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vom 09.03.2001

Ruck, zuck übern Zaun

Am Castorbahnhof: Sicherheitskonzept ausgetrickst - Friedlich geräumt

Bilder zu den Ereignissen in Danenberg gibt es unter:
http://www.randbild.de

 

ja Breese/M. Scharfer Natodraht, Barrieren, ein massiver Zaun, Überwachungskameras, Polizisten vor Ort - im CastorTransport-Vorfeld mehr als zu anderen Zeiten: ein undurchlässiges Sicherheitssystem, so ist man geneigt, zu denken. Doch dieses Konzept ist gestern in Sekundenschnelle ausgetrickst worden; dieses System hat ein Loch: den Luftweg. Auf ihm gelangten Greenpeace-Aktivisten aus England, Frankreich, Schweden und Deutschland auf das Gelände. Ruck, zuck fuhren die Umweltschützer eine HubwagenBühne über den Zaun, erklommen in ihr die Kran-Umhausung und auch den darin verborgenen Verladekran selbst.

Während eine Gruppe der  Greenpeacler den Hubwagen nutzte, enterten Mitstreiter per Leiter das zäunte Terrain und verschlossenen die Tore der Station mit mitgebrachten Ketten. Weitere Aktivisten stellten vor der Verladestation einen weißen Protest-Container auf die Bahnschienen. Ruck" zuck waren Transparente entrollt, hatte sich ein Maler vom Dach der Kran-Umhausung abgeseilt, um ein weithin sichtbares gelbes X an die Wand zu streichen. Über 40 Greenpeace-Mitglieder waren im Einsatz.

Der große Lkw, so darf vermutet werden, hatte keinen Argwohn bei den Polizeibeamten nahe der Verladestation erregt. Das Gefährt wirkte äußerst seriös, ließ vielleicht vermuten, irgendeine Firma wolle damit auf der Verladestation ihre Arbeit tun. Doch den Laster hatte Greenpeace gemietet. Der Wagen stoppte - und ganz schnell schob sich sein Teleskoparm über den grünen Zaun.

Alarm für Polizei und BGS, die nun ziemlich zahlreich erschienen. Nach und nach wurden die Atomkraftgegner weggetragen. Gegen 11.30 Uhr wurde der letzte Aktivist mit Hilfe der Feuerwehr von der Kranumhausung herunter geholt. Wegtragen, Gewahrsamnahme, Personalien feststellen, Freilassung: das übliche Prozedere. Sowohl von der Polizei als auch von Greenpeace-Pressesprecher Stefan Schuhe wurde die Räumung als "friedlich" bezeichnet, wenn es auch, so Schurig, anfangs "kurz einige rabiate Gesten" gegeben habe. Zwei mobile Teams des Polizei-Konfliktmanagements trugen mit dazu bei, dass die Atmosphäre ruhig und entspannt blieb.

Greenpeace-Energieexperte Volt Bürger erklärte am Krangelände: Mit der Aktion wollen die Umweltschützer gegen die Atomtransporte zwischen Frankreich und Deutschland demonstrieren und zu gewaltfreien Protesten aufrufen. Der bevorstehende Transport sei ein Schlüsselmoment, mit dem sich eine ganze Flut neuer Atomtransporte in Gang setze.

Atomkraftgegner aus dem Kreisgebiet eilten gestern nach Breese und bekundeten ihre Sympathie mit den Besetzern, unter anderem die Vorsitzendern der Bürgerinitiative Umweltschutz, Edelgard Grafen und Rosi Schösse. Auf Seiten der Ordnungshüter sah man den Direktor der Polizei im Regierungsbezirk, Hans Reime. Auch Dannenbergs Bürgermeister Bernard Fathmann informierte sich vor Ort über das Geschehen.

Die BLG als Hausherrin der Verladestation will Strafantrag gegen die Besetzer stellen.

Bearbeitet am: 09.03.2001/ad


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