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vom 16.03.2001

MKS: Bauern fürchten den Super-GAU

Gefordert: Castor-Stopp

dm Lüchow. "Das Landvolk sollte versuchen, den CastorTransport nach Gorleben zu stoppen." Mit Beifall quittierten die Zuhörer diesen Appell eines Bauern bei einer Podiumsdiskussion des Landvolk-Kreisverbandes zum Thema BSE im vollbesetzten Lüchower Gildehaus. Wohl kein Landwirt hat sich in seinem übelsten Albtraum ausgemalt, dass der BSE-Krise noch eine schlimmere Katastrophe folgen könnte. Nun haben nicht nur viele hiesige Bauern Angst, dass die Maul- und Klauen-Seuche (MKS) aus Frankreich nach Niedersachsen eingeschleppt werden könnte. Prof. Dr. Joachim Pohlenz vom Institut für Pathologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover machte seinen Zuhörern am Mittwoch wenig Hoffnung, dass die Seuche eingedämmt werden könnte: "Wenn wir MKS bekommen, dann ist das eine richtige Krise, mit der BSE nicht vergleichbar ist.

Tierseuchen-Experte Pohlenz sprach sich zwar nicht explizit gegen den Castor-Transport aus. Er warnte jedoch, dass von großen Menschenansammlungen eine enorme Gefahr für die Übertragung von MKS ausgehe: "Ich würde nicht so viele Menschen hierher lassen." Die Ausbreitung der für die Tiere sehr schmerzhaften und meist tödlichen Seuche könne nur vermieden werden, "wenn wir im täglichen Leben sehr diszipliniert sind". An der Tierärztlichen Hochschule werde über sehr drastische Maßnahmen nachgedacht: ob die rund 20 Studenten, die sich derzeit in Großbritannien aufhalten, zum Semesterbeginn wieder zum Studium zugelassen werden.

Auf dem Podium war man sich einig, dass durch den Atommüll-Transport nach Gorleben die Gefahr enorm wächst, dass MKS in die Region eingeschleppt wird. "Steht uns ein Super-GAU bevor, wenn wegen des Castor-Transports viele Menschen in den Landkreis kommen?", fragte der Kreisvorsitzende des Landvolks, Werner Hilse, der die Podiumsdiskussion moderierte., Er versprach, dass der Bauernverband mit der Landesregierung sprechen werde. Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Wojahn hält so große Menschenansammlungen nicht für verantwortbar, wenn die Seuche auf dem europäischen Festland ist.

Die Folgen für die Landwirtschaft in den von MKS betroffenen Regionen sind verheerend. Nicht nur die Bauern, in deren Klauentierbeständen die Seuche festgestellt wird, müssen damit rechnen, dass alle Tiere getötet werden. "Ein möglicher Ausbreitungsherd muss durch Keulung so schnell wie möglich vernichtet werden", sagte Prof. Pohlenz. Es handele sich wegen der schnellen Ausbreitung um die  gefährlichste Virusinfektion, die für den Menschen jedoch völlig ungefährlich sei. Sogar durch die Luft könne sich das Virus viele Kilometer weit verbreiten. Eine Impfung gegen MKS würde keine Sicherheit bringen, weil es mehrere Virusstämme gebe, so Pohlenz. Zudem würde der Schweinefleisch-Export für Jahre stark eingeschränkt werden.

Jür viele Betriebe wird MKS das "Aus bedeuten", befürchtet Werner Hilse. Seit dem ersten Fall in Großbritannien könnten sich die Bauern nicht mehr gegen die Folgen der Seuche versichern. Auch aus der Tierseuchenkasse sei kaum mit Entschädigungen zu rechnen, da sie bald leer sei.

Bearbeitet am: 16.03.2001/ad


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