ejzmini.gif (1299 Byte) vom 21.02.2001

Trittin: Castor-Transporte sind notwendig

Bonn (dpa) - Die Castor-Transporte mit deutschem Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Gorleben sind nach den Worten von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) nicht zu vermeiden.

Sie seien rechtlich unabweisbar, und mit der Konsensvereinbarung zwischen Bundesregierung und Stromwirtschaft seien auch die politischen Voraussetzungen inzwischen gegeben, sagte Trittin am Dienstag der dpa in Bonn.

Umweltverbände und Anti-AKW-Initiativen bekräftigten ihre Absicht, gegen den für Ende März oder Anfang April geplanten ersten Castor- Transport nach Gorleben seit rund vier Jahren zu protestieren.

Er halte Protestaktionen gegen die Castor-Transporte aus Frankreich zwar für falsch, respektiere aber das legitime Recht, zu demonstrieren, betonte Trittin. «Dies muss aber mit den Mitteln des zivilen Ungehorsams, das heißt gewaltfrei, geschehen.» Friedliche Proteste gehörten «zum selbstverständlichen Recht jedes Bürgers». Auch die Polizei müsse Eskalationen vermeiden helfen.

Es gebe bei der Einstellung zu Protestaktionen einen entscheidenden Unterschied zwischen den Grünen und den Verbänden, betonte Trittin. «Die Verbände haben den Atom-Konsens nie akzeptiert, wohl aber die Grünen.» Auch er würde sich kürzere Restlaufzeiten für die Meiler wünschen. Aber der erreichte Konsens vom Juni 2000 sei «das weltweit schnellste und ehrgeizigste Atom-Ausstiegsprogramm».

Durch den Konsens sei das Konzept einer dezentralen Zwischenlagerung und das Verbot von Transporten aus deutschen Atomkraftwerken zur Wiederaufarbeitung ab 2005 abgesichert. Dadurch werde der «Atommüll-Tourismus» gestoppt und die Zahl der Transporte auf ein Drittel des bisherigen Umfangs reduziert.

Auf Grund der Menge des in Frankreich liegenden und weiter anfallenden Atommülls sei im nächsten Jahrzehnt von zwei bis drei Transporten pro Jahr auszugehen, erläuterte Trittin. Bis auf den für Ende März/Anfang April vorgesehenen Transport sei aber für dieses Jahr bisher kein weiterer Transport aus La Hague genehmigt.

Trittin bedauerte die Absagen von Umweltverbänden und Atomkraftgegnern zu einem Gespräch in Bonn. «Gesprächen auszuweichen ist niemals ein Zeichen von Stärke.» Bei Trittin erschienen nur jeweils zwei Vertreter des Deutschen Naturschutzrings (DNR) und des Naturschutzbundes NABU.

Eine Front von Anti-AKW-Gruppen und in der Atompolitik besonders engagierte Organisationen wie Greenpeace, der BUND, die Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), die Bürgerinitiative Lüchow- Dannenberg oder Robin Wood hatten das Gespräch abgelehnt. Es mache keinen Sinn, da die Transporte ohnehin schon feststünden.

Das Gespräch habe der Information «unter Atomkraftgegnern» gedient, machte Trittin klar. Um Verhandlungen sei es nicht gegangen. Er sei bereit zu neuen Gesprächen an einem regelmäßigen Runden Tisch, zu denen der DNR als Dachverband in Absprache mit anderen Verbänden anregte.

Bearbeitet am: 21.02.2001/ad


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