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vom 03.04.2001

Verbot brachte schwierige Lage

Landessuperintendent: Geöffnete Kirchen haben ein Zeichen gesetzt

ab Lüchow. Neben weit reichender Zustimmung zum Verhalten der evangelischen Kirchen während des jüngsten Castor-Transportes werden hier und da auch kritische Stimmen laut. »Sie richten sich besonders dagegen, dass Gemeinden ihre Kirchen und Gemeindehäuser für Demonstranten geöffnet ha-ben», bedauert Hans-Hermann Jantzen, Superintendent der evangelisch-lutherischen Landeskirche, Sprengel Lüneburg.

In einer Erklärung äußert sich der Landessuperintendent nun zu der Kritik.

Bereits im Vorfeld habe man die politisch Verantwortlichen darauf aufmerksam gemacht, dass ein Verbot zur Errichtung von Camps die Kirchengemeinden in eine schwierige Lage bringen könnte, falls von weither angereiste Demonstranten ohne Nachtquartier vor der Tür stehen würden, so Hans-Hermann Jantzen: »Dies ist dann zu unserem Bedauern so eingetreten, und viele Kirchenvorstände haben entschieden, niemanden zurückzuweisen, der um ein Quartier bittet, zumal angesichts des Regens und der Kälte in den vergangenen Tagen.»

Die Pastorinnen und Pastoren, Kirchenvorstände und Mitarbeiter hätten persönlich Kontakt zu denen gehalten, die in Kirchen und Gemeindehäusern übernachtet haben. Sie hätten mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, »dass wir als Kirche Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung strikt ablehnen und von unseren Gästen erwarten, dass sie sich ebenfalls an diesen Grundsatz halten», betont der Landessuperintendent.

Bei seinen Gesprächen mit Vertretern der Polizei sei ihm bestätigt worden, dass man der Öffnung der Kirchen und Gemeindehäuser durchaus mit Zustimmung und Anerkennung gegenüberstehe. Frierende und umher irrende Demonstrantengruppen würden vermutlich eher zu Aggression und Gewalt neigen. Laut Jantzen Originalton eines Polizisten: »Die Cha-oten und Gewalttäter kommen sowieso nicht in eure Kirchen.»

Die Kirchenvorstände hätten mit den geöffneten Gotteshäusern ein Zeichen gesetzt, dass sie den Demonstranten nicht von vornherein die Absicht zu Gewalt und Rechtsbruch unterstellen wollten. Darum trägt Jantzen die Entscheidungen ausdrücklich mit. Nach seinen persönlichen Erfahrungen während der vergangenen Woche in Lüneburg und im Wendland könne er mit großer Gewissheit sagen: »Von den Kirchen und Gemeindehäusern ist bei den Protestaktionen gegen den Atommülltransport nach Gorleben keine Gewalt ausgegangen. Vielleicht haben die offenen Türen sogar dazu beigetragen, Aggressionen abzubauen und damit letztlich Gewalt zu verhindern.»

Bearbeitet am: 03.04.2001/ad


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