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vom 16.01.2001

Erste Eisenbahnfahrt über die neue Jeetzelbrücke bei Seerau/Hitzacker:

AKW-Gegner ziehen Notbremse

rs Dannenberg. "Wieviel Widerstand hält die Brücke aus?" Dies fragte provokativ eine Atomkraftgegnerin, nachdem gerade der Personenzug auf der neugebauten Brücke bei Seerau/ Hitzacker von unbekannten AKW-Gegnern zum Stehen gezwungen worden war. Erstmals nach dem Neubau der Bahnbrücke über die Jeetzel bei Seerau befuhr gestern Morgen ein Personenzug die Strecke Dannenberg-Lüneburg.

Wegen des umstrittenen Baus war die Strecke drei Monate lang nicht befahrbar. Ein Dutzend Atomkraftgegner nutzte die Gelegenheit, um mit einer Protestaktion auf den Zusammenhang zwischen dem Brückenbau und dem für März angekündigten CastorTransport ins Zwischenlager Gorleben hinzuweisen. Unmittelbar nach der Aktion klebten die Kernkraftgegner Protestplakate in die Abteile und verteilten nachgemachte Bahn-Faltblätter mit dem Titel "Kundeninformation Strahlenschutz" an die insgesamt rund 30 Mitreisenden.

Auf einem Plakat stand: "Wir stoppen alle Atomtransporte. Dann fahren wir auch wieder pünktlich. Ihre Deutsche Bahn." Der Zugführer blieb gelassen. Bereits am Vorabend war er auf der Zugfahrt nach Dannenberg durch heraus gerissene Signalmasten am Bahndamm auf mögliche Zwischenfälle hingewiesen worden. Seelenruhig machte er die Bremse wieder frei. Die beiden BGS-Beamten, die sich bis zur Notbremsung beim Zugführer aufgehalten hatten, eilten durch den Zug, um den oder die Täter auszumachen. Erfolglos. Der BGS müsse wohl auf Dauer Kräfte für die Bahnfahrt von Dannenberg nach Lüneburg abstellen, hatte einer der BGS-Beamten bereits vorab eingeräumt. Keiner der Passagiere wollte etwas gesehen haben. Die Türen wurden geöffnet, und die hell erleuchtete Brücke konnte aus einer noch ungewohnten Perspektive betrachtet werden. Der Belastbarkeitstest der Brücke hatte zwar bereits am Sonntagabend stattgefunden, als dieser Zug ohne Fahrgäste den Bau überfuhr. Doch nun wurde der umstrittene Bau auf eine andere Weise getestet - und mit ihm die Ordnungskräfte. Es war der Beginn eines Katz-und-Maus-Spiels, das nach Meinung der Widerständler fortgeführt werden soll. "Diese Aktion kann jetzt jeden Tag laufen", sagte einer der Atomgegner kämpferisch. Erklärtes Ziel sei es, mit solchen Aktionen "die Pläne der Atomindustrie zu durchkreuzen und die Kosten für den Transport hochzutreiben", stand in einem verteilten Flugblatt. Karikiert wurde die Situation, als sich die vermeintlichen Notbremser bei den BGS-lern über die Zugverspätung beschwerten und die Beamten dabei um Beherrschung bemüht waren. Nach etwa zehn Minuten rollte der zwei Waggons mitführenden Zug weiter. Auf dem Bahnhofsgelände in Hitzacker kam es gegen 6.30 Uhr zu kleinen Rangeleien zwischen herbei geeilten Beamten der Bereitschaftspolizei aus Lüneburg und einigen der dort ausgestiegenen Atomkraftgegner, als die Beamten versuchten, die Personalien der Protestler festzustellen. Die Situation drohte zu eskalieren, als die Einsatzkräfte mehr oder weniger wahllos zwei junge Männer aus der Gruppe zogen und festhielten. Die beiden Männer widersetzten sich zunächst verbal dem Zugriff, bis sich einer der Festgehaltenen aus dem Griff löste und, von zwei Beamten verfolgt, davonlief. Der Fliehende wurde nach wenigen Metern gestellt. Es kam zu einem weiteren Wortgefecht. Es gab aber keine Festnahmen. Nach dem Ende der Protestaktion verließen die Atomkraftgegner unbehelligt das Bahnhofsgelände. Im Hitzackeraner Bahnhofsweg hielten jedoch zehn Polizisten eine fünfköpfige Gruppe an, um zumindest von diesen Zugreisenden die persönlichen Daten aufzunehmen. Schließlich gehe es bei der Notbremsung um eine Ordnungswidrigkeit, die leicht Tausende von Mark kosten könne, sagte einer der Beamten.

Bearbeitet am: 16.01.2001/ad


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