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vom 02.02.2001

Trittins Abreise empört Atomgegner

Von Karin Toben

Uelzen. Grün-rot-weiße Schneckenspeise gab es zum Mittagessen in der Wassermühle in Bohlsen (Kreis Uelzen). Dort, wo seit tausend Jahren das Müllerhandwerk betrieben wird und seit über zwanzig Jahren weit über die Region hinaus begehrte Getreideprodukte aus ökologischem Anbau gebacken werden, ließ es sich Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) gestern gut gehen.

Auf Einladung seiner örtlichen Parteifreunde war er gekommen, um anschließend auf einer öffentlichen Veranstaltung im Uelzener Hundertwasser-Bahnhof zu Problemen der Ökoerzeuger zu sprechen. Eine halbe Stunde vor Beginn platzte der Termin: Trittin ließ sich nach Hamburg fahren, um dort Interviews zu geben. Die Nachspeise mit dem bedeutungsvollen Namen "Das süße Bündnis" ließ er unberührt stehen.

Der Grund dafür lag nach Ansicht der Atom-Kritiker auf der Hand: Seit dem frühen Morgen hatten rund dreihundert BGSBeamte den Bahnhof abgeriegelt, seit durchgesickert war, dass empörte Grüne, Castorgegner und Mitglieder der "Bäuerlichen Notgemeinschaft" in Lüchow-Dannenberg die ÖkoVeranstaltung für ihre Interessen umfunktionieren und Trittin auf den Zahn fühlen wollten. Zwei Ereignisse hatten die AntiCastor-Haltung der Wandlungen richtig hochkochen lassen: Trittins Brief an die niedersächsischen Kreisverbände der Grünen und die Verlautbarungen nach dem Treffen von Bundeskanzler Gerhard Schröder mit seinem französischen Kollegen Lionel Jospin am Mittwochabend.

Trittin hatte in dem Brief vor Protesten gegen den Ende März/Anfang April geplanten Castortransport gewarnt, weil sie seiner Meinung nach dem Inhalt des Atomkonsenses widersprechen. Der Transport sei rechtlich unvermeidlich und politisch notwendig. Als Schräger und Jospin auch noch von ab April wieder möglichen Castortransporten in die Wiederaufarbeitungsanlage La Hague sprachen, brach gestern der neuerlicher Proteststurm der GorlebenGegner los.

Bearbeitet am: 02.02.2001/ad


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