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vom 28.03.2001
 

 Widerstand nicht kriminalisieren

Landesbischöfin fordert glaubwürdigere Signale für Atomausstieg

 

    by Dannenberg. »Der Widerstand wird nicht nachlassen» - der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann ist dies nach ihren Gesprächen mit Atomkraftgegnern, Polizisten und Pastoren gestern Vormittag in Dannenberg deutlicher denn je geworden. Bei einer Pressekonferenz am Nachmittag in forderte sie von der Politik und der Energiewirtschaft »dringend glaubwürdigere Signale» in Richtung Ausstieg aus der Atomenergie.

Der Atomkonsens habe viel zu lange Zeiträume im Blick, vielleicht motiviere dieser Transport mit seinen Auseinandersetzungen dazu, den Ausstieg zu beschleunigen und in regenerative Energie mehr als bislang zu investieren.

Käßmann selbst hält es aus Glaubensüberzeugung für dringend erforderlich, vom Weg der Atomenergie abzukehren. »Die Bewahrung der Schöpfung ist uns biblisch aufgegeben», sagte sie. Es wäre daher unverantwortlich, weiter in eine Energie zu investieren, die nicht fehlerfreundlich sei in dem Sinne, dass Menschen immer wieder Fehler machen und solche Fehler im Bereich der Atomenergie Leben zerstörende Folgen haben können. Den Angst und den Zorn der Bürgerinnen und Bürger des Landkreises könne sie nachempfinden, sagte Käßmann. Ebenso ihre Verbitterung, Enttäuschung und Ohnmacht, dass Argumente scheinbar nicht gehört werden und jeder CastorTransport weitere Fakten schaffe. Der Widerstand »ganz normaler Christinnen und Christen» dürfe nicht kriminalisiert werden, auch wenn einige Gewalttäter anreisten. Auch Fußballfans würden nicht dadurch kriminell, dass einige Chaoten die Stadien zur Kampfsportarena machten, sagte die Landesbischöfin. Verständnis äußerte sie auch für die schwierige Situation der Polizei. Die Beamtinnen und Beamten würden beschimpft für politische Beschlüsse, die sie umzusetzen, aber nicht zu verantworten hätten. Gemeinsam sei den Demonstranten wie auch der Polizei die Angst vor Gewalt -die allerdings von jeder Seite sehr unterschiedlich wahrgenommen werden, wie Käßmann in den Gesprächen deutlich wurde. Bei einem Gottesdienst in der Dannenberg St.-Johannis-Kirche am späten Nachmittag rief sie zu Gewaltfreiheit während der Proteste auf und erinnerte an das biblische Gebot der Feindesliebe.

Die Kirche werde sich weiterhin entschieden dafür einsetzen, dass Konflikte gewaltfrei ausgetragen werden, sicherte die Bischöfin zu. Dass die Pastorinnen und Pastoren in den beiden Kirchenkreisen immer wieder die verschiedenen Parteien an einen Tisch geholt hätten, dafür sei sie ihnen »ganz ausdrücklich dankbar».

Sie halte es auch für richtig, dass die Kirchen geöffnet wurden, um Atomkraftgegnern Übernachtungsmöglichkeiten anzubieten. »Auch wer inhaltlich nicht mit den Demonstrierenden übereinstimmt, wird einsehen, dass sie nicht bei Schnee und Frost im Freien campieren können.» Zudem schüre eine Strategie der Zermürbung eher Wut, versprengte Gruppen seien weniger berechenbar und einschätzbar.

Am Nachmittag blieb der Bischöfin dann noch Zeit für einen kurzen Abstecher zur Gefangensammelstelle - kurz Gesa - in Neu Tramm. Dort informierte der leitende Polizeibeamte Gerd Schomburg, dass die Gesa bis zu 300 Personen aufnehmen könne, und schilderte die Arbeit. Dank eines leistungsfähigen Computersystems könnten bis zu 150 Personen pro Stunden durch die Gesa geschleust werden, »früher dauerte das drei bis vier Mal so lange». Die Gefangenen würden »mindestens genauso wie unsere Kollegen behandelt». Ins Mikrophon des evangelischenRundfunks sprach Käßmann von einem »unvorstellbaren juristischen Aufwand». Sie habe aber den Eindruck, das die Behandlung der Gefangenen »geordnet und ruhig» verlaufe.

Bild: In einer Reithalle hatte diese Demonstranten geschlafen, mit denen die hannoversche Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann vor der Dannenberger St. Johannis-Kirche sprach - auch zuliebe der anwesenden Fotografen.

Bearbeitet am: 28.03.2001/ad


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