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vom 12.03.2001

"Ich würde zu Hause bleiben"

Strahlenbiologe Dr. Wolfgang Köhnlein zu Risiken der Neutronenstrahlung

gel Breese/Marsch. Neutronenstrahlen sind nicht ohne. Das, weiß jeder der schon einmal beschäftigt hat. Doch wie gefährlich sind sie tatsächlich? Der an Strahlenbiologe Professor Dr. Wolfgang Köhnlein empfahl am Freitagabend in Breese/Marsch einen Abstand von 200 bis 400 Metern zum Castor-Behälter. "Ich würde möglichst zu Hause bleiben und nicht demonstrieren, weil ich mich keiner Strahlenbelastung aussetzen will", sagte Köhnlein auf einer von der Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) organisierten Informationsveranstaltung. An der nahmen auch einige Polizisten teil.

Köhnlein wehrte sich, Gefahren der Neutronenstrahlung mit anderen Strahlenbelastungen zu vergleichen, beispielsweise mit einem Flug nach New York. Er riet vielmehr dazu, jede zusätzliche Strahlenbelastung zu vermeiden. Denn bereits auf die natürliche Strahlung seien fünf bis acht Prozent der Krebserkrankungen zurückzuführen, weiß Köhnlein. Alles was dazukomme, erhöhe die Mutationsrate. Er hält es für "nicht erträglich", wenn zusätzlich zur natürlichen Strahlung Radioaktivität in die Umwelt abgegeben werde, sagte der Strahlenbiologe.

Köhnlein hatte vor seinem Ruhestand eine Professur in Münster und war dort Leiter des Instituts für Strahlenbiologie.

Zusammen mit dem Nuklearmediziner Kuni zählt er zu den Wissenschaftlern, die die Gefahren der Neutronenstrahlung nicht ausreichend genug gewichtet sehen. Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse würden sich nämlich nicht in der Strahlenschutzverordnung widerspiegeln, meinte Köhnlein in Breese/Marsch.

Generell stellte Köhnlein klar: "Auch kleine Strahlendosen sind nicht ohne Konsequenzen".

Wie die Strahlung allerdings wirke, hänge von mehreren Faktoren ab: zeitliche und räumliche Verteilung der Dosis, die relative Strahlenempfindlichkeit des Gewebes, Milieufaktoren und Strahlenart. Schädigungen durch Strahlen seien dann auch ein reines Zufallsergebnis. Köhnlein sprach von einem Vabanquespiel.

Den Zuhörern verdeutlichte der Wissenschaftler, wie sich die Neutronen-Teilchenstrahlung

ungehindert den Weg durch dicke Wände und Beton bahnt. Im Verhältnis zu anderen Strahlungsarten sei die Neutronenstrahlung biologisch äußerst gefährlich, so Köhnlein. Er verdeutlichte dies anhand der wissenschaftlichen Größe RBW: relative biologische Wirksamkeit. Dabei wird die Strahleneffektivität in Relation zur Röntgenstrahlung ermittelt. Demnach seien Neutronenstrahlen 30 Mal effektiver als Röntgenstrahlen. Köhnlein: Bei Neutronenstrahlung gebe es schon bei kleinen Dosen Tumorrisiken. und zwar deutlich höhere als bei Röntgenstrahlen.

"Die Polizei ist deutlich gefährdet", sagte Heinrich Messerschmidt von der Bl. Der HAW20/28-Behälter, mit dem die nächsten hochradioaktiver Glaskokillen nach Gorleber kommen, bezeichnete er als " unsichersten Lagerbehälter". Auf einer Breite von 30 Zentimeter gebe es keinerlei Neutronenabschirmung, sagte Messerschmidt. Das Messprogramn der Behörden sei so angelegt dass ausgerechnet dort nicht gemessen werde, wo die Abschirmung nicht vorhanden sei.

Bearbeitet am: 12.03.2001/ad


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