vom 28.06.1994

„Zweifel an Salzstockeignung bestätigt” — Griefahn fordert:

Sinnlose Erkundung beenden

lr Lüchow. Die Zweifel an der Eignung des Standortes Gorleben als Atommüllendlager seien erneut bestätigt worden, erklärt Niedersachsen Umweltministerin Monika Griefahn. Nach der von ihrem Haus vorgestellten Begutachtung biete der Salzstock nicht das Mehrfachbarrierensystem, welches das Austreten von Radionukliden auf lange Zeit sicher verhindert. „Damit steht jetzt schon fest, daß der Standort Gorleben als Atommüllendlager ungeeignet ist. Die Bundesregierung muß die sinnlosen Erkundungsarbeiten endlich beenden", forderte Griefahn in Hannover.

Zu diesem Schluß komme auch der Beirat für Fragen des Kernenergieausstiegs, der sich intensiv mit der aus sieben Teilen bestehenden Begutachtung befaßt habe.

Vier Gutachten stellten gravierende Mängel des Standortes Gorleben fest, die eine Eignung ausschlössen, berichtete die Ministerin. So müßten nach Erkenntnissen des Hamburger Geowissenschaftlers Eckhard Grimmel Gebirgszusammenbrüche und ein Absaufen des Endlagerbergwerks befürchtet werden. Dadurch könnten Radionuklide in die Biosphäre entweichen. Auch der Kieler Geologe Klaus Duphorn empfehle den Stopp der Erkundungsarbeiten wegen mangelnder Eignung. In seinem geologischen Gutachten weise er zahlreiche Schwachpunkte des Salzstockes nach. Nach den Untersuchungen des Geologen Detlef Appel aus Hannover müsse eine stärkere Ablaugung als bisher angenommen unterstellt werden, was die geologische Barriere Salzgestein entscheidend schwäche. In einem weiteren Gutachten, das Appel mit seinem Kollegen Jürgen Kreusch erarbeitet hat, werde festgestellt, daß das Deck- und Nebengebirge des Salzstocks keine geologische Barriere bilde.

Die beiden Clausthaler Geowissenschaftler Albert Günter Hermann und Bernhard Knipping haben bei ihren Untersuchungen festgestellt, dad in mehreren 100 bis 1000 Metern Tiefe im Salzstock Bereiche vorlegen, die in ihrem chemischen Stoffbestand seit 250 Millionen Jahren unverändert geblieben seien. Eine Eignung als Atommüllager schließen sie deshalb nicht aus und empfehlen, die bisherigen Befunde zu überprüfen. Auch das Nieder-sächsische Landesamt für Bodenforschung empfiehlt weitere Untersuchungen für eine abschließende Bewertung.

Zwei Untersuchungen des Clausthaler Geowissenschaftlers Karl-Heinz Lux zur Salzmechanik und der niederländischen Wissenschaftler Jan Prij und C. J. von Duijn zur Radiolyse sowie zur Grundwasserbewegung und zum Nuklidtransport behandeln eher Grundsätzliches; eine mögliche Eignung des Salzstockes als Atommüllendlager wollen sie nicht ausschließen.

 

Bearbeitet am: 17.06.2019/ad


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