisten eintragen möchte, kann dies im Büro der Bürgerinitiative persönlich oder telefonisch machen. Im BI-Büro gibt es auch weiteres Informationsmaterial, Aufkleber, Plakate etc.. Für Menschen, die sich regelmäßig über Gorleben informieren wollen, empfehlen wir unsere Zeitung „Gorleben-Rundschau“ und unsere Schriftenreihe „Zur Sache“. Beides kann über das Büro bestellt werden. Die BI bietet Referenten zu Gorleben- und Atomenergiethemen an, die sowohl zu Veranstaltungen in die ganze Bundesrepublik und ins Ausland reisen als auch Besucher im Wendland betreuen, beispielsweise bei einem Rundgang um die Gorlebener Anlagen.

Widerstand braucht

Phantasie

und Geld.

Deshalb sind wir auch auf finanzielle Hilfe ständig angewiesen.

Stand 10/2008

Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.
Drawehner Str. 3, 29439 Lüchow,
Tel.: 05841 4684
Spendenkonto:
KSK Lüchow, BLZ: 258 501 10,
Kontonummer: 4 406 072 1
www.BI-Luechow-Dannenberg.de

Bearbeitet am: 30.10.2008/ad


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