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vom 28.03.2001
 

 »Geht mit Mut und Frieden»

Unzählige Castor-Gegner bevölkerten den Dannenberger Marktplatz 

jg Dannenberg. Als Pastor Rolf Adler gestern Abend auf den Dannenberger Marktplatz feststellte, der vagabundierende Tod werde ins Kreisgebiet tranportiert, da gellten die Trillerpfeifen der Atomkraftgegnerinnen und -gegner besonders laut als Zeichen der Zustimmung. Noch war er nicht angekommen, der Behälter, dem der Protest der Menge galt - der Castor, dessen Begleiterscheinungen nach Ansicht des Lüchower Geistlichen eines besonders dokumentiert habe: »Der Atomstaat ist Realität».

Zu verdanken sei diese Realitätden »vagen und völlig unzureichenden Ausstiegsphantasien», die von Rotgrün zur »politischen Großtat» erklärt worden seien.

Es sei damit zu rechnen, warnte der Pastor, dass die Nachkommen der derzeitigen Generation eines Tages angesichts böser Folgen der Atomkraft fragen, »welcher Teufel uns geritten hat, unseren Kindern diese heiße Last ins Leben zu spucken». Solange die Castoren aus den Kernkraftwerken nur deshalb abtranportiert würden, um neuen Castoren für neuen Atommüll Platz zu machen, »so lange werden hier keine Castoren abgenommen», betonte Adler aus Lüchow-Dannenberger Atomkraftgegner-Sicht. Der Atommüll solle sich in den Atomkraftwerkern »bis zur Decke stapeln, bis den Betreibern der Arsch brennt und sie merken, was sie für Bockmist bauen», rief der Pastor den Versammelten zu. Zum polizeilichen Großeinsatz fragte Adler: Wie sollen Beamte und Beamtinnen für Deeskalation zugänglich sein, wenn sie tagelang in schlechten, schimmeligen Unterkünften untergebracht seien, wo sie nur kalt duschen könnten? An die Polizeikräfte richtete der Redner den Appell, menschlich mit den ihnen gegenüber stehenden Menschen umzugehen: »Das Maß der Schmerzen bestimmt ihr ganz allein - und nicht euer Vorgesetzter», gab Rolf Adler den Einsatzkräften mit auf den Weg, und an die Atomkraftgegner appellierte er am Tag vor dem Weg des Castors durchs Kreisgebiet: »Geht mit viel Mut - aber geht auch mit Frieden im Herzen!»

Eindrücke junger Menschen von den Tagen vor dem Castor brachte Willi Andrick zu Gehör. Der Schülersprecher des Lüchower Gymnasiums klagte beispielsweise über das Verhalten von Autofahrern, die bei Demonstrationen acht- und rücksichtlos an deren Teilnehmern vorbeibrausen und erinnerte in diesem Zusammenhang an die Frau, die am Sonntag in Dannenberg von einem Neonazi überfahren und schwer verletzt worden war. Ein lautes vielstimmiges »Nazis raus» auf dem Marktplatz quittierte die Erwähnung jenes Vorfalls. Bedauern äußerte der Schülersprecher auch über das Verhalten von Polizeibeamten. Er berichtete unter anderem von einem BGS-Fahrzeug, an dessen Fenster von innen ein Schild gepappt habe »Keiner mag uns - aber das ist uns scheißegal».

Mit Kritik an der Polizei begann auch Edelgard Gräfer ihre Ausführungen. Die Vorsitzende der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg freute sich über die rege Beteiligung an der gestrigen Demonstration auf dem Markt, aber sie wußte zu berichten: Viele Menschen, die zur dieser Demo gewollt hätten, seien durch Polizeisperren und -kontrollen unterwegs behindert und aufgehalten worden.

Die ursprünglich für Demonstranten herangeschafften Gewahrsam-Käfige seien zwar wieder forgeschafft worden, dafür aber habe die Polzei aus Lüchow-Dannenberg einen einzigen großen Käfig gemacht. »Das macht uns zornig», unterstrich Eldelgard Gräfer. Schuld an alledem seien die Schröders, Fischers, Schilys und Trittins. Diesen Leute müsse bewusst gemacht werden: Auf dem Marktplatz und anderswo an den Castor-Tagen stünden keine Straftäter, sondern: »Hier steht die lebendige Demokratie». Demokratie und Atomkraft aber - so Edeltraud Gräfer - schlössen sich aus.

Bearbeitet am: 28.03.2001/ad


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