Leukämie durch das Atomkraftwerk Krümmel

Was hat es auf sich mit den AKW-Krümmel-Leukämien?

Sechs Jahre nach Inbetriebnahme des größten Siedewasserreaktors der Welt beunruhigte eine unheimliche Leukämieserie bei Kindern die Menschen in der Nachbarschaft des Atomkraftwerkes Krümmel. Innerhalb von nur 16 Monaten erkrankten hier sechs Kinder und ein Jugendlicher an bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems.

Die Erkrankungsserie reißt nicht ab: Inzwischen hat sich die Krankheitszahl auf 11 kindliche Fälle erhöht. Allein in der kleinen Gemeinde Tespe genau gegenüber des AKW Krümmel sind seit 1990 sechs Kinder an Leukämie erkrankt. Statistisch dürfte hier nur alle 60 Jahre ein einziger kindlicher Blutkrebsfall auftreten. Nirgendwo in der Welt ist je eine vergleichbare Leukämiehäufung bei Kindern beschrieben worden.

Auch das Leukämiecluster in der Umgebung derWiederaufarbeitungsanlage von Sellafield ist nicht annähernd mit der Leukämiehäufung um das AKW Krümmel vergleichbar. Diese extreme kindliche Leukämiehäufung ist nicht irgendwo, sondern in der nächsten-Umgebung eines großen Atomkraftwerkes aufgetreten. Ein Zufall ist für diese Leukämieserie praktisch ausgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeit für ein Zufallsereignis liegt deutlich unter 3: 10.000. Im letzten Jahr kam das Atomkraftwerk zusätzlich durch einen Bericht des ARDNachrichtenmagszins Monitor ins Gerede: Berstgefahr des Reaktor- druckbehälters durch schwerwiegende Qualitätsmängel und Pfusch am Bau, so die Vorwürfe. Was ist dran an den Entlastungsargumenten, die suggerieren, das Atomkraftwerk könne nicht der Verursacher dieser weltweit einzigartigen Leukämiehäufung sein? Was veranlaßt den Hamburger Umweltsenator und HEW-Aufsichtsratsvorsitzenden Vahrenholt, sich die Entlastungsargumente zu eigen zu machen? Warum sehen Mitglieder der niedersächsischen und schleswig-holsteinischen Expertenkommissionen den Indizienbeweis gegen das Atomkraftwerk als erbracht an? Was sind die Ängste der Atomindustrie und wie glaubhaft sind die Argumente ihrer großangelegten PR-Aktionen? Wo steht die atomkritische Politik? Diese und weitere Fragen will die Veranstaltung gemeinsam mit Ihnen zu klären suchen.

Die IPPNW versteht sich als eine berufsbezogene friedenspolitische Organisation. In ihr sind Ärztinnen und Ärzte engagiert, die sich in besonderer Weise für die Gesundheit ihrer Patienten einsetzen. Sie tun dies im Sinne einer "politischen" Medizin, die Leben erhalten und lebenswert gestalten will: für unser aller Zukunft und über alle politischen Grenzen und gesellschaftlichen Systeme hinweg. Die IPPNW tritt für eine Politik ein, die erdumspannend Schaden von der Menschheit abzuwenden sucht. 1984 erhielt die IPPNW den Friedenspreis der UNESCO, 1985 den Friedensnobelpreis. Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Arzte in sozialer Verantwortung e.V. Geschäftsstelle: IPPNW, Körtestraße 10 1 0967 Berlin Telefon: 030/693 02 44 Fax: 03/693 81 66


Bearbeitet am 31.05.1997

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