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vom 24.03.2001

Pastoren im Medienblick

Kritzokat: Auf Vorurteile folgt Neugier

by Dannenberg. Auf der Karikatur zieht ein eierköpfiger Pastor auf die Demo, unter seinem Talar verbirgt sich ein Steinewerfer. So sah die Frankfurter Allgemeine Zeitung beim dritten Castor-Transport nach Gorleben vor vier Jahren den Einsatz der hiesigen Pastoren mitten im Konflikt.

»Das war Häme», sagt Dannenberger Superintendent Peter Kritzokat, das war aber gleichzeitig auch ein Zeichen, dass das Engagement der Pastoren von den überregionalen Medien wahrgenommen wurde. Seit dem ersten Transport stehen hiesige Pastoren zwischen den Fronten, setzen sich für diejenigen ein, die in ihren Rechten und ihrer Würde verletzt werden. Das sind, so Kritzokat, mal die Demonstranten, mal aber auch die Polizei. Einen ersten Bericht über das, was sie im Konflikt erlebten, verfassten sie als Reaktion auf das »empörende Presseecho» nach dem ersten Transport. »Wir mussten unsere Sicht einbringen, uns gegen die Pauschalverurteilung als militante Chaoten wehren. Die da auf der Straße saßen, waren wesentlich auch unsere Gemeindeglieder», sagt Kritzokat.

Doch den ersten Bericht beachtete nur die EJZ, der zweite brachte den Pastoren eine Einladung nach Hannover zum Ministerpräsidenten ein, dem sie dabei nicht nur von »Straftätern in Uniform» berichteten, sondern auch »deutlich berichteten, dass hier das Recht kippt». Beim dritten Transport wurden die Pastoren dann auch von der Medienöffentlichkeit wahrgenommen, wenn auch nicht immer ohne Spott und Hohn, aber immerhin.

In diesen Wochen und Tagen müssen Superintendent Kritzokat und die Pastoren mehr den je zuvor Interviews geben. Und sie stoßen dabei auf Journalistinnen und Journalisten, die nachfragen, bei denen die Vorurteile weniger und die Neugier stärker geworden sind. Die wissen wollen, »wie war es wirklich», und dann nicht glauben können, was sie zu hören bekommen. Peter Kritzokat: »Denen gehen die Augen auf, viele können sich nicht vorstellen, was hier passiert.» Die Pastoren waren Augenzeugen, waren an den Transporttagen dort, wo oft auch keine Presse mehr war. Und sie berichten vom Alltag in den Tagen davor: Von Hubschraubern, die über Beerdigungen kreisen, von Bewegungsverboten. Kritzokat kennt viele solcher konkreten Beispiele.

Ihm machen die Gespräche, das Austauschen von Meinungen und die Auseinandersetzung mit der Außensicht der ihn Interviewenden Spaß. Mit dem FAZ-Spott über die »Castor-Festspiele» kann er leben: »Ja klar, Festspiele mit einer fairen Dramaturgie, wo jeder seine Rolle kennt und niemand aus der Rolle fällt, wie etwa die Berliner Polizisten vor vier Jahren.»

Er spürt Erstaunen, dass Kirche sich so einsetzt, und lässt sich - ungeachtet der Position der Kirche zum Thema Atomenergie allgemein - nicht als Gegner der Polizei festlegen. Schließlich habe man sich oft genug auch für von Demonstranten bedrängte Polizisten eingesetzt. Wenn Kritzokat dann seinerseits fragt, warum keine friedlichen Bilder, sondern überwiegend »Chaosbilder» über die Sender gehen, sind die Antwort »meist fragende Augen» seiner Gesprächspartner. Doch die Hoffnung, dass etwas hängenbleibt und viele Medienvertreter diesmal differenzierter hinschauen als bisher, mag er nicht aufgeben.

 

Bearbeitet am: 24.03.2001/ad


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