vom 12.08.1994

Widerstand "hinaustragen"

Gorleben-Frauen: Castor-Informationen auf Bahnhöfen

gel Gorleben. Ob in Hannover, Göttingen, Darmstadt, Mannheim oder Frankfurt, Karlsruhe, Bonn und Köln: Die Informationen über den geplanten Castor-Transport „haben die Leute schon erschüttert", sagt Edelgard Gräfer aus Sallahn. Sie war eine von zwölf hiesigen Gorleben-Frauen, die sich an zwei Tagen auf eine „Ochsentour" begehen hatten: Mit der Bahn reisten sie bis nach Philippsburg, von wo aus der Castor nach Gorleben kommen soll, und zurück. Auf zwei von vier denkbaren Transportstrecken haben die Frauen an 13 Bahnhöfen Station gemacht, haben in zahlreichen persönlichen Gesprächen vor Ort auf die Strahlengefährdung durch einen Castor aufmerksam gemacht und unterstrichen, wie überflüssig ein solcher Transport sei.

Bild: AN MEHREREN BAHNHÖFEN im Bundesgebiet wie hier am Kölner Hauptbahnhof haben die hiesigen Gorleben-Frauen Station gemacht. Ihr Ziel: Menschen an eventuellen Transportstrekcken über den geplanten Castor-Transport von Philippsburg nach Gorleben zu informieren.

Man habe den Gorlebener Widerstand „hinausgetragen", zieht Edelgard Gräfer ein positives Fazit: Fahrgaste mit meist geringem Informations-grad seien direkt angesprochen und Flugblätter verteilt worden, die Medien seien überall präsent gewesen. Ein NDR-Team habe die Gorleben-Frauen sogar von Anfang bis Ende begleitet.

Auf den Bahnhöfen der Städe, durch die der Castor eventuell transportiert werden könnte, brachten die Gorleben-Gegnerinnen ihren Protest vielfaltig zum Ausdruck: per Informationen über Megaphon, in szenischen Darstellungen und in Gesprächen. Die jeweiligen Bürgerinitiativen vor Ort empfinden die Gorleben-Frauen — teilweise mit Blaskapelle, rotem Teppich, kaltem Büfett und mit Transparenten, so die Gorleben-Frauen.

In Philippsburg, wo der Castor nach wie vor transportbereit im Außenbereich des Kernkraftwerkes steht, brachten die Gorleben-Frauen in einem symbolischen Akt das Motto des Lüchow-Dannenberger Widerstandes zum Ausdruck: Sie legten sich quer.

Der Zwischenstopp in Bonn bat die Gelegenheit zu einer Pressekonferenz mit dem BUND, der vor 25 Joumalisten seine etwa 200 000 Mitglieder zur aktiven Unterstützung des Gorlebener Widerstandes aufgerufen habe, teilen die Gorleben-Frauen mit. Unter anderem wurde vom BUND erneut gefordert, sofort die Atomkraftwerke abzuschalten, urn eine weitere Atommullproduktion zu stoppen.

Die angesprochenen Menschen hätten meist mit großer Betroffenheit auf die Informationen reagiert, geben die Gorleben-Frauen ihre Eindrücke wieder. „Völliges Unverständnis" habe die Nachricht ausgelöst, daß der Castor-Transport wegen ausreichender Lagerkapazität in Philippsburg gar nicht notwendig sei.

Bearbeitet am: 12.08.2019/ad


Zurück zur Homepage