Leserbrief der

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vom 17.12.2011

Stiller Held, ohne Ruhm zu ernten

Betrifft: Blockade-Aktionen beim Castor-Transport

Neben den spektakulären, bewundernswerten Aktionen von Atomkraftgegnern während eines Castor-Transportes wie zum Beispiel der Bauern-Pyramide in Hitzacker am Kiefernweg, gibt es auch noch die unbekannten, einsamen Aktionen, die kaum einer wahrnimmt, Widerstand der stillen Helden. Jedenfalls bei einer wurde ich Zeugin. Hitzacker, Sonntag, den 27.

November, nachts, etwa drei bis halb vier. Der Monsterzug steht noch immer in Harlingen, kurz vor der letzten Kurve nach Hitzacker. Das letzte Pyradmidenteil der Bauern-Pyramide ist entfernt, die letzten Blockadeteilnehmer sind geräumt. Jetzt könnte er eigentlich fahren.

Aber da ist noch einer auf der Schiene, nahe der Pyramidenstelle. Funkenflug, Kreissägegeräusch. Er liegt in der Schiene, zu seinen Häupten wird die Schiene durchtrennt, der Kopf ist verhüllt. Eine junge Frau kniet neben ihm, sonst sind im Fast-Dunkel nur Polizei, Arzt, Sanis und Fotografen auszumachen. Und ein paar wenige Restliche, wie ich, vielleicht.

Jetzt ist die Schiene durchtrennt, springt hoch, wird weiter angehoben an der Seite des Angeketteten. Nun wird der ganze Mann samt Rohr, darin die Arme stecken, aus der Schiene gefädelt, hochgestellt und weggeleitet. Sein Gesicht bekommt man nicht zu sehen. Die Schiene wird wohl wieder runtergebogen und irgendwie befestigt.

Ich folge dem Abgeführten in Richtung Süd-Seite, Hügel hinauf und wieder hinunter in eine Senke, wo Polizeiautos stehen, werde auf Abstand gehalten. Alles ist ziemlich dunkel. Plötzlich blitzartige Bewegung, eine Gestalt rennt den jenseitigen Abhang hinauf, zwischen Bäumen, feldwärts, Polizeibeamte stürzen hinterher. Ich ahnte, es sei der Angekettete, ich hörte, er entkam.

Der Zug musste warten, seinetwegen. Ruhm wird er nicht ernten. Er bleibt der Unbekannte - hoffentlich: ein stiller Held.

Jutta von dem Bussche,
Hitzacker

Bearbeitet am: 17.12.2011/ad


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