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vom 20.02.2001

Hakenkralle und Schienensäge

Polizei geht von weiteren gewalttätigen Anti-Castor-Aktionen aus

Von U. Scharlack

Hannover. Niedersachsens Innenminister Heiner Bartling (SPD) hat sich zu früh gefreut. Nachdem sich die Proteste gegen den bevorstehenden Castortransport in der Region Gorleben bislang auf friedliche Demonstrationen beschränkt hatten, hoffte er, dass gewalttätige Aktionen diesmal weitgehend ausbleiben würden.

Doch der Anschlag auf die Bahnstrecke Lüneburg-Dannenberg am vergangenen Wochenende war eine Art Warnschuss der gewaltbereiten Protestszene. Seitdem steht für den Innenminister fest: "Wir haben mit Widerstand zu rechnen, der sich nicht auf friedliche Mittel beschränkt. "

Die Aktion, bei der unbekannte Täter zwei Schienenstücke aus der Bahnstrecke herausgesägt und in Form eines Kreuzes auf das Gleisbett gelegt hatten, bestätigt die Erkenntnisse des Verfassungsschutzes. Schon vor Wochen hieß es dort: "Der nächste Castor wird einen hohen Symbolwert haben, insbesondere für die autonome Szene."

Die Polizei geht mittlerweile davon aus, dass das gewaltbereite Protestpotenzial ähnlich hoch sein wird wie beim letzten Transport vor vier Jahren; Innenminister Bartling schätzt, dass "drei- bis vierstellige Zahlen" zusammenkommen können. Die Polizei erwartet weitere Gewaltaktionen bis zum Transport Ende März. Das belegen nicht zuletzt Plakate, die zurzeit in der Region Lüchow-Dannenberg auftauchen. "Mit Hakenkrallen und Schienensägen der Atomlobby das Handwerk legen. Das ganze System abschalten!" heißt es in dem Aufruf.

Die Gewalttäter gefährden mit ihren Anschlägen nicht nur Bahnreisende. Sie machen auch der friedlichen Anti-Atom-Bewegung das Leben schwer. So hagelte es gestern Proteste und Distanzierungen. Jochen Flasbarth, der Präsident des Naturschutzbundes NABU, stellte klar: "Nichts - auch nicht die Ablehnung der Atomtransporte - rechtfertigt solche Gewalttaten." Er appellierte an die Bürger, sich an friedlichen Protesten zu beteiligen. Es müsse aber zugleich jeder isoliert werden, der dabei Gewalt anwendet.

Bearbeitet am: 20.02.2001/ad


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