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vom 02.02.2001

Grüne appellieren an Atomkraftgegner

Frankfurt/Main/Hannover (dpa) - Der Grünen-Vorsitzende Fritz Kuhn hat seine Partei aufgefordert, die jetzt wieder möglichen Atomtransporte von und nach Frankreich nicht zu blockieren. Der «Frankfurter Rundschau» (Freitag) sagte Kuhn, «die Grünen würden ihre Glaubwürdigkeit verlieren, wenn sie gegen die eigenen Regierungsentscheidungen protestieren».

Für ihn sei wichtig, «dass der Atomkonsens so abgewickelt wird, wie er beschlossen ist», fügt Kuhn hinzu. Dazu gehöre auch das Atomtransporte in die französische Wiederaufbereitungsanlage La Hague noch bis 2005 möglich seien.

«Alle, die den Atomkonsens bekämpfen, müssen mir erst einmal erklären, wie sie das Ende der Wiederaufarbeitung herbeiführen wollen», sagte Kuhn. «Anstatt über Castor-Blockaden zu debattieren», sollten die Grünen «vielmehr für neue Energietechnologien demonstrieren».

Auch Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) rief die Grünen erneut auf, von Protesten gegen die Castor-Transporte abzusehen. Der in Hannover erscheinenden «Neuen Presse» (Freitag) sagte der Minister: «Die Demonstration von den Grünen gegen die eigene Bundesregierung wird den Grünen nicht nützen sondern schaden.» Er verstehe als Niedersachse die persönliche Betroffenheit sehr gut, räumte Trittin ein. Doch auch die niedersächsischen Grünen hätten erklärt, dass sie dazu stünden, den deutschen Atommüll zurückzunehmen.

Skeptisch äußerte sich Trittin zur Vereinbarung zwischen Berlin und Paris, die Wiederaufarbeitung deutschen Atommülls wieder aufzunehmen. Die Möglichkeit sei im Atomkonsens vorgesehen, sagte der Minister, fügte aber hinzu: «Ich würde abwarten, ob die Unternehmen davon Gebrauch machen werden. Der Weg ist teurer als Zwischenlager oder direkte Endlagerung.»

Deutschland und Frankreich hatten am Mittwochabend den Weg für die umstrittenen Atommülltransporte in beide Richtungen wieder freigemacht. Die Vereinbarung stieß bei deutschen Umweltschützern sowie Grünen in Frankreich auf heftige Proteste. Die deutsche Energiewirtschaft forderte die rasche Wiederaufnahme der Transporte. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Premierminister Lionel Jospin hatten in Straßburg den Rücktransport von deutschem Atommüll aus La Hague nach Gorleben Ende März oder Anfang April vereinbart.

Bearbeitet am: 02.02.2001/ad


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