Becquerel-Geschichten

Zwischen Wyhl und Tschernobyl

Herausgegeben von Wolfgang Ehmke

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DIE AUTOREN VORBEMERKUNG


"Eigentlich schade, daß die Menschen nur aus Katastrophen lernen."
jahrelang bin ich auf dem Weg zur Arbeit an dem Häuserblock vorbeigefahren, an dessen Wand dieses Graffiti prangte. Inmitten des Sanierungsgebietes, das der Baggerzahn dem Erdboden gleichgemacht hatte, war wie durch ein Wunder eine Dreiergruppe von alten Häusern stehen geblieben, ragte wie ein trotziger Rest aus dem plattplanierten Umfeld mitsamt der Sprühschrift hervor, das seine Zeit überdauert hatte. Nun haben wir die Katastrophe, fragt sich nur, ob wir aus ihr zu lernen imstande sind.

Auf die Sachfragen, die nach dem Super-GAU von Tschernobyl aufgeworfen wurden, gibt es Antworten, zumindest vorläufige. Das Wissen um die radiologischen Zusammenhänge, die Folgen des Reaktorunglücks wirft die Frage nach unseren Möglichkeiten auf, ein weiteres Tschernobyl verhindern zu können. Es geht um die Frage nach den politischen Chancen und Aktionsformen, die uns dem Ausstieg aus der Atomwirtschaft, der zivilen und militärischen Nutzung der Atomenergie näher bringen. Es ist auch die Frage nach unserem geschichtlichen Ort. Bürger gegen Atomkraftwerke, das ist schon ein Kapitel Zeitgeschichte. Aber je näher dran, desto ferner ist der Gedanke, geschichtliche Erfahrungen aufzuarbeiten. Dabei bietet es sich geradezu an, aus der Fülle der Widerstandsgeschichten zu lernen: die AntiAKW-Bewegung hat wie kaum eine andere politische und soziale Bewegung der letzten 10 bis 15jahre in Liedern, Straßentheater und Literatur ihren Niederschlag gefunden.Da liegt es nahe, Zeitgeschichten zu lesen, um Antworten zu finden, zumindest vorläufige.

Bei der Auswahl der Literatur geht es nicht um den Nachweis literarischer Qualitäten. So, wie viele Autoren ihre Texte als eingreifende Literatur, als politische Gebrauchslyrik verstanden haben, werden sie hier gebraucht, um markante Punkte der Bewegung in Erinnerung zu bringen, um Erfahrungen des Widerstands aufarbeiten zu können.

Und ich kann nur hoffen, daß die Literaten dieses Widerstandes unser Geschichtsbewußtsein etwas auffrischen. Die Atornanlagen hier und anderswo und der nukleare Müll werden noch Hunderte von Generationen beschäftigen, oder wenn's schief geht, gar keine mehr. Dann brauchen wir keine Geschichts- und keine Geschichtenbücher mehr.

INHALT:

  • VORBEMERKUNG .
  • DIE LICHTER GEHENAUS
  • Wolfgang S. Prause Die Hamburger Stadtmusikanten
  • EIN BAUPLATZ WIRD BESETZT
  • Walter Mossmann - In Mueders Stübele
  • Nina Gladitz - Platzbesetzer berichten
  • Hans Scheibner - De Fischer un sin Fru
  • Ekkehard Sachse - Brokdorf - 13. November 1976.
  • Ekkehard Sachse -Der neue Nachbar (1986)
  • GORLEBEN LEBT
  • Steve B. Peinemann - Kleines Erdbeben
  • Hans Ch. Buch - Watt mutt, dat mutt!!
  • Jutta Heinrich - Wollt ihr den totalen Fortschritt?
  • DIE FREIE REPUBLIK WENDLAND
  • Brita Segebrecht - Wir waren ein Kulturzentrum!
  • Grete Thomas - Das Dorf 1004 wird geräumt
  • Waltraut Kremser -"Alte Burg" Gorleben
  • Helmut Hirsch - Das Märchen von den Sieben Zwergen Matthias Horx - Es geht voran!
  • BAYERN VORN
  • Erna Wellnhofer - Das "Freundschaftshaus" wird geräumt
  • Martha u. Klaus Wittmann "Af dei Recht is g'schissn
  • Ruth Rehmann - Blickkontakt Josef Wittmann - Zeugenaussage Harald Grill - Wackersdorf
  • DAS 1 OOOJÄHRIGE REICH
  • Klaus Ch. Wanninger - 1999 - das Atomreich
  • Rainer Erler - Plutonium
  • CCCP - TSCHERNOBYL
  • Bernd H.Schoeps-1000 Röntgen
  • Fritz Teufel - Wiegenlied fürs Enkelchen
  • Nicolas Born - Entsorgt
  • MÜSLIS UND MOLLIS - Ein Streifzug durch die Geschichte der Anti-AKW-Bewegung
  • ABKÜRZUNGEN
  • ÜBERSICHTSKARTE

Das Buch ist entweder über den Buchhandel (ISBN 3-925387-28-5)  erhältlich

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Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg

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Bearbeitet am:30.05.1998 /ad


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