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vom 06.03.2001

Konflikt-Manager: Es gibt nur zwölf

Widersprüchliches zur Pisselberg-Aktion

gel Pisselberg. Nach der "Nacht im Gleisbett" bleibt das Konflikt-Management der Polizei zum nächsten Castor-Transport umstritten. Die Widerstandskampagne "X-tausendmal quer" wirft der Polizei "altes Konfrontationsdenken" vor. Das Konflikt-Management sei schon im Vorfeld des Transportes gescheitert. Die Polizei dagegen verweist darauf, dass es auch bei der Pisselberg-Aktion zahlreiche Gespräche gegeben habe, um die Situation zu entspannen.

Aus Protest gegen den nächsten Castor-Transport hatten Atomkraftgegner am Sonnabend Gleise auf der Bahnlinie bei Pisselberg besetzt. Die Demonstration sollte keine Blockade darstellen, weil normalerweise zur Protestzeit keine Züge auf der Linie verkehren. Die Polizei betont dagegen, dass ein Betreten der Gleise nicht erlaubt war. 36 Atomkraftgegner, die ein

zweites Mal die Gleise besetzten, wurden in Gewahrsam genommen. Zu der PisselbergAktion gibt es also offenbar widersprüchliche Wahrnehmungen.

Versuche der Kontaktaufnahme mit Konflikt-Managern seien abgeblockt worden, meinen Atomkraftgegner. Die Polizei stellt dazu klar: Von den 130 Polizisten für die Öffentlichkeitsarbeit seien lediglich zwölf in zwölf mobilen Teams für das reine KonfliktManagement zuständig. Der Rest mache normale Öffentlichkeitsarbeit, arbeite fürs Internet, am Bürgertelefon  oder als Pressesprecher. In Pisselberg seien somit lediglich ein oder zwei Konflikt-Manager vor Ort gewesen.

Protestierende wurden nicht weggetragen, so die Atomkraftgegner, sondern "über den Schotter geschliffen und durch schmerzhafte Griffe malträtiert". Die Polizeiversion: Die Sitzdemonstranten hatten sich untereinander eingehakt, das sei dann per se keine gewaltfreie Aktion mehr, weil ein einfaches Wegtragen nicht mehr möglich sei. Generell stellt die Polizei klar: Wenn jemand beim Wegtragen mit den Beinen strampele, sei das Widerstand gegen die Staatsgewalt. Die Maßnahmen würden sich jeweils in ihrer Intensität nach dem Verhalten der Protestler richten.

Während des "gewalttätigen Einsatzes" hätten sich die Konflikt-Manager zurückgezogen, kritisieren die Atomkraftgegner. Die Polizei dazu: Die Konflikt-Manager können allenfalls im Vorfeld eingreifen. Und bei Rechtsbrüchen könnten Konflikt-Manager während des Einsatzes gar nichts mehr ausrichten.

Der von der Polizei angekündigte" durchgehende nächtliche Zugverkehr" habe gar nicht stattgefunden, monieren die Atomkraftgegner und werfen der Polizei vor, "mit unwahren Behauptungen die Situation im eigenen Sinne zu beeinflussen". Die Polizei bleibt dagegen dabei, dass für den Zeitraum der Aktion Bauzüge und Zugkontrollfahrten angekündigt waren.

Auch" Ersttäter", gegen die noch kein Platzverweis ausgesprochen worden war, seien in Gewahrsam genommen worden, so die Atomkraftgegner. Nach Polizeierkenntnis wurden allerdings nur Protestler in Gewahrsam genommen, die schon einen Platzverweis erhalten hatten.

Zur Leibesvisitation haben sich die in Gewahrsam genommenen Demonstranten in der Lüchower Polizeiunterkunft teilweise vollständig ausziehen müssen. Das sei bei Gewahrsamnahmen ein "übliches Prozedere", so die Polizei.

Bearbeitet am: 06.03.2001/ad


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