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vom 04.08.1994

Gongs dröhnten durch die Kreishausflure

Atomkraftgegner bauten Hütten und „besuchten" Verwaltung - Demonstration in Lüchow

ce Lüchow. Rund 50 Bewohner von Neu-„Castornix" und weitere Atomkraftgegner haben gestern vor dem Kreishaus in Lüchow symbolisch ein Hüttendorf" gebaut. Nach halb-stündigem „Besuch" im Verwaltungsgebäude — einige spazierten vermutlich durch ein offenes Fenster und öffneten dann eine Tür — setzte sich dann ein Demonstrationszug in Richtung Innenstadt in Bewegung.

 

Bild: Mit GASMASKE demonstriert einer der Atomkraftgegner vor Kreishaus, wãhrend andere, hinter ihm, Hütten bauen.

Bild: MIT EINER HÜTTE zogen die Teilnehmer der Demonstration durch Lüchow. 3 Aufn.: C. Ehler

Bild: MIT RHYTHMUSINSTRUMENTEN kommen Castor-Gegner nach ihrem lautstarken Auftritt aus dem Verwaltungsgebäude.

Ein Sprecher verkündete per Megaphon den Unwillen gegen den verordneten Abriß des Hüttendorfes, mit dessen Abbau inzwischen von den Atomkraftgeg-nern selbst begonnen wurde.

Unter Klängen von Trommeln, Bassein, Trillerpfeifen, Gongs und einer Muschel bauten die Castor-Gegner zwei Hütten vor dem Kreishaus. Ohne Zwischenfälle verlief danach der Gang durch die Behördenkorridore: „Sei doch mal ehrlich, Atomkraft ist gefährlich" oder „Castor-Transport wird gebannt, das Wendland ist im Widerstand"; sangen die Atomkraftgegner zum Getön ihrer Instrumente, die durch die Büroflure schallten. Gern hätten die Demonstranten mit dem Oberkreisdirektor oder seinem Vertreter gesprochen, doch weit
und breit keine Spur von den Chefs.

Für kurze Zeit herrschte beim Verlassen des Gebäudes helle Aufregung: Ein Polizist wurde beim Fotografieren entdeckt. Einige Protestierer forderten die Herausgabe des Films, doch die Auseinandersetzung blieb verbal, verlief ohne ernste Konfrontation. Nur wenige Minuten strebten die mit zwei Transparenten ausgestatteten Atomkraftgegner dem Marktplatz zu. Betrachter der Geschehens zeigten unterschiedliche Reaktionen: Einige Autofahrer nahmen die aus dem Umzug resultierende Verkehrsstockung in Kauf, andere machten ihrem Unmut Luft; und ein Anwohner der Langen Straße rief: „Seid doch mal ruhig da unten, das geht mir auf den Geist." Der Mann erntete ein Pfeifkonzert.

 

 

Bearbeitet am: 04.08.2019/ad


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