vom 12.08.1994

„Pleiten, Pech und Pannen” beim Beladen in Philippsburg - Landesumweltministerium:

Castor-Behälter zurechtgeschustert

gel Gorleben. Von Pleiten, Pech und Pannen sei das Beladen des Castor-Behälters im Atomkraftwerk Philippsburg begleitet gewesen. Dies bilanziert das niedersächsische Umweltministerium (NMU) nach genauer Prüfung der Beladeprotokolle des TÜV Südwest. „Ein solcher zurecht-geschusterter Atombehälter gehört nicht nach Gorleben", hat Dietmar Schulz, Staatssekretär im niedersächsischen Umweltministerium, gestern mitgeteilt.

Dadurch dürfte sich das Karussell auf politischer Ebene in Sachen Castor-Transport wieder etwas schneller drehen. Niedersachsen will nämlich jetzt vor einer eigenen Bewertung eine Stellungnahme des TÜV Hannover/Sachsen-Anhalt über die schwierigen Beladevorgänge einholen lassen. Dagegen will Bundesumweltminister Klaus Töpfer bis heute einen Bescheid aus Hannover über den Transport vorliegen haben. In einem Interview mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel" hat Töpfer betont, daß gefragt werden müsse, ob Monika Griefahns Forderungen  nach weiteren Prüfungen gerechtfertigt sind oder die Sache nur verzögern sollen.

Neben Problemen mit dem Deckel hatte die Atomindustrie weitere Schwierigkeiten beim Beladen des Castors: mit der nötigen Trocknung des im Wasser beladenen Castor-Behälters und mit der Feuchtemessung.

 Dafür habe nämlich ein erstes Gerät versagt; ein identisches habe nicht besorgt werden können. Ein anderes Meßgerät habe ebenfalls gestreikt, sollen die Prüfprotokolle belegen. Erst ein drittes Gerãt habe Ergebnisse gebracht. Das NMU: „Hier stellt sich die Frage, ob dieses Gerät und die verwandte Meßmethode überhaupt den Genehmigungsbestimmungen entspricht."

Der TÜV Südwest fordere jedenfalls für die Zukunft „erhebliche Verbesserungen", teilt Staatssekretär Schulz mit. Es sei jedoch nicht begreiflich, warum der TOT Südwest dies nicht in sein abschließendes Urteil einbezogen habe. Wenig begreiflich für die Öffentlichkeit ist auch die Tatsache, daß das baden-württembergische Umweltministerium, ebenfalls SPD-besetzt und Aufsichtsbehörde des AKW Philippsburg, diese Vorgänge bisher nicht bewertet hat.

Das NMU spricht jedenfalls von einem „unglaublichen Ablauf". Das Bundesamt für Strahlenschutz müsse sich überlegen, ob die Zulassung für den Castor-Behälter nicht widerrufen werden müsse. Insbesondere habe die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), die für den Castor und das Zwischenlager verantwortlich ist, „erneut Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Kompetenz genährt", so Staatssekretär Schulz.

Bearbeitet am: 12.08.2019/ad


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