Leserbrief der

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vom 28.01.2012

Landkreis braucht Bewegung und neue Themen

Betrifft: Artikel "Gewaltstrukturen müssen verändert werden" von Elisabeth Krüger, Metzingen (EJZ vom 6. Januar)

Bravo, rufe ich laut aus. In der Tat: Die hiesigen Gewaltstrukturen müssen verändert werden, oder wie es die Autorin des Leserbriefs ausdrückt: Wir müssen darüber reden, »wie wir die Gewaltverhältnisse verändern können .

..» Am besten beginnt Frau Elisabeth Krüger umgehend selbst damit, ihre Fachkenntnisse als studierte Psychologin zu nutzen, soziale Gräben in dieser Region aufzufüllen, ausgleichend zu wirken und Mitgefühl zu lehren, anstatt immer wieder aufs Neue zu agitieren und zu polarisieren. Sie selbst könnte entscheidend helfen, die Gewaltverhältnisse kurzfristig zu ändern, und sie würde sich und die Gorleben-Gegner endlich aus der Opferrolle befreien und beginnen, die Entscheidungsprozesse aktiv mitzugestalten, anstatt immer nur Widerstand zu leisten, also den Zustand des Macht-Patts zu fördern.

»Wandel durch Annäherung», so hat diesen Prozess unser ehemaliger Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt auf eine unnachahmlich prägnante Formel gebracht. Und er hat so zum Fall des »Eisernen Vorhangs» entscheidend beigetragen und die Verständigung der Völker gefördert, was damals niemand in dieser kurzen Zeitspanne für möglich gehalten hat.

Unsere Welt ist nicht entweder nur schwarz oder nur weiß. Unsere Welt ist vielfarbig bunt! Das merkt aber nur, wer sich vom ewig gleichen Lebensthema einmal befreit, den Kopf hebt und über den Tellerrand schaut.

Ich finde, es reicht, dass die einen interessierten Kreise seit Jahrzehnten versuchen, einzig diesen Landkreis zum Atomklo der Republik zu machen, und ich finde, es reicht auch, dass Generationen von Kindern hier im Landkreis von anderen ebenso interessierten Kreisen beigebracht wurde, Polizisten pauschal als »Bullen» zu verunglimpfen und unser Gemeinwesen, »den Polizeistaat», als schlecht wahrzunehmen. Einen Staat immerhin, der uns fast 70 Jahre Frieden gesichert und einen gewissen allgemeinen Wohlstand gewährt hat. Wer mal im Ausland gewohnt und gesehen hat, wie viele Menschen dort hausen, weiß selbst Hartz IV zu schätzen.

Ich finde, es reicht, dass sich einige im Widerstand anmaßen, Gewalt auszuüben, und Frau Krüger verteidigt in ihrem Leserbrief diese Anmaßung, anstatt sie zu kritisieren.

Ich finde, es reicht, dass der geplagte Landkreis durch diesen Konflikt viele Jahre in seiner Entwicklung gehemmt wurde. Es braucht Bewegung, neue Themen. Weltkulturerbe Wendland oder Eisenbahnanbindung könnten interessante positive zukunftsweisende Vorhaben sein. Aber das wird nicht reichen. Um es frei nach Bob Dylan zu sagen: Wir brauchen Ruhe und Frieden, um an unsere Arbeit zurückzukehren. Arbeit gibt es hier reichlich, wenn die Dörfer nicht wüst fallen sollen. Reden wir also darüber, Frau Elisabeth Krüger!

Thomas von der Mühlen,
Gühlitz

Bearbeitet am: 28.01.2012/ad


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