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vom 26.02.2001

Schienen rund 20 Minuten besetzt

Nahezu friedliche Anti-Castor-Demonstration in Dahlenburg

kre Gorleben/Dahlenburg. Die Demonstration gegen den geplanten Castor-Transport ins Atommüll-Zwischenlager nach Gorleben hatte am Sonnabend in Dahlenburg noch gar nicht richtig begonnen,' da kam es bereits zu ersten Missstimmungen: Auf den Zufahrtsstraßen nach Dahlenburg hat die Polizei Kontrollstellen eingerichtet. Anreisende Atomkraft-Gegner werden gestoppt, Personalien festgestellt und Gepäck kontrolliert. Und einige müssen wieder umkehren, bevor sie überhaupt, Dahlenburg erreicht haben. "Ein Affront", schimpfen Castor-Gegner - "wir werden dieses Verhalten rechtlich prüfen lassen", kündigt Wolfgang Ehmke, Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, an.

Mummenschanz und Schienentanz

Unter dem Motto "Mummenschanz und Schienentanz " hatte die Castor-Gruppe Dahlenburg zur großen Kundgebung mit anschließendem Demonstrationsumzug zum Bahnhof Dahlenburg aufgerufen. Auf rund 1200 Teilnehmer schätzten die Veranstalter die Zahl der Atomkraftgegner und werteten dies als großen Erfolg. Die Polizei geht von rund 600 Teilnehmern aus. An Ordnungskräften von Bundesgrenzschutz und Polizei waren rund 750 Beamte im Einsatz, um für Ruhe und Sicherheit zu sorgen.

Erstmals mit im Einsatz waren auch die Konfliktmanager der Polizei - einer von ihnen ist Hans-Otto Roß aus Braunschweig." Noch muss ich auf die Leute zugehen", beschreibt er seine Arbeit, "aber die Erfahrung zeigt schon jetzt, dass vier von fünf Leuten Verständnis für unser Anliegen haben." Roß und seine Kollegen sollen deeskalierend wirken, zwischen Polizei und Demonstranten vermitteln, wenn es brenzlig wird.

Ein schwieriger Auftrag, das weiß auch der Konfliktmanager, denn die Zielrichtung beschreibt sein Kollege Gerhard Heppe mit knappen Worten: "Die Polizei rnuss dafür sorgen, das der Castor nach Gorleben kommt."

Der Protest gegen den geplanten Castor-Transport Ende März nach Gorleben verläuft in Dahlenburg dennoch weitgehend friedlich - lediglich in Höhe der Ortschaft Seedorf gelingt es einigen Castor-Gegnern, die Gleise der Bahnstrecke Lüneburg Dannenberg für etwa 20 Minuten zu besetzen und eine kleine Holzblockade zu errichten. "Der Schienenverkehr musste deshalb für etwa zwei Stunden unterbrochen und ein Buspendelverkehr eingerichtet werden", berichtet Polizei-Pressesprecher Jürgen Heinle. Eine weitere Gleisbesetzung in Höhe der Ortschaft Dumsdorf können Polizei und Bundesgrenzschutz verhindern.

Müll einlagern in ausgedienten Reaktoren

"Unser Ziel ist es, alle CastorTransporte zu stoppen und einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie herbeizuführen", macht Klaus-Bernd Meyer von der Bäuerlichen Notgemeinschaft unmissverständlich deutlich. Der 1,90 m große Hüne hat sich als Teufel verkleidet, auf den Schultern trägt er ein gelbes Atomfass - Mummenschanz eben. Auch andere Demonstrationsteilnehmer haben sich bunt kostümiert, laufen als Skelett oder als gelber "Uran-Utan" umher.

"So lange der Protest friedvoll verläuft, hat jeder das Recht, seine Ängste und Gefühle zu zeigen", äußert Dahlenburgs Samtgemeinde-Bürgermeister Wolfgang Prause Verständnis, räumt aber auch ein: "Wir nutzen die Atomkraft und wir haben geltende Verträge, nach denen wir den Atommüll wieder zurücknehmen müssen."

Das sieht Udo Jentzsch von der BI-Gruppe Radioaktivität aus Hitzacker ganz anders: "Gorleben darf nicht die Müllkippe der Nation werden", f ordern beide. "Am besten wäre es, den Atommüll in stillgelegten Reaktoren einzulagern, bis ein Endlager gefunden ist, statt ihn kreuz und quer durch die Bundesrepublik nach Gorleben zu fahren", schlägt AtomPhysiker Jentzsch vor.

Bearbeitet am: 26.02.2001/ad


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