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vom 29.03.2001

Entsorgungsfrage für Atommüll nicht nur inDeutschland ungelöst

Gorleben (dpa) - In Deutschland werden seit 1968 Atomkraftwerke betrieben. Das Problem, wo der von ihnen produzierte strahlende Müll bleiben soll, ist mehr als drei Jahrzehnte später noch immer ungelöst. Die Entsorgungsfrage ist auch in anderen Industriestaaten offen.

USA:

In den Vereinigten Staaten gibt es bislang kein Atomendlager. Die verbrauchten Brennelemente werden zumeist auf dem Gelände der 103 Atomkraftwerke zwischengelagert. Große Atommülltransporte gibt es daher nicht. Langsam geht den Betreibern jedoch der Platz aus. Seit mehreren Jahren plant die US-Regierung daher den Bau eines Endlagers in der Wüste des Bundesstaates Nevada. Es wird nach Angaben der Nuclear Regulatory Commission aber voraussichtlich erst nach 2010 verfügbar sein. Auch in den USA gab es Proteste der Bevölkerung gegen die Atomindustrie. Sie nahmen nach dem Unfall in einem Kraftwerk in Pennsylvania 1979 zu. In den USA werden rund 20 Prozent des Stroms aus Kernenergie gewonnen.

JAPAN:

Japan verfügt bislang noch nicht einmal über konkrete Pläne für ein nukleares Endlager. Abgebrannte Brennelemente werden zur Wiederaufarbeitung nach Frankreich und Großbritannien gebracht. Der dabei anfallende strahlende Müll wird in Rokkasho in der Provinz Aomori zwischengelagert. Dort ist auch eine Wiederaufarbeitungsanlage im Bau, die nach Angaben der Energiebehörde Mitte 2005 in Betrieb gehen soll. Das rohstoffarme Japan hält trotz mehrerer Atomunfälle weiter am Ausbau der Kernenergie fest. Sie deckt bereits mehr als ein Drittel des Strombedarfes. Nach dem bisher schwersten Unfall 1999 wuchs der Widerstand in der Bevölkerung. Von einer Umweltbewegung wie in Europa kann in Japan jedoch nicht die Rede sein. Eine grüne Partei gibt es nicht.

RUSSLAND:

Russland entsorgt seinen Atommüll im Chemiekombinat Majak in Tscheljabinsk im Uralgebiet. Eine große Endlagerstätte gibt es zudem im sibirischen Kombinat Krasnojarsk 26. Die Kernenergie hatte 2000 einen Anteil von knapp 15 Prozent an der landesweiten Stromerzeugung. Zehn Atomkraftwerke mit 30 Reaktoren haben eine Gesamtleistung von mehr als 22 000 Megawatt. Russland will künftig auch dem Ausland die Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente anbieten. Gegen dieses Vorhaben gibt es aber in der Bevölkerung und bei Umweltorganisationen Widerstand. Das Atomministerium geht jedoch davon aus, dass das entsprechende Gesetz das Parlament passieren wird.

FRANKREICH:

Frankreich produzierten mit seinen 57 Atomkraftwerken 80 Prozent seines Strombedarfs. Es liegt damit weltweit auf Platz eins bei der Nutzung der Atomenergie. Ein Endlager für hochradioaktiven Abfall existiert nicht. Hierfür soll das französische Parlament 2006 eine Lösung finden. Alle Brennelemente werden in der Atomfabrik La Hague in der Bretagne wiederaufgearbeitet. Die dabei anfallenden hochradioaktiven Glaskokillen werden dort auch zwischengelagert. Ein zweites Zwischenlager gibt es beim Atomkraftwerk Marcoule bei Nimes in Südfrankreich. Die Atomenergie wurde lange von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen. Seit der Regierungsbeteiligung der Grünen im Jahr 1997 werden aber Fragen zur Zukunft und Sicherheit der Kernenergie lauter.

GROSSBRITANNIEN:

Auch in Großbritannien ist die Endlagerfrage ungelöst. Gegen Ende der Regierung von John Major vor vier Jahren wurde zwar eine Machbarkeitsstudie für ein Endlager in der Grafschaft Cumbria in Auftrag gegeben. Das Projekt wurde aber nie gebilligt. Die Labour- Regierung von Tony Blair hat es nicht wieder aufgegriffen. Das zu 100 Prozent staatliche Unternehmen British Nuclear Fuels (BNFL) betreibt sowohl die 19 Atomkraftwerke mit ihren 41 Reaktoren - sie decken etwa 25 Prozent des Strombedarfs - wie auch die Atomfabrik in Sellafield, wo die Brennelemente wiederaufgearbeitet werden. Dort und im schottischen Dounreay lagert auch der hierbei anfallende Atommüll. Gegen die Sicherheitsmängel und die Umweltverschmutzung in Sellafield läuft die Bevölkerung immer wieder Sturm.

Bearbeitet am: 29.03.2001/ad


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