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vom 22.03.2001

Was geschieht im Katastrophenfall?

Atomausschuss: Land und Bund halten Sonderpläne für Castor-Unfall nicht für nötig

gel Lüchow. Einen Katastrophenschutz-Sonderplan für Castor-Transporte gibt es nicht. Land und Bund halten das auch nicht für nötig. Sollte im schlimmsten Fall ein Castor beschädigt werden und vermehrt radioaktive Strahlung nach außen dringen, wäre das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg als Gefahrenabwehrbehörde gefordert, nicht aber der Landkreis. Dies erfuhr der Kreisatomausschuss auf seiner Sitzung am Dienstag in Lüchow.

Bei einigen Ausschussmitgliedern führten die fehlenden Katastrophenschutz-Sonderpläne zu Kopfschütteln. Norbert Schwidder (SPD): "Was nicht sein darf, kann nicht sein. Aber was ist, wenn es doch passiert?" Und das beratende Mitglied Udo Jentzsch fragte, ob die Feuerwehrleute überhaupt auf einen Katastrophenfall beim CastorTransport vorbereitet seien.

Landkreis-Ordnungsamtsleiter Diethart Gnade skizzierte, wie sich das Szenario nach einem Unfall abspielen könnte. Die Gefahrenstelle müsste zunächst von der Feuerwehr im Abstand von 50 bis 100 Metern abgesperrt werden. Zentrale Einsatzleitung bei einer Katastrophe wäre zwar der Landkreis, doch über die einzuleitenden Maßnahmen entscheide das Gewerbeaufsichtsamt in Lüneburg. Das müsste zunächst die Strahlengefahr messen, um den Sicherheitsabstand zu bestimmen. Um einen Castor im Ernstfall zu bergen, müsste eine Spezialfirma aus Karlsruhe anrücken. Theoretische Krankentransporte oder Evakuierungen müsste der Landkreis koordinieren.

Die Begründung, warum es keine Sonder-Katastrophenschutzpläne für Atomtransporte gibt: Die Transport und Lagerbehälter hätten an sich eine ausreichende Schutzfunktion auch bei einem Unfall. Vorliegende Einsprüche von Privatleuten gegen die Transportgenehmigung mit dem Verweis auf fehlende Sonderpläne haben deswegen auch wenig Aussicht auf Erfolg. Ausschussvorsitzende Lilo Wollny (GLW) merkte abschließend an: Eigentlich müsste in Deutschland schon längst eine EU-Richtlinie umgesetzt sein; dann wäre auch ein Katastrophenschutzsonderplan nötig.

Nur ein Randthema im Ausschuss: die Diskussion über die Maul- und Klauenseuche und Castor-Transport. Kreisveterinär Dr. Bernd Thiel sagte, dass durchaus die Gefahr gegeben sei, "dass wir die Maul- und Klauenseuche eingeschleppt bekommen".

Was Zuständigkeiten und Vorgehen beim Castor-Transport angeht, stellte Landrat Christian Zühlke (SPD) diese Konzeption vor:

Demonstrationsverbote: Die Bezirksregierung Lüneburg hat diese Zuständigkeit klar an sich gezogen und bereits DemoVerbote erlassen.

- Passierscheine: Interessenten mit "begründeten Anliegen" sollen Passierscheine für den Transporttag erhalten. Derzeit werden zahlreiche Anträge bearbeitet. Es gibt offenbar Probleme, wer einen Passierschein erhalten darf.

- Schulunterricht: Ob Schulunterricht und/oder Schülerbeförderungen am Transporttag

ausfallen, hängt von der Lage ab. Die Bezirksregierung wird dem Landkreis die Situation schildern - letztendlich wird dann Landrat Zühlke zu entscheiden haben.

- Rettungsdienst: Er wird verstärkt. Unter anderem wird ein zweiter Notarzt mit Fahrzeug zu Verfügung stehen, zudem ein weiterer Rettungswagen beim DRK in Dannenberg. Rettungswagen werden rund um die Uhr einsatzbereit sein. Zu den Problemen beim 97er Transport merkte Landrat Zühlke an: Er gehe davon aus, dass die Ärzte im Notfall von der Polizei diesmal auch immer durchgelassen werden.

Bearbeitet am: 22.03.2001/ad


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