Unglaubliche „Eimer-Operation“ löste Atom-Unfall aus

Dr.Hosokawa, Japan, University of  Saga nimmt Stellung zum Unfall von Tokaimura

Dr. K.Hosokawa, Japan, von der Fakultät für Agrarwissenschaften der Universität
in Saga, schreibt am 3. Oktober 99 in seinem 12. Bericht über den Atomunfall in
der Uranverarbeitungsanlage von Tokai, daß der Unfall nicht, wie behauptet, auf
der Fahrlässigkeit der Arbeiter oder deren mangelnder Ausbildung beruht:
„In einer Pressekonferrenz des STA (Die Wissenschafts- und Technik-Behörde der
Japanischen Regierung) gaben die Betreiber ( Japan Conversion, JCO) zu, daß die
Arbeitsanleitung für den fraglichen Uranverarbeitungsprozess geändert worden
war. Die Arbeiter sollten dementsprechend mit dem Uraniumnitrat in rostfreien
Stahleimern hantieren, was sie auch taten und so die nukleare Kettenreaktion
auslösten. Solch eine Handhabung ist natürlich überhaupt nicht akzeptabel nach
den Gesetzesvorschriften für radioaktives Quellenmaterial, nukleare Brennstoffe
und Reaktoren.

Mit anderen Worten, die Ursache dieses sehr ernsten Unfalles ist nicht
Unachtsamkeit seitens unerfahrener Arbeiter, sondern vielmehr ein kriminelles
Vorgehen des Betreiber JCO, um die Arbeit schneller und einfacher und damit
kostengünstiger zu gestalten auf Kosten der Sicherheits-bestimmungen.
Die unglaubliche „Eimer-Operation“ begann am 10. September nach Mitteilung
eines JCO Ingenieurs (Pressekonferenz v. 3.Okt.). Die drei verstrahlten Arbeiter
benutzten sieben Eimer, jeder maximal gefüllt mit Uranlösung für die
Verhinderung einer Kettenreaktion und schütteten den Inhalt auf einmal in den
`Dimentation Tank` (50 cm Durchmesser, 70cm hoch), in dem dann die nukleare
Kettenreaktion ausgelöst wurde.

Die STA Verantwortlichen erklärten, die Gesetzesbrüche durch JCO würden
schonungslos untersucht und sanktioniert . Aber ist es nicht ebenso ein ernstes
Versagen der STA, daß eine solch fahrlässige Handhabung samt illegaler
Umschreibung der Arbeitsvorschriften durchgeführt wurde, unkontrolliert , trotz
der routinemäßigen Überwachung durch die STA ?“
Soweit die Zitate aus Dr. Hosokawas 12. Bericht, in dem er sich auch fragt,
wieso so schnell die Verstrahlungswerte wieder für normal erklärt werden
konnten und wer diese Kontrollmessungen eigentlich durchführte ? Am Ende die
Betreiber, JCO, selber? Auch die Japanische Regierung sei vor allem daran
interessiert, so schnell wie möglich in der Öffentlichkeit wieder die
Atmospsähre zu verbreiten „alles ist wieder normal“. Bei einer nationalen
Umfrage der Japanischen Tageszeitung „Mainichi Newspaper“ ergaben sich aber
andere Werte. Bis zu 75% der Befragten zeigten sich sehr besorgt oder gar
ablehnend gegenüber der Atomtechnologie nach dem Unfall in Tokai.


Daß fahrlässiges Denken und Handeln nicht nur bei japanischen Atombeteibern
vorkommen , wissen wir in Deutschland zur Genüge seit dem CASTOR-Skandal. Die
Denkweise der deutschen Atombetreiber ist nicht weniger auf maximalen Profit
auf Kosten der Umweltsicherheit ausgerichtet Das zeigt die Umwidmung der
Pilotkonditionierungsanlage für die kompaktere Umverpackung von
hochradioaktivem Atommüll im „Zwischenlager“ Gorleben aus Profitgründen, und das
bestätigt der Brief vom Mai 99, den die PreussenElektra an das
Bundesumweltministerium schrieb, mit der Forderung, daß
Grenzwertüberschreitungen bei Castortransporten nicht mehr zur
Genehmigungsverweigerung führen dürfen..(Zitat TAZ 27.9.99)

Auch nach dem  Transportrecht, so die PreussenElektra könne der Grenzwert „im Laufe eines Transportes trotzt aller Vorsichtsmaßnehmen überschritten werden“. In diesem
Falle müsse, „so bald wie möglich dekontaminiert werden“ Im Klartex: Die
Atommüllfuhren sollen von den Behörden erst einmal genehmigt werden. Wenn dann
die Normen nicht eingehalten werden, könne man ja immer noch handeln...
kommentiert die TAZ .

Festzustellen bleibt aber vo allem dies:Was ist ein solches   Transport-“Recht“ dann anderes als die Legitimation für Umweltverbrechen? Wir alle wissen aus Erfahrung: Angeklagt wird der Widerstand gegen die Atomtechnologie und die atomare Fahrlässigkeit, nicht die Atomindustrie.: § 129a , in dem auch das Freisetzen ionisierender Strahlen oder die Absicht dazu und die damit verbundene öffentliche Gefährdung als terroristische Tat
strafrechtlich zu verfolgen ist, wird nicht gegen Atombetreiber angewandt. Sie
leben im rechtsfreien Raum der Lobbyisten: $129a wird angewandt, um den
Widerstand zu zermürben und die Solidarität unter den Menschen zu zerstören..
Auch da müssen wir wachsam bleiben und dürfen das nicht hinnehmen!

Dr.Hosokawa
Faculty of Agriculture, University of Saga ,
840-8502 Japan
e-mail: hosokawk@cc.saga-u.ac.jp

Bearbeitet am: 04.10.1999/ad


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