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vom 28.03.2001

Polizei schlitzt Säcke auf

Splietau: Blockade mit Knuffen und Gesang

jg Splietau. Alle Wege, Straßen und Schleichpfade sind dicht. Niemand kommt hinein nach Splietau, schon von weitem signalisieren Blaulichter am Montagabend: Das Dorf ist abgeschottet.

Dort, wo 1997 Atomkraftgegner kurz vor dem Castor-Transport die Straße unterhöhlten, dort, wo Polizeibeamte beim selben Anlass Treckerreifen zerstörten, dort schien - wie bereits kurz berichtet - eine Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und Polizei bevorzustehen, rollten zwei Wasserwerfer immer dichter auf die Schar der Protestierenden zu. Doch die Strahlrohre der grünen Ungetüme schwenken nur bedrohlich hin und her, scheinen zu zielen auf die ungefähr 1000-köpfige Menge der Demonstranten, bleiben aber ohne Druck, niemand wird nassgespritzt an diesem so kalten Abend. Anlass für den Aufmarsch der Wasserwerfer und zahlreicher Polizeibeamter ist eine Blockade auf der Landesstraße. Atomkraftgegnerinnen und -gegner haben sie dichtgemacht, haben sich quergestellt, und eine kleine Gruppe recht junger Anti-Castor- Protestierer hat sich mitten auf der Fahrbahn auf einem rasch zurecht gestellten Strohlager niedergelassen.

Ganz in der Nähe warten Trecker, werden nicht durchgelassen mit ihren Anhängern, auf denen jene Sandsäcke lagen, die Widerständler vor kurzem mit Sand befüllt hatten. Gegen 19.30 Uhr die erste Aufforderung der Polizei, ganz vorschriftsgemäß. Die Menschen auf der Straße nehmen an einer nicht genehmigten Versammlung teil, erfährt die Menge. Sie soll sich wegbewegen. In Richtung Feld, in Richtung »Bauer H.». Jeder weiß: »H.» ist August Harms, der Landwirt, auf dessen Hof die Sandsackaktion stattgefunden hatte. Doch niemand bewegt sich dort hin. Man bleibt sitzen, stehen, singt, skandiert die bekannten Sprüche: Ätzendes in Richtung Polizei, mutmachende Lieder, wie sie schon die allerersten AKW-Gegner im Wendland sangen.

Schließlich rollen die Trecker dann doch. Ruck, zuck laden Demonstranten Sandsäcke ab, werfen sie auf die Straße. Dann rückt die Polizei vor, rangelt, drängelt, knufft, bufft - einfache körperliche Gewalt heißt das. Immer weiter werden die Protestierer abgedrängt - gegen 22 Uhr werden es immer weniger. Polizisten schlitzen die Säcke auf, lassen den Sand an den Straßenrand rieseln. Die Blockade ist vorbei.

Bearbeitet am: 28.03.2001/ad


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