ejzmini.gif (1299 Byte) vom 24.03.2001

Countdown für Castor-Transport

Hannover (dpa) - Begleitet von verstärkten Protesten läuft der Countdown für den Castor-Transport mit Atommüll nach Gorleben an diesem Montag.

Die Vorbereitungen waren am Freitag auf französischer Seite nahezu abgeschlossen, berichtete die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Es ist der erste Castor-Transport nach Gorleben nach vier Jahren Pause und zugleich der erste unter der rot-grünen Bundesregierung.

Atomkraftgegner protestierten am Freitag scharf gegen die behördlichen Verbote und Beschränkungen von Demonstrationen und Lagern entlang der Transportstrecke von Lüneburg bis Gorleben. Die Gewerkschaft der Polizei befürchtet bei der Sicherung des Transports einen Mangel an Einsatzkräften.

Nach Angaben von Greenpeace-Sprecher Stefan Schurig waren am Freitag alle sechs Behälter mit den hochradioaktiven Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague über die Straße zur rund 30 Kilometer entfernten Verladestation Valognes befördert worden.

In der Verladestation werde jetzt der Zug für den Transport der Behälter nach Deutschland zusammengestellt. «Jetzt läuft die Uhr», sagte Schurig in Hannover. Der Zug soll nach Angaben des französischen Unternehmens Cogema, das die Atomfabrik La Hague betreibt, am Montag um 6.30 Uhr in Richtung Deutschland losfahren. Am späten Montagabend wird er an der deutsch-französischen Grenze erwartet.

Der Sprecher der bundesweiten Anti-Atom-Initiative «X-tausendmal quer - überall», Jochen Stay, sagte, die Atomkraftgegner würden nicht aus fünf Kilometern Entfernung zuschauen, wie die Castor-Behälter nach Gorleben rollen: «Notfalls bleibt uns nichts anderes übrig als Verbotenes zu tun.»

Der Initiative war ein geplantes Zeltlager an der Transportstrecke in Wendisch Evern bei Lüneburg verboten worden. Sie plant dort vom Montag an eine Sitzblockade und hat laut Stay dafür rund 4500 Anmeldungen aus dem ganzen Bundesgebiet. Stay sprach angesichts der Verbote vom «radioaktiven Zerfall der Grundrechte» und einer «völlig neuen Eskalation der Behörden».

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, verwies auf Engpässe und eklatante Missstände bei der Unterbringung der Polizeibeamten. Die Einsätze für die Castor- Transporte überschritten für die Beamten «die Grenzen der Zumutbarkeit». Die Politik habe vergessen, «dass Tausende von Einsatzkräften auch irgendwo wohnen und schlafen müssen».

In Baden-Württemberg befürchtet die GdP sogar einen großen Mangel an Polizeibeamten. Je nach Intensität der Protestaktionen könne die Lage kritisch werden, sagte ein GdP-Sprecher am Freitag in Laupheim. Das Fehlen ausgebildeter Polizisten sei inzwischen eine ernsthafte Gefahr für die innere Sicherheit.

Die PDS verlangte von der Bundesregierung eine Absage der Castor- Transporte. Es sei ein Missbrauch der Staatsgewalt, «gegen den friedlichen Widerstand weiter Teile der Bevölkerung» wirtschaftliche Interessen durchzusetzen, sagte die PDS-Bundestagsabgeordnete Heidi Lippmann. FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle forderte in Berlin die Grünen-Parteispitze auf, sich noch vor Beginn des Castor- Transports deutlich gegen Sitzblockaden und Behinderungen an der Strecke auszusprechen.

Bearbeitet am: 24.03.2001/ad


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