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vom 05.04.2001

Neue Atommülltransporte in Deutschland

Salzgitter/Philippsburg (dpa) - Mit Hochdruck werden in Deutschland neue Atommülltransporte aus und nach Frankreich vorbereitet. Die deutsche Atomindustrie will noch in diesem Jahr einen zweiten Castor-Transport nach Gorleben schicken. In Süddeutschland rüsten sich nach dpa-Informationen unterdessen Polizei, Betreiber und Atomkraftgegner für den kommenden Dienstag.

Geplant ist der seit 1998 erste Atommülltransport aus einem deutschen Atomkraftwerk zur Wiederaufarbeitung. Aus dem badischen Philippsburg sollen drei Atommüllbehälter in die französische Wiederaufarbeitungsanlage La Hague rollen.

Atomkraftgegner planen von Sonntag an massiven Protest und Widerstand gegen diesen Transport. Auftakt ist eine Demonstration in Philippsburg am Sonntagnachmittag. Der Sprecher des Aktionskreises gegen das Atomkraftwerk Philippsburg, Matthias Mauser, erwartet zwischen 300 und 500 Teilnehmer. Auch die bundesweite Anti-Atom- Kampagne «X-tausendfach quer» hat Aktionen geplant. Die Polizei kündigte für Freitag Informationen zur Einsatztaktik an.

Nur eine Woche nach dem von heftigen Auseinandersetzungen mit Atomkraftgegnern begleiteten jüngsten Castor-Transport hat die Atomindustrie beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter für die zweite Jahreshälfte erneut eine Transportgenehmigung beantragt. Wie in der vergangenen Woche sollen wiederum sechs Castor- Behälter mit hochradioaktiven Glaskokillen aus La Hague nach Gorleben gebracht werden.

Eine Entscheidung über den Antrag ist nach Angaben des Bundesamtes voraussichtlich in einigen Monaten zu erwarten. BfS-Präsident Wolfram König teilte mit, dass Fragen der Kontaminationssicherheit und die übrigen gesetzlichen Genehmigungsvoraussetzungen geprüft würden. Eine Genehmigung könne erst erteilt werden, nachdem eine Stellungnahme des niedersächsischen Innenministeriums vorliege und geprüft sei. Innenminister Heiner Bartling (SPD) hat mehrfach betont, dass er einen zweiten Castor-Transport in diesem Jahr ablehnt, weil dieser die Polizei in Niedersachsen überfordern würde.

In Philippsburg stehen fertig gepackt ein Behälter vom Typ TN 13 mit 12 abgebrannten Brennelementen sowie zwei TN 17 mit je 17 Brennelementen. Im Gegensatz zu Castoren haben die TN-Behälter eine stachelige Oberfläche, um die Wärme abzuführen. Der Betreiber des Meilers, die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW/Karlsruhe), hält sich auf Wunsch der Polizei aus Sicherheitsgründen bisher bedeckt mit Auskünften über einen Transport.

Das Aktionsbündnis Castor-Widerstand Neckarwestheim rechnet mit einem weiteren Transport aus Baden-Württemberg am 23. oder 24. April. Dann sollen nach Informationen des Bündnisses drei Behälter aus Neckarwestheim ins britische Sellafield geschickt werden.

Bearbeitet am: 05.04.2001/ad


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