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vom 29.03.2001

Mutter brachte angeketteter Tochter Tee

Aktivistin kam aus Hitzacker

jg Hitzacker. »Es war anstrengend für sie, aber es geht ihr gut,- sie ist jetzt im Krankenhaus, aber nur zur Beobachtung, sie ist nicht verletzt»: »Sie» - das ist die 16-Jährige, die sich zusammen mit drei weiteren Castor-Gegnernn an der Eisenbahnstrecke bei Süschendorf an das Gleisbett angekettet hatte, um den Atommüllzug zu blockieren.

»Sie» - das ist eine Schülerin aus Hitzacker. Und die erfreuliche Auskunft über ihren Gesundheitszustand bekam die EJZ gestern Abend von der Mutter des Mädchens. Weniger erfreulich ist die Familie der jungen Atomkraftgegnerin über das Verhalten mancherMedien: Bis ins Krankenhaus hinein ist ein Rundfunkteam der Schülerin gefolgt, und irgendein Sender verbreitete gestern die schlimme Nachricht: Der 16-Jährigen müsse vermutlich als Folge des langen Ankettens in der grimmigen Kälte ein Arm amputiert werden.

»Alles quatsch», schimpft die Mutter, die - ebenso wie der Vaterdes Mädchens - während der vielstündigen Aktion ganz nah bei ihrer Tochter und den drei anderen Castor-Gegnern war, Tee brachte, für wärmende Decken sorgte - gewiß wohl auch für aufmunternden Zuspruch. Denn die Lage der vier Protestierer - darunter zwei weitere Lüchow-Dannenberger und ein auswärtiger Robin-Wood-Aktivist - war alles andere als angenehm. Gekommen waren die vier Menschen in diese Lage allerdings nicht so, wie es vielfach berichtet wurde.

Richtig ist, so betont die Umweltschutz-Organisation Robin Wood, dass sich die vier Atomkraftgegner am Dienstag gegen 22 Uhr bei Süschendorf an einen Betonblock fest geketten hatten, der schon im Gleisbett lag. Die Meldung, die vier Leute hätten sich selbst einbetoniert, ist dagegen falsch. »Der Betonblock war schon da, wir haben einen entsprechenden Tipp bekommen und haben das Ding für die Aktion genutzt», erläutert Jürgen Sattari, Vorstandssprecher von Robin Wood.

Im Beton, so erklärt er weiter, waren Rohre eingelassen, in welche die Aktivisten ihre Arme steckten. Innerhalb der Rohrewaren die Arme mit Ketten und Schlössern festgemacht, die sich nicht mehr öffnen ließen. Gestern gegen 14 Uhr war der letzte der vier Angeketteten vom Gleis befreit - eine Spezialeinheit des BGS mit schwerem Baugerät war mit dabei, berichtet die Polizei. Robin-Wood-Sprecher Sattari lobte ausdrücklich das besonnene Vorgehen der Polizeibeamten, die sich stundenlang bemühten, die Protestierer vom Gleis zu lösen. »Die Polizei hat sich vorbildlich verhalten, Polizeibeamte versorgten die Angeketteten sogar mit Heizstrahlern, Decken und Tee», berichtet Sattari

Bearbeitet am: 29.03.2001/ad


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