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vom 10.03.2001

Wer pflegt Opa am Tag X?

Info-Stelle in Dannenberg hat auch Passierschein-Anträge

ja Dannenberg. Vom Lehnstuhl aus kann Opa durchs Fenster auf jene Straße blicken, über die demnächst Castor-Behälter nach Gorleben rollen.. Opa wohnt direkt an der Transportstrecke, wohnt allein, freut sich tagtäglich auf den Besuch seiner Pflegerin und über "Essen auf Rädern". Was aber, wenn der Atommüll Vorrang auf der Straße hat? Wer versorgt Opa am Castortag, am Tag X? Mit solchen und anderen Sorgen in puncto Behältertransport sind die Bürger gut aufgehoben in der Info-Börse, die Polizei, BGS und Samtgemeinde gestern in Dannenberg in der Rosmarienstraße 4 eröffnet haben: in dem kleinen weißen Fachwerkgebäude gegenüber der SG-Verwaltung.

Das "Hexenhäuschen", wie es viele nennen, diente einst als Wohnung des Schulvogts. Nun ist dort die Polizei im Rahmen ihres Konfliktmanagements zu Gast. Der Dannenberger SG-Rat hatte beschlossen das Häuschen hierfür zur Verfügung zu stellen. Im Fall "Opas Pflege" wissen die Beamten sogleich Rat und überreichen der Pflegerin einen Antrag auf einen Passierschein. Ein solches Dokument, das am CastorTag unter bestimmten Voraussetzungen Durchlaß an Absperrungen gewährt, wird allerdings nur ausgestellt, wenn ein wichtiger nachzuweisender Grund vorliegt. Im Häuschen in Dannenberg gibts Beratung und Anträge - entschieden wird darüber in Lüchow von Beamten, die besonders gut mit örtlichen Gegebenheiten vertraut sind.

Doch die Konfliktmanager befassen sich durchaus nicht nur mit Passierscheinen. Ein ganz wesentliches Ziel, das die Beamten erreichen wollen, dokumentiert ein Schriftzug hinter einem der Häuschen-Fenster: "Protest ja - aber ohne Gewalt".

Dannenbergs Samtgemeindedirektor Dieter Aschbrenner hieß die Polizeibeamten gestern in ihrem vorübergehenden Domizil willkommen. Der Verwaltungschef wünschte ihnen, dass das neue Projekt zur Entspannung beitragen möge. Ein Wunsch, den auch die Beamten äußerten. Sie sehen ihrer Arbeit unter dem Motto "wir können auch anders" optimistisch entgegen. Dieser Optimismus scheint berechtigt zu sein, denn: Wie die Polizei berichtet, erfreue sich die in Lüchow im Februar eingerichtete InfoBörse großer Beliebtheit in der Bevölkerung. Von zu erwartenden Verkehrsbehinderungen bis zur Erläuterungen zu polizeilichen Maßnahmen gehen die Auskünfte rund um den Transport. "Die Bürgerinnen und Bürgerinnen fühlen sich mit ihren Problemen ernst genommen", weiß ein Beamter des KonfliktlösungsTeams aus Lüchow.

Bearbeitet am: 10.03.2001/ad


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