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vom 19.06.2019

19.06.2019

Später Konsens

Michael Sailer, der Kopf des Öko-Instituts Darmstadt und Vorsitzender der Entsorgungskommission (ESK) des Bundesumweltministeriums, ist immer wieder für eine Überraschung gut.

Ein Themenabend im Rahmen einer Ringvorlesung mit dem Titel „Der Atomkonflikt in Deutschland – bis in alle Ewigkeit?“ an der Freien Universität Berlin (29. Mai 2019) widmete sich ausschließlich den Fehlern der Vergangenheit bei der "Lösung" des Atommüllproblems und damit mit dem Umgang mit dem Salzstock Gorleben-Rambow.

Michael Sailer vom Öko-Institut – sekundiert von dem ehemaligen niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel und dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) Martin Donat – machte den Aufschlag und überraschte mit einigen kernigen Statements.

Er sagte, es gebe voraussichtlich andere gute Standorte und in der Vergangenheit habe man seitens der Behörden zu einseitig nur auf Salz als Wirtsgestein für eine Atommülldeponie gesetzt. Er kritisierte vor allem das Gorleben-Verfahren: Es sei unklar gewesen, welche Abfälle letztlich in dem neu aufgefahrenen Salzbergwerk hätten gelagert werden sollen, die Prüfkriterien und Anforderungen seien von daher unklar gewesen, es habe kein Pflichtenheft gegeben und selbst die Streckenführung sei unklar gewesen. Wenn es so wie in der Vergangenheit weitergegangen wäre, wäre es schlimm gekommen, betonte Sailer. (Anm.: diese Passage ist von Michael Sailer autorisiert)

Die Bürgerinitiative Umweltschutz hält das heutige Statement für bemerkenswert. BI-Sprecher Wolfgang Ehmke erinnert daran, dass Sailer den Widerstand wiederholt brüskierte, u.a. weil er die Proteste gegen Castortransporte missbilligte. Und er musste sich den Vorwurf des „Machbarkeitswahns“ anhören, nachdem er 2009 auf einer Veranstaltung der Rechtshilfe Gorleben in Trebel anmerkte, das „Handwerkszeug“ für die Errichtung eines Atommüllendlagers sei vorhanden. Das „Handwerkszeug“ müsse nur richtig angewandt werden und auch die Planer und Betreiber müssten kompetent und zuverlässig genug sein, die strengen Richtlinien einzuhalten.

Der entscheidende Reibungspunkt seinerzeit war Sailers Statement, dass es für ihn damals keine Gründe gab, Gorleben aus einem vergleichenden Auswahlverfahren herauszuhalten. Der Salzstock Gorleben sei aus wissenschaftlicher Sicht grundsätzlich geeignet, als Endlager zu dienen. Sailer schränkte ein: „Ich will nicht die machbare Lösung realisieren, sondern die bestmögliche. Es muss mindestens ein halbes Dutzend zur Auswahl stehende Standorte geben, die auf ihre Eignung überprüft werden.“ Dazu gehörten nach Sailers Ansicht damals schon die Wirtsgesteine aus Ton, heute soll auch Kristallin mit untersucht werden.

Ehmke: „Der grundsätzliche Widerspruch zwischen ihm und uns bei der Bewertung Gorlebens aus geologischer Sicht bleibt. Der Salzstock Gorleben hätte von der weiteren Endlagersuche ausgenommen werden müssen. Doch nun ist es, wie Sailer es damals schon forderte, zu einem vergleichenden Verfahren gekommen. Aktuell fühlen wir uns durch ihn in der Haltung bestärkt, dass Gorleben im ersten Schritt des laufenden Auswahlverfahrens rausfliegt - wenn alles mit rechten Dingen zugeht.“

 

Bearbeitet am: 19.06.2019/ad


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