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vom 21.03.2001

"Können kaum noch unterrichten"

Freie Schule Hitzacker: Lehrer und Schüler fühlen sich von Polizei belagert

sum Hitzacker. Das Gelände der Freien Schule Hitzacker liegt direkt an der Bahnlinie, auf der in der nächsten Woche der Castor gebracht werden soll, also in der 50-MeterSperrzone rechts und links der Transportstrecke. Was das bedeutet, können Schüler und Lehrer zur Zeit hautnah erleben. Sie fühlen sich wie im Belagerungszustand. Polizeibusse fahren während des Unterrichts auf das Gelände und wenden auf dem Schulhof. Hubschrauber kreisen über dem Gebäude. Regelmäßig nach Schulschluss stehen direkt hinter oder neben dem Bushäuschen mehrere Wagen der Polizei. Die Beamten hätten gesagt, um dort Kaffeepäuschen zu machen, schildern die Lehrer. Jüngere Schüler und Schülerinnen seien auf dem Weg zum Bus aufgefordert worden, ihre Schultaschen zu öffnen, berichten die Kinder. Viele von ihnen sind verunsichert, haben Angst oder sind wütend. "Wir können kaum noch unterrichten", ärgert sich Lehrer Detlef Lindner.

Drei Konfliktmanager der Polizei haben in der vorigen Woche mit Lehrern und Schülern der oberen Klassen diskutiert. Nun fahren vorläufig keine Polizeifahrzeuge auf den Schulhof, doch die "Kaffeepausen" an der Bushaltestelle nehmen zu. Immer wieder patrouillieren Autos um das Gelände, beobachten mit Kameras und Ferngläsern das Treiben auf dem Schulhof. Die Fahrzeuge blockieren einen kleinen Fußweg, der oft von den Kinder benutzt wird, und parken nach wie vor dicht am Bushaus.

Wer im Büro des Konfliktmanagements anruft, werde abgekanzelt, berichten besorgte Eltern. Man könne das nicht beurteilen und hielte das Ganze für ein Szenarium der Eltern, habe die lapidare Antwort von Konfliktmanager Seidel gelautet, sagte eine Mutter.

Wie werden sich die Polizisten in der kommenden Woche verhalten, wenn der Castor kommt? Die Freie Schule Hitzacker befindet sich im Privatbesitz und in der Sperrzone. Die Konfliktmanager hätten gegenüber Lehrern und Schülern versprochen: Schulgelände und -gebäude würden von den Einsatzkräften nicht betreten, solange es von dort keine Aktionen in Richtung Gleise gebe. Die Einsatzleiter der Polizei seien informiert worden. "Machen sie ruhig ihren Unterricht. In 30 Sekunden wird der Zug vorbeigefahren sein", seien die Eltern von der Polizei aufgefordert worden.

Ob es Vorbehalte gegen die Schule gebe, wollten die Lehrer wissen. Natürlich nicht, es handle sich um reine Routinefahrten, war die Antwort. Mit Kreativität und Phantasie zeigt die Freie Schule Hitzacker nämlich, was sie von dem bevorstehenden Castor-Transport und dem damit verbundenen massiven Polizeiaufgebot hält. Ein Transparent mit der Aufschrift "Lieber kreativ, als radioaktiv" hängt nun auf dem Schuldach. Ein symbolischer Zaun aus Anti-Castor-Kreuzen wurde um das Schulgelände aufgestellt. Und am Wochenende sind zwei Kulturveranstaltungen geplant.

Bearbeitet am: 21.03.2001/ad


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