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vom 28.02.2001

Eine Frage der Integrität

Minister Jüttner in Gartow

gel Gartow. "Wir können über den Atomkonsens streiten - aber nicht über die Rücknahme der Kokillen." Die Worte von Niedersachsens Umweltminister Wolfgang Jüttner (SPD) waren unmissverständlich.

Vor dem Gorleben-Forum und rund 50 weiteren Zuhörern sagte der Minister am Montag in Gartow auch, dass die Transporte ins Gorlebener Zwischenlager einen Endlager-Standort nicht präjudizieren würden. Argumentationen, die angebliche gesundheitliche Gefahren durch die Transporte in den Mittelpunkt rücken, findet Jüttner "nicht in Ordnung". Man solle die Bevölkerung nicht verängstigen und "die Kirche im Dorf lassen". Von den Castoren gehe keine Gesundheitsgefährdung aus.

Der SPD-Politiker sagte, auch er sei nicht von allen Teilen des Atomkonsenses begeistert. Aber mit den Restlaufzeiten, den reduzierten Transporten, den Zwischenlagern an den Atomkraftwerken und der neuen Suche nach einem Endlager-Standort sei der richtige Weg eingeschlagen. Dem Gorleben-Widerstand sagte Jüttner deutlich: "Ob mit oder ohne erstklassigen Konsens: Die Transporte kommen zurück." Geplant ist die Rücknahme von 163 Castoren in den nächsten zehn Jahren aus der englischen und französischen Wiederaufarbeitung. Das Zwischenlager in Gorleben ist bekanntlich der einzige genehmigte Ort, an dem diese Kokillen angenommen werden dürfen. Lediglich der abgearbeitete Transportbehälter-Skandal, die neue Brücke bei Hitzacker sowie die Expo seien Gründe gewesen, warum diese Transporte in den vorigen Jahren nicht stattfanden, so der Minister. Er warnte vor dem Versuch, das Atomkonsenspapier über einen blockierten Castor-Transport knacken zu wollen: Das sei "politisch nicht klug", weil ein besserer Ausstiegskonsens nicht zu bekommen sei.

Zweifel an der Sicherheit der Castor-Behälter HAW 20/28 hat das niedersächsische Umweltministerium (NMU) nicht. Der Behälter erfülle wie jeder andere Castor-Behälter internationale Sicherheitsanforderungen, sagte Hans-Christian Schober, Leiter des NMU-Referats Strahlenschutz. Zudem habe die Transportstudie gezeigt, dass es vom Strahlenschutz her keine Bedenken gebe. Auch habe das NMU in La Hague umfangreiche Kontaminationsmessungen vorgenommen. Schober zu anders lautenden Behauptungen: "Es gibt dort keine Neutronen-Leckstelle". Beim kommenden Gorleben-Transport werde zudem ein "unheimlicher" Aufwand mit Messgeräten an Polizisten betrieben. Wie konnte es denn sein, dass zwischen 1981 und 1998 Transporte mit angeblich sicheren Castor-Behälter stattfanden, die doch kontaminiert waren, wollten Castor-Gegner wissen. Minister Jüttner rekapitulierte daraufhin den Transportbehälter-Skandal und unterstrich, dass es sich dabei um Kontaminationen ausschließlich bei nassbeladenen Behältern gehandelt habe. Bei den Kokillen seien diese radiologischen Probleme nie aufgetreten.

Zudem habe es sich bei dem Skandal darum gehandelt, dass überschrittene Grenzwerte, die nie gefährlich gewesen seien, nicht gemeldet wurden, erinnerte Jüttner. Das habe die Glaubwürdigkeit der Betreiber in Frage gestellt. Inzwischen gebe es technische Nachbesserungen und bessere Kontrollabläufe. Wolfgang Jüttner unterstrich, dass gesundheitsgefährdende Zusammenhänge zwischen dem anstehenden Kokillen-Transport nach Gorleben und dem Transportbehälter-Skandal "nicht zulässig" seien. Für Jüttner ist die Rücknahme der Kokillen auch eine Frage der moralischen Integrität: Die Franzosen haben "die Drecksarbeit" gemacht - "und nun soll der Müll nicht nach Deutschland zurück?", fragte der Minister rhetorisch.

Bearbeitet am: 28.02.2001/ad


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