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vom 29.03.2001

Niedersachsens Innenminister Heiner Bartling gestern in Lüchow

gel Lüchow. Der Castor-Transport rolle erst dann weiter, wenn die Strecke wieder »clean» ist. Das sagte der Castor-Einsatzleiter Hans Reime gestern bei einer Pressekonferenz in der Lüchower Polizeiunterkunft, an der auch Niedersachsens Innenminister Heiner Bartling (SPD) teilnahm.

Fast zur selben Zeit, zu der Reime über eine »cleane» Strecke sprach, setzte sich der Transport in Süschendorf wieder in Bewegung.

Gekommen waren der Innenminister, der Castor-Einsatzleiter und die Regierungspräsidentin Ulrike Wolff-Gebhardt vor allem wegen der aktuellen Verzögerungen des Transports und der Ereignisse am Vorabend in Dannenberg. Die Art der Gewalt vom Dienstag sei »fast unerträglich», sagte Bartling. Er stellte vor allem zweierlei heraus: dass er symbolisch den Schulterschluss suche mit den Polizisten, die großen Belastungen ausgesetzt seien, und dass die Polizei in Lüchow-Dannenberg sei, um Recht durchzusetzen. Eingriffe in den Schienenverkehr stellte er als »schwere Straftaten mit ungeheurer Kriminalität» heraus.

»Wir sind nicht an 1000 Autonomen, sondern an fünf fanatischen Robin-Wood-Mitgliedern gescheitert», musste Reime zugeben. Er schilderte die komplizierte Situation im Gleisbett. Die Vorrichtung sei von langer Hand vorbereitet gewesen, schilderte Reime und verwies auf ein kompliziertes Röhren-system, das es schwer mache, die Demonstranten von den Gleisen zu lösen. Reime: »Ich kann denen doch nicht die Arme abschneiden». Über den Zeithorizont mochte sich der oberste Castor-Polizist nicht äußern: »Wir haben noch zehn Tage Zeit». Sehr wohl zeichnete sich ab, dass die Polizei den Sixpack doch noch gestern Abend gerne in die Verladestation Dannenberg bringen wollte, um dann möglichst am Donnerstag den Endspurt auf der Straße zurück-zulegen.

Hans Reime hat den Eindruck, dass die Umweltschutz-Organisationen Greenpeace und Robin Wood bei ihren getrennten Aktionen schon Hand in Hand arbeiten. Während die Polizei an der Eisenbahnbrücke in Seerau bei der Greenpeace-Aktion in Atem gehalten wurde, begannen die Robin-Wood-Leute mit ihrer Gleisaktion.

Hans Reime bilanzierte für den bisherigen Castor-Einsatz insgesamt bisher 576 Ingewahrsamnahmen und 110 Festnahmen. 70 Strafverfahren seien eingeleitet worden.

Innenminister Bartling wiederholte gestern in Lüchow seine Ansicht, dass die Polizei nicht in der Lage sei, einen zweiten Castor-Transport in diesem Jahr nach Gorleben zu begleiten. Wenn das Bundesamt für Strahlenschutz allerdings einen weiteren Transport genehmige, werde man um einen weiteren Einsatz nicht herumkommen. Nach Polizeischätzungen waren am Dienstag etwa 6000 De-monstranten gegen den Castor auf den Straßen und Schienen: 1000 bei Wendisch Evern und 5000 abends in Dannenberg - darunter etwa zehn Prozent Autonome, schätzt Reime.

Bild: Nachdenkliche Gesichter nach den Ereignissen am Dienstag: Castor-Gesamteinsatzleiter Hans Reime (links) und Niedersachsens Innenminister Heiner Bartling (SPD). Der sprach von einer "fast unerträglichen Art der Gewalt" bei den Ausschreitungen in Dannenberg.

Bearbeitet am: 29.03.2001/ad


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