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vom 20.01.2001

Räume im leeren Obdachlosenhaus werden an Mess-Gruppen und Medien vermietet

SG kassiert für Blick auf Castor

jg Dannenberg. Weder Zeitungen noch Fernsehsender können ihre Kameraobjektive beim kommenden Castor-Transport kostenlos vom leer stehenden ehemaligen Obdachlosenhaus bei Breese auf Atommüllbehälter richten. Wer Räume in dem Gebäude nutzen möchte, sei es zur Messen von Radioaktivität, sei es zur Berichterstattung von Castor-Tagen, muss zahlen.

Das hat der Rat der Samtgemeinde Dannenberg Donnerstag abend im Hotel "Alte Post" bei einer Gegenstimme aus der CDU beschlossen. Pro genutztem Quadratmeter im Nothaus kassiert die Samtgemeinde 8 DM. Strom und Wasser werden extra berechnet. Vor wenigen Wochen hatte das Kommunalparlament die Vermietung der Unterkunft an den BGS mehrheitlich abgelehnt. Erneut musste sich der Rat nun dem Hause widmen, weil die atomkraftkritische "Fachgruppe Radioaktivität" um Vermietung von Räumen gebeten hat. Die Gruppe will während der Castor-Transporte vom Nothaus aus Messungen vornehmen. Unterstützung dabei erhofft sie sich von den Umweltgruppen Greenpeace, Robin Wood und Argus.

Ein förmlicher Mietvertrag, so glaubt die Fachgruppe, werde den Zutritt zum Obdachlosenhaus gewährleisten. Laut Ratsbeschluss hat die Fachgruppe Radioaktivität in puncto Anmietung, Auswahl und Nutzung des Hauses dasVorrecht vor allen weiteren Nutzern. "Platz zwei" bei der Raum-Wahl haben weitere Messgruppen. Die dann noch übrigen Räumlichkeiten dürfen von Medien gemietet werden. Bei früheren Castor-Tansporten hatte die Samtgemeinde den vielen Medienvertretern, die aus einem der Nothaus-Fenster filmen oder fotografieren wollten, den Ausblick kostenlos gestattet.

Das ist nun vorbei. Wenn die Messgruppe zahlen müsse, müssten dies auch die Medien, hieß es im Rat. Ratsherr Kurt Herzog (GLW) bemerkte dazu: Wenn ein Fernsehsender an einem Günther-Jauch-Abend über eine Million verjuche, dann könne so ein Sender wohl das bisschen Miete zahlen. Weit weniger finanzkräftiger steht die Fachgruppe Radioaktivität da.

Auch wenn die Miete für den Messaufenthalt gering sei - es würde der Gruppe sehr helfen, wenn sie den entsprechenden Betrag durch Spenden zusammenbekomm: So warb Ratsherr Norbert Schwidder (SPD) für eine finanzielle Gabe als Mietunterstützung zugunsten der Fachgruppe. Ob der Mietvertrag den Messgruppen wirklich den Zutritt zum Haus sichert, ist offen.

Eine Garantie für das problemlose Betreten des Gebäudes, so gab SG-Direktor Dieter Aschbrenner mit Blick auf eventuelle Polizeiabsperrungen zu bedenken, könne die Samtgemeinde nicht übernehmen. GELD zahlen für diesen Ausblick aus dem Obdachlosenhaus müssen künftig Mess-Gruppen, Presse-Fotografen und Kameraleute des Fernsehens an Castor-Tagen. Die Samtgemeinde Dannenberg kassiert fortan Miete für die zeitweise Nutzung des Gebäudes. Die Messgruppe hofft, ein Mietvertrag werde ihr den Zutritt zu den Gebäuden sichern. Doch da ist SG-Direktor Aschbrenner skeptisch: Vielleicht werde es Polizeieinsätze geben, bei denen generell der Zugang zum Haus verwehrt wird.

Bearbeitet am: 20.01.2001/ad


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