Offener Brief

Adolf (Adi) Lambke
Rundling 3,
29479 Jameln, Telefon / Fax: 05864 / 233                                                              , den 05.05.1998

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, sehr geehrter Herr Glogowski !
Ich schreibe diesen offenen Brief, weil ich meine, es ist an der Zeit, Tacheles zu reden und der Öffentlichkeit klar zu machen, um was es bei den Castortransporten und Einlagerungen in Gorleben und Ahaus wirklich geht. Es geht nicht darum, den Rechtsstaat gegen einige Chaoten zu verteidigen, sondern darum, das Einlagerungsrecht der Atomkraftwerke mit Gewalt durchzusetzen und zwar auf Kosten des Rechts auf "Leben und körperliche Unversehrtheit" für uns Wendländer und unsere Nachkommen, auf das wir uns berufen, wenn wir versuchen die Castortransporte zu verhindern. Dieses im Artikel 2 Absatz 2 des Grundgesetzes verankerte Grundrecht muß das höchstrangige Recht in einem Rechtsstaat sein!

Weil man Bauernhöfe nicht evakuieren hat unser Landvolkkreisverband (Bauernverband) Sicherheitsgarantien gefordert. Diese Garantien können Sie, Frau Merkel, natürlich nicht geben, denn die Castoren wurden ja bisher nur als Transportbehälter genutzt. Als Langzeitzwischenlager sollen sie jetzt erstmalig in Gorleben dienen. Was jedoch langfristig mit den Brennelementen im Castor passiert, wie sehr sie verspröden, wie lange die Dichtungen dem dauernden nuklearen Beschuß aus dem Inneren standhalten, ist nicht erprobt. Weil wir wissen, welches ungeheure Gefahrenpotential in den Castoren ist, wehren wir uns gegen das Castorlager, das das Wendland zu einem Versuchsgelände der Atomindustrie macht.
Beweisen Sie, Frau Merkel, "Ihr" Vertrauen in die inhärente Sicherheit der Castoren
indem Sie die nächsten Castoren am Bundestag oder in einem Ballungsgebiet lagern, (zur Neutronenabschirmung soll ja angeblich ein einfacher Sandwall reichen).
Ihr Problem bei den Castortransporten ist der bäuerliche Widerstand. Den fürchten Sie Herr Glogowski und die Polizei anscheinend wie der Teufel das Weihwasser. Sie wissen nämlich genau, wenn es hunderten von Treckem gelingt, auf die Castorstraße zu kommen mit tausenden daran hängenden Demonstranten, sind die Transporte nur mit zerstörerischer Gewalt oder garnicht durchzubringen.

Am Morgen von X 2 waren über 200 Trecker unterwegs. Die Polizei hat sie alle weit entfernt von der Castorstraße fahruntüchtig gemacht und zerstört. Die Polizei behauptet einfach, das Niedersächsische Gefahrenabwehrgesetz (NGefAG) gebe ihr das Recht dazu. Angenommen das Betretungsverbot der Castortransportstrecke war rechtens, (was ich bezweifle), dann darf die Polizei die Trecker frühestens dort an der 50 in Verbotszone stoppen, erst in der 50 m Zone hätte sie dann das Recht zur Sicherstellung. Mutwillige Zerstörung durch die Polizei darf es jedoch in einem funaktionierenden Rechtsstaat Überhaupt nicht geben.

Mein Eindruck ist, um den Bauernwiderstand zu brechen, wird hier, in Zusammenarbeit von Landesregierung, Staatsanwaltschaft und Polizei versucht, geltendes Recht zu verbiegen und das NGHAG "zu einer Art Ermächtigungsgesetz" gegen Bauern umzufunktionieren. Ich erwarte von Ihnen, Herr Glogowski, dem verantwortlichen Minister natürlich eine Stellungnahme !

Bei X 2 hat die Polizei eine ganze Reihe Bauern von den Treckern geprügelt, verprügelt und weit ab von der Castorstraße verhaftet, während LKW- und PKW- Fahrer unbehelligt blieben. Wie begründen Sie es, Herr Glogowski, daß die Polizei hier so eine Art "Sippenhaft für Bauern" praktizierte ?

Vor X 1 haben knapp 600 Trecker gegen die weitere Castoreinlagerung protestiert. Rund 70 Trecker haben dann zu X 3 die Castorstraße blockiert. Als die Castoren schon auf der Ausweichstrecke unterwegs waren hat eine Spezialeinheit der Polizei diese Treckerblockade überfallen und Treckerreifen im Wert von 80.000 DM zerstört.
Genau wie bei den vielen Treckerzerstörungen bei X 1 hat sich die Staatsanwaltschaft wiederum geweigert gegen die Polizei zu ermitteln wie es eigentlich in einem Rechtsstaat selbstverständlich sein müßte. Daß hat dazu geführt, daß man jetzt im WendlandsOgar die Meinung hören kann-, Die Wendlandbauern sind die Juden des Atomstaats, weil die Polizei heute das Eigentw-n der Wendlandbauern ungestraft zerstört hat, so wie in der Reicliskristallnacht im November 1938 die SA ungestraft das Eigentum der Juden zerstört hat.

Ich fordere Sie, Herr Glogowski, auf darzulegen und zu beweisen, daß das Handeln
"Ihrer" Polizei und das Nichthandeln der Staatsanwaltschaft keinesfalls mit den
Übergriffen der SA in der Reichskristallnacht zu vergleichen ist. Sie sollten dann aber
auch erklären, mit welchen §§ welcher Gesetze Sie das Handeln der Polizei und das
Nichthandeln der Staalsanwaltschaft begründen.

Ich bin vor X 2 in meinem Heimatort brutal von der Polizei von meinen Trecker geprügelt worden. Den Videofilm davon, verwendet die Polizei heute als Lehrfilm.
Auch hier ist wohl zu fragen, werden die Polizisten jetzt extra als "Castor Schutz Staffel" auf Eskalation statt auf Deeskalation geschult ?
Zu fragen ist wohl auch, wie begründen Sie es, Herr Glogowski, daß wegen der Treckerblockade in Splietaugegen mich eine Anklage we en Schweren Landfriedensbruch vorbereitet wird, die Treckerzerstörung durch die Polizei jedoch nicht untersucht wird ?

Die Polizei prügelt, zur Durchsetzung der Castoreinlagerungen, unsere "gewaltfreien" Sitz - und Trecker - Blockaden immer wieder "gewalttätig" von der Straße. Der Staat mißbraucht damit, das ihm zweifellos zustehende Gewaltmonopol. Er handelt damit unrecht weil er unser Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit mißachtet. Gegen jedes Handeln des Staates haben wir Bürger ein Widerstands und Notwehrrecht. Daß wir das gegen unseren "gewalttätigen Staat" nicht mit Gewalt durchsetzen können, versteht sich von selbst. Sie sollte jedoch damit rechnen, daß wir Wendländer uns neue, andere, intelligente Widerstandsformen einfallen lassen, um unser Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit durchzusetzen.
Ich hoffe, Sie haben den Mut zu einer klaren umfassenden Stellungnahme und Antwort
Mit atomfeindlichen Grüßen

Unterschrift

Bearbeitet am:12.05.1998 /ad


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