Strafantrag wegen Zerstörung der denkmalgeschützen „Seerauer Brücke"

BI Lüchow-Dannenberg e.V.
Verein zur Erhaltung von Baudenkmälern i.G.

Drawehner Str. 3
29439 Lüchow                                                                                                06.10.2000
Tel.: 05841-3197
Fax: 05841-3197

Staatsanwaltschaft Dannenberg
c./o. Amtsgericht Dannenberg
29456 Dannenberg

Betr.:     Strafantrag wg. Zerstörung der „Seerauer Brücke“ bei Seerau / Hitzacker
    Gemäß § 34 NDSchG



Sehr geehrte Damen und Herren!

Hiermit stellen wir

Strafantrag

gegen unbekannt, ggf. gegen die Verantwortlichen der Deutschen Bahn AG, bzw. gegen das Eisanbahnbundesamt, die „Deutsche Bahn AG“ oder andere beteiligten Behörden / Firmen wg. „Zerstörung eines Kulturdenkmals“ nach § 34 Niedersächsisches Denkmalschutzgesetz.

Hintergrund:

Die sogenannte „Seerauer Brücke“ ist in das Denkmalschutzverzeichnis eingetragen. Diese Brücke, im beginnenden Industriezeitalter des letzten Jahrtausend, etwa im Jahre 1874 erbaut, stellt eindeutig ein unwiederbringliches Kulturgut im Sinne des Denkmalschutzes dar. Diese Brücke, als Bogenkonstruktion für die Eisenbahnquerung des Flusses Jeetzel gemäß damaligen hochtechnisierten, modernen Konstruktionsprinzipien als genietete Stahlträgerbrücke ausgeführt, stellt ein einmaliges, unwiederbringliches, noch funktionsfähiges Denkmal gemäß §3 NDSchG dar, an

„deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen oder städtebaulichen Bedeutung ein öffentliches Interesse besteht“.

Dieses Baudenkmal soll nun, gemäß bekanntgewordenen Presseveröffentlichungen, zerstört werden, obwohl es keinen zwingenden Grund dazu gibt.

Eine „Zerstörung von Kulturdenkmälern“ ist hingegen nach § 34 NDGSchG mit einer „Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe“ zu ahnden.

Wie in der „Elbe-Jeetzel-Zeitung“ vom 15. September 2000 nachzulesen ist, soll das Eisenbahnbundesamt eine Plangenehmigung für den Bau einer neuen Überquerung erteilt haben. Danach soll die „Deutsche Bahn AG“ bereits Ende des Monats mit „Bauarbeiten“, als dem Abriß der bestehenden, noch funktionsfähigen und benutzten Brücke beginnen.

Und eine neue Brücke soll, so die EJZ, gemäß Auskunft des Pressesprechers der Deutschen Bahn AG in Niedersachsen, „anders aussehen als jetzt“. Wie sich aus dem Artikel ergibt, sollen zwar die Brückenpfeiler aus Stein ausgebessert werden und ansonsten erhalten bleiben, hingegen wird die charakteristische Rundbogenkonstruktion der Stahlträger „durch eckige Stahlkonstruktionen ersetzt“.

Damit wird ein nahezu einmaliges Kunstwerk und Baudenkmal – es gibt neben dieser „Seerauer Brücke“ und den Resten der Brückenkonstruktionen der nicht mehr genutzten Dömitzer Bahnbrücke nur noch eine ähnliche Brücke.

Wenn ein eingetragenes Baudenkmal überhaupt verändert werden darf, dann muß es so repariert werden, dass der ursprüngliche Charakter weiterhin genauso erkennbar ist, wie vorher. Wenn „die alten Stahlträger nicht zu sanieren“ seien, wie die Deutsche Bahn AG behauptet, dann ist mindestens dafür zu sorgen, dass neue Stahlteile optisch und konstruktiv genau so eingesetzt werden, wie die bisher über 125 Jahre alten Teile. Gründe technischer oder konstruktiver Art, die gegen einen originalgetreuen Ersatz sprechen, gibt es nicht.

Grenzen der Erhaltungspflicht gemäß § 7 NDSchG Abs. 1 oder Abs. 2, Nr. 1-3 liegen nicht vor, da weder eine „Erhaltung den Verpflichteten wirtschaftlich unzumutbar belastet“, noch eine „unveränderte Erhaltung“ unzumutbar ist.
So soll die Zerstörung des Baudenkmals bereits 7 Mio. DM kosten; ein Erhalt im jetzigen Zustand, bzw. eine Reparatur der Brückenpfeiler, deren Erhalt ja bereits vorgesehen ist, würde deutlich preiswerter sein, als die Zerstörung, bzw. der „Ersatz“ durch völlig andere optische und konstruktive, historisch unbedeutende 0815-Elemente.
Wenn überhaupt eine weitergehende Reparatur unumgänglich sein sollte, käme mindestens die Verwendung von Originalgetreuen Elementen in Betracht – eine unwiederbringliche Zerstörung hingegen dieser einzigartigen Konstruktion ist nicht hinnehmbar, und wird durch das Denkmalschutzgesetz explizit verboten.
„Grenzen der Erhaltungspflicht“ gelten insbesondere nicht „für das Land, die Gemeinden, die Landkreise und die sonstigen Kommunalverbände“.
Ein dem Erhaltungsgebot ggf. entgegenstehendes (öffentliches) Interesse muß einen Eingriff „zwingend verlangen“, es sind strengste Anforderungen zu stellen, „nachteilige Eingriffe in Denkmale sind also auf das jeweils unvermeidliche Mindestmaß zu beschränken“, es ist „ein Abbruch nicht zulässig, wenn ein Umbau ausreicht“.
Ein Ersatz der denkmalgeschützten Bogenbrücke durch eine optisch und konstruktiv völlig andersartige gerade Stahlbrücke ist weder zulässig noch hinnehmbar.

Insofern stellt das angekündigte Bauvorhaben mit dem Abriß und der Zerstörung der alten dreiteiligen Bogenbrückenkonstruktion eine Straftat gemäß 34 NDSchG dar, die von Ihrer Behörde zu verfolgen und zu ahnden ist.

Wir stellen hiermit Strafantrag und fordern Sie zur sofortigen Aufnahme von Ermittlungen gegen die verantwortlichen, uns nicht genauer bekannten Personen, Firmen und Behörden auf.

Hochachtungsvoll


(Bi Lüchow-Dannenberg e.V)             (Verein zur Erhaltung von Baudenkmälern i.G.)

Bearbeitet am: 21.09.2000/ad


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