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vom 17.02.2001

Bundesgrenzschutz begleitet Züge zwischen Lüneburg und Dannenberg

Die Wacht an der Notbremse

ea Dannenberg. Abfahrt Lüneburg, 10. 3 9 Uhr. Sieben Fahrgäste sind an Bord des Zuges, dazu fünf Bundesgrenzschützer. Wenn es brenzlig werden sollte, könnte der BGS sofort eingreifen. Da müssen sich die sieben Reisenden in der RB 25805 nach Dannenberg-Ost keine Sorgen machen. Denn Gefahr könnte von Atomkraftgegnern drohen, die hinterrücks die Notbremse ziehen und die beiden Triebwagen über die Gleise quietschen lassen. "Dann fliegt alles hin und her", sagt Detlef Moors von der BGS-Inspektion Lüneburg.

Die Staatsmacht ist gerüstet. Denn nicht erst, wenn der Castor-Konvoi Ende März nach Dannenberg und anschließend über die Straße weiter nach Gorleben rollen soll, rechnet die Polizei mit Aktionen der AtomGegner. Die Notbremse haben die nämlich schon mal Mitte Januar gezogen. Damals hatten Bauarbeiter die Seerauer Brücke über die Jeetzel saniert, die ersten Züge fuhren wieder.

An der Brücke, ohne die der Atommüll nicht über die Schiene befördert werden kann, kam der Notstopp. "Unsere Kollegen, die die Personalien des Täters feststellen wollten, wurden bedrängt", berichtet Hauptkommissar Carsten Mathiak (30). So blieb der Fahndungserfolg bescheiden: "Wie sollen zwei gegen 22 Personen vorgehen?"

Danach herrschte Ruhe. Trotzdem fahren BGSler mit. In Dahlenburg, aber auch an Übergängen und Bahnhöfen im Irgendwo der Göhrde stehen Patrouillen. Manche Fahrgäste schütteln verwundert den Kopf über den Aufwand, andere schätzen den Einsatz der Bundespolizisten. Zu ihnen zählt der Gärtner Björn Burmester (21): "Ich bin auch gegen den Castor, aber man muss Züge vor Rowdies schützen." Anders Altenpfleger Roberto Cazón (54): "Das ist Verschwendung von Steuergeldern, der Job der Beamten ist doch wie Urlaub."

Viel zu tun haben die BGSMänner nicht. Kein Fahrgast macht sich an einer der sieben Notbremsen zu schaffen. Die Beamten lesen oder Störten. Doch für notwendig erachten sie ihren Einsatz schon. Polizeimeister Morton Schefferski (24) sagt: "Wir wissen nicht, ob wieder etwas passiert." So fahren sie von 6. 10 Uhr an ab Dannenberg nach Lüneburg und zurück. Dann folgen die nächsten Touren. Zwischendrin gibt es Marschverpflegung: Putenschnitzel, Schokoriegel, belegte Brote, Cola und Kakao.

Im ersten der beiden Triebwagen sitzt Hauptlokführer Thomas Schwenck. Seit 15 Jahren fährt er die Strecke. Ihn beruhigt, dass der BGS aufpasst.

Denn Atomgegner setzen nicht nur auf gewaltfreien Widerstand_ Ich hatte zwei Bombenattrappen und einen auf die Schienen gestürzten Baum", erzählt der 37-Jährige. Kollegen traf es härter: Unbekannte sägten ein Stück Schiene aus dem Gleis, auch einen Sprengstoffanschlag auf den Bahndamm nahe Neetzendorf gab es. Doch immer warnten die Täter: "Sie haben Trassierband gespannt und Bauschilder aufgestellt."

54 Kilometer legt Schwenck zwischen Lüneburg und Dannenberg-Ost zurück, fast im Blumenpflück-Tempo. Schneller als 60 Sachen tuckert er nie. Kommt ein Bahnübergang mitten im Wald, drückt er drei Sekunden lang eine Trete. Nie braucht jemand die Warnung. Für den Lokführer hat der Castor sein Gutes: "Ohne den hätte die Bahn die Linie längst dicht gemacht. "

Der Zug erreicht Dannenberg-Ost. Zwanzig Minuten später geht retour, ein Dutzend Fahrgäste steigt ein. Bis Lüneburg bleibt alles friedlich.

Bearbeitet am: 17.02.2001/ad


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