Flugblatt der BI zur PKA (Pilotkonditionierungsanlage Gorleben)

Ein schwarzer Tag für das Wendland

Kommt der Konsens in Berlin, folgt die Genehmigung für die Pilot- Konditionierungsanlage (PKA) in Gorleben. Das wäre ein  rabenschwarzer Tag für das Wendland.

Die rot-grüne Bundesregierung und die Energiewirtschaft können sich noch immer nicht auf die Laufzeiten der Atomreaktoren einigen. Es ist für uns völlig unakzeptabel, dass die Grünen inzwischen bereit sind, eine Betriebsdauer von 30 Jahren für die Atomkraftwerke hinzunehmen. Denn dies läuft auf einen Bestandsschutz für die AKWs hinaus, die täglich immer mehr Atommüll produzieren.

Auch bei der "Lösung" des Atommüllproblems kommt die Bundesregierung den Betreibern entgegen. Zum einen werden kraftswerksnahe Zwischenlager gebaut, zum anderen soll die PKA Gorleben den Betrieb aufnehmen.

Diese Atomanlage ist in Gorleben praktisch fertiggestellt.

Ihr Bau hat sich jahrelang verzögert, auch wegen der Mängel in der Bauausführung. Baubeginn der Atommüllfabrik war das Frühjahr 1990. Ursprünglich wollte die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) die Allzweckfabrik 1995 in Betrieb nehmen. Der Bau hat mittlerweile 800 Millionen DM gekostet. Die GNS besteht auf einer umfangreichen Betriebserlaubnis zur Sicherung ihrer Interessen und Investitionen.

Das Kürzel PKA steht für die endlagerfertige Verpackung ("Konditionierung") der hochradioaktiven Brennelemente bzw. der verglasten hochradioaktiven Abfälle (Kokillen) aus der Wiederaufarbeitung. Dazu werden die Castorbehälter in einer "heißen Zelle" ferngesteuert geöffnet, die Brennelemente bzw. Kokillen werden herausgezogen und umgepackt in einen sogenannten Pollux-Behälter. Über einen 60 Meter hohen Abluftkamin wird Radioaktivität in die Luft geblasen. Luft, die wir atmen.

Ist der Probebetrieb beendet, wird mit Sicherheit eine Pipeline zur Elbe gebaut, in der gefischt und geangelt wird. Radioaktive Betriebsabwässer überschwemmen dann das Deichvorland bei jedem Hochwasser: Über den Pfad Gras, Kuh, Milch reichert sich die Radioaktivität an.

Dass es in jeder Atomanlage Störfälle geben kann, dass wir erst recht bei einer "Pilot"-Anlage mit Pannen rechnen müssen, ist zu befürchten.

Die PKA macht keinen Sinn.

Niemand kann heute sagen, wo, also in welcher geologischen Formation (Salz, Granit, Ton...) und an welchem Ort im Jahr 2030 ein Endlager für den Strahlenmüll sein soll.

Statt eine auf lange Zeit überflüssige PKA, die auch noch am falschen Ort errichtet wurde, mit zum Verhandlungsgegenstand in den Konsensrunden zu machen, schlug ausgerechnet die rot-grüne Bundesregierung der PKA eine Bresche: sie will - weil der Ausstieg nichts kosten darf - die umstrittene Atomfabrik als Castor-Reparaturzelle genehmigen. Wohlgemerkt: als zentrale Einrichtung für alle Zwischenlager bundesweit. Das heißt: am Ende gibt es noch mehr Atomtransporte, und das auch noch mit schadhaften, defekten Behältern. Alles wegen der bereits investierten 800 Millionen DM!

Wer über 70 Milliarden DM Rückstellungen aus unseren Stromzahlungen gehortet hat wie die AKW-Betreiber, wer rund 100 Milliarden bei der Lizenzvergabe für die Funktelefone einstreicht wie der Staat, kann nicht ernsthaft die verfehlten Atommüllprojekte in Salzgitter (Schacht Konrad ) und Gorleben nur aus "Kostengründen" genehmigen. So verbaut sich die Bundesregierung jede Gestaltungsmöglichkeit bei der angeblich angestrebten Neukonzeption der Atommüllentsorgung.

Wir sehen schwarz, aber wehren uns auch in dieser ausweglosen Situation. Die Farbe schwarz ist das Symbol. Schwarze Fahnen, schwarze Wimpel, Plakate und Flugblätter mit schwarzem Grund verweisen auf die drohende Entwicklung. Den Widerstand geben wir nicht auf. Kommt es zur Betriebsgenehmigung treffen wir uns am Abend dieses schwarzen Tages in schwarzer Kleidung an den Toren der PKA in Gorleben. Doch vorher werden wir die PKA in schwarze Tücher hüllen und beerdigen.

Wir sitzen am längeren Hebel

und haben einen langen Atem, wir wissen nur zu gut: die Castorbehälter sind das "Futter" für die PKA. Jeder Castor, der Gorleben nicht erreicht, macht die PKA "arbeitslos".

Schon häufig wurden durch Klagen vor dem Verwaltungsgericht wichtige Verzögerungen in Gorleben erreicht. Ob auch bei der anstehenden PKA-Betriebsgenehmigung geklagt werden kann, hängt u.a. vom dafür nötigen Kleingeld ab.

Spendenkonto der "Rechtshilfe Gorleben": 3 001 609 bei der KSK Lüchow, BLZ 258 513 35

Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.
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Bearbeitet am: 27.05.2000/ad


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