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vom 24.02.20001

Die Fronten bleiben verhärtet

Geschieht "Wunder von Dannenberg"? - Gespräch über Castor-Transport

ab Dannenberg. Hans Reime war am Donnerstag ins Dannenberger evangelische Gemeindehaus gekommen, "um hier die ganze Stimmung aufzunehmen ". Die Stimmung der Bevölkerung "sechs Wochen vor dem Tag X". Dannenbergs Superintendent Peter Kritzokat und der Lüchower Propst Hans-Jürgen Wolters hatten zu einem öffentlichen Gespräch eingeladen. Zu einem Gespräch "über den unserer Region bevorstehenden und die Menschen schwer belastenden Castor-Transport" Man möge ihm doch bitte abnehmen, "dass ich den Einsatz mit Bauchweh wahrnehme". Er müsse aber einen Auftrag erfüllen, warb der oberste Polizist im

Regierungsbezirk Lüneburg angesichts des geplanten Transports nach Gorleben um Verständnis. Mit dem Verständnis ist es jedoch nicht weit her, die in vielen Jahren entstandenen Fronten - Atomkraftgegner auf der einen, Staatsdiener auf der anderen Seite -sind verhärtet. Das wurde schon nach wenigen Minuten deutlich. Und so fand sich der Leitende Polizeidirektor vorgestern schneller in der Rolle des Buhmannes wieder als ihm wahrscheinlich lieb war. Seine Aussage "wir wollen die Gewalt nicht" wurde von den wenigsten der rund 80 Anwesenden ernst genommen. In den Konzepten der Polizei sei es vorgesehen, dass auch bei diesem

Castor-Transport geprügelt werde, lautete zum Beispiel Jochen Stays (X-tausendmal quer) Vorwurf.

Für mehr Aufsehen sorgte da schon ein Versprechen Reimes: "Die so genannten Drahtzellen kommen weg." Mit dem Abbau der in der Lüchower Polizeiunterkunft installierten Gewahrsamszellen wurde gestern dann auch gleich begonnen. Man benötige sie nicht. Die Polizei werde alles Menschenmögliche daran setzen, dass es im März nicht zu Gewalt komme, betonte Hans Reime. Man solle also bitte schön nicht schon im Vorfeld Emotionen schüren.

Menschenwürdig miteinander umgehen. Das müsse auch bei

Castor-Transporten selbstverständlich sein, appellierten die beiden Gastgeber. Es dürfe nicht zu Menschenrechtsverletzungen kommen. "Bestimmte Dinge dürfen sich einfach nicht wiederholen", fordern Peter Kritzokat und Hans-Jürgen Wolters. Ein unrühmliches Beispiel sei etwa der überharte Einsatz einer Berliner - Hundertschaft aber auch anderer knüppelnder Polizisten im März 1997. Wenn der Transport so friedvoll über die Bühne gehe, wie von Reime angestrebt, "ist das sicher das Wunder von Dannenberg".

Wie denn die Polizei diesmal im Ernstfall agieren werde, wollten Diskussionsteilnehmer von Reime erfahren. Ob Beamte vielleicht wieder Traktortreifen zerstechen oder Scheiben einschlagen würden. "Müssen wir jetzt schon Reifen bestellen?", fragte Susanne Kamien von der Bäuerlichen Notgemeinschaft.

Wenn es nach Regierungspräsidentin Ulrike Wolff -Gebhardt geht, dürfen im Zusammenhang mit dem Castor-Transport keine Feindbilder erzeugt werden. Es gebe schließlich nicht nur das Leben mit dem Transport, sondern auch die Zeit davor und danach. Wolff-Gebhardt: "Wir müssen miteinander klarkommen." Der Auftrag, den Castor ins Gorlebener Zwischenlager zu bringen, sei eindeutig. Nun müsse man sehen, "dass alle gesund nach Hause kommen".

Bearbeitet am: 24.02.20001/ad


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