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vom 15.03.2001

Schleppt Castor die Seuche ein?

Notgemeinschaft: MKS nahe der Transportstrecke - Klage zu Stunkparade

jg Gorleben. Nur wenige Kilometer von jenem französischen Gebiet entfernt, auf dem die Maul- und Klauenseuche (MKS) ausgebrochen ist, verläuft die Transportstrecke, auf der schon bald Castor-Behälter nach Gorleben rollen, Kann der Transport die schlimme Tierseuche nach Deutschland, bis ins hiesige Kreisgebiet einschleppen? Besorgt stellen sich die Mitglieder der Bäuerlichen Notgemeinschaft Lüchow-Dannenberg diese Frage. "Wir fordern: Der Castor-Transport muss wegen der MKS-Gefahr abgesagt werden", betonte die Vorsitzende der Notgemeinschaft, Susanne Kamien, gestern gegenüber der EJZ.
Parade darf nicht nach Grippel

Die Furcht vor einer möglichen Bedrohung durch den Seuchen-Erreger via Castor trifft die Bäuerliche Notgemeinschaft mitten in ihren Vorbereitungen zur großen Stunkparade: Am Sonntag, dem 25. März, soll sie sich als Verboten des AntiCastor-Protestes über die Atommüllstrecke bewegen. Doch schon gibt es Ärger hinsichtlich des Weges. Zwar hat die Bezirksregierung in Lüneburg die Aktion am Dienstag genehmigt, aber dies ist mit etlichen Auflagen geschehen. So darf die Parade, zu der rund 250 Trecker und allerlei phantasievolle Wagen nebst Plakaten erwartet werden, auf ihrem Weg von Gorleben nicht durch Grippel fahren. Dort, so befürchten die Behörden, könnte die Abzweigung nach Gusborn und Quickborn blockiert werden.

Kinder werden Primeln pflanzen

Die Bezirksregierung hat deshalb vorgeschrieben: Nach dem Auftakt am Endlager-Erkundungsbergwerk Gorleben um 10 Uhr muss die Parade über Gedelitz, Dünsche und Siemen über Groß Gusborn nach Splietau rollen. Von dort soll es weitergehen über Dannenberg, Lüggau und Streetz zum Platz der für 18 Uhr angesetzten - Abschlusskundgebung: eine Wiese an der Landesstraße nach Hitzacker unweit Seerau, wo auch eine Pflanzaktion vorgesehen ist. Kinder werden dort bereits ab 15 Uhr eine Fläche mit Primeln bestücken.

Gegen die Routen-Vorschrift, die Grippel ausspart, will die Bäuerliche Notgemeinschaft vor Gericht eine Klage einreichen. Die Parade, so unterstrich Susanne Kamien, solle über jenen Weg führen, der auch als CastorTransportstrecke vorgesehen ist, also auch über Grippel. Um dieses Vorhaben realisieren zu können, werde die Notgemeinschaft juristische Hilfe in Anspruch nehmen. Mit der Stunkparade auf der geplanten Strecke, so Kamien, wolle die bäuerliche Gemeinschaft deutlich machen: "Wir sind weiter auf der Straße, wir lassen uns von Rotgrün das Demonstrieren nicht verbieten".

"Erhebliche Verkehrsbehinderung

Zu den Auflagen, mit denen die Bezirksregierung ihre Stunkparaden-Erlaubnis versehen hat, gehört auch die Vorschrift: Die Trecker dürfen nicht mit landwirtschaftlichen Geräten ausgestattet sein, mit Frontschaufeln beispielsweise. Auch dürfen auf Anhängern keine Menschen transportiert werden. Werkzeug, das zum Beschädigen von Straßen geeignet ist -Spitzhacken und Spaten etwa -, darf ebenfalls nicht mitgeführt werden. "Und wir müssen die Parade massenweise mit Ordnern begleiten", berichtet Susanne Kamien.

Die Stunkparade ist zur Zeit die einzige in Lüchow-Dannenberg offiziell angemeldete Großveranstaltung gegen den bevorstehenden Castor-Tansport. Dies geht aus einer PresseMitteilung der Bezirksregierung hervor. In dem Schreiben aus Lüneburg heißt es, mit der Genehmigung der Stunkparade trage die Bezirkregierung "dem Anliegen nach einer angemessenen Veranstaltung vor Ort in einer Weise Rechnung, die nach der derzeitigen Prognose einen friedlichen Protest und gleichzeitig den Schutz der Transportroute für den Castor-Transport ermöglicht". Die Länge des "Aufzugs", so warnt die Lüneburger Behörde, werde zu erheblichen Verkehrsbehinderungen im nördlichen Teil des Kreisgebietes führen.

Bearbeitet am: 15.03.2001/ad


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