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vom 29.03.2001

Gorleben vereinnahmt Wolfgang Ehmke schon seit der Kindheit

Gorleben (dpa) - Gorleben ist für den Wendländer Wolfgang Ehmke die Erinnerung an eine Idylle und die Gegenwart eines Albtraumes zugleich.

Der 53 Jahre alte Oberstudienrat verbrachte viele Stunden seiner Kindheit bei den Großeltern in dem kleinen Elbedorf. Als es vor 25 Jahren zu Deutschlands größtem Atommüllstandort erkoren wurde, stand er in vorderster Reihe der Bürgerinitiative Umweltschutz. Diesen Platz hat der Vater einer 17-jährigen Tochter bis heute nicht verlassen.

Der Enkel eines Gorlebener Dorfschullehrers gilt als der Vordenker und Frontmann der Anti-Atom-Bewegung im Wendland schlechthin. «Bei uns waren zeitweise vier Generationen im Widerstand», sagt der hagere Pauker. Das unablässige Engagement gegen die Atomkraft, juristische Siege und Niederlagen, die Rolle als Reizfigur manchmal zwischen allen Fronten haben Ehmke geprägt. «Viel Zeit für Privates ist leider nicht geblieben», stellt er wehmütig fest. Im Moment steht er vor dem Ende seiner Ehe: «Du bist doch nur mit deiner Bürgerinitiative verheiratet», sagte ihm seine Frau.

Ausgerechnet die alte Gorlebener Dorfschule, in der Ehmke als Kind Ostereier suchte und spielte, ist seit Jahren das Informationshaus der Atomwirtschaft. «Aber es gibt noch etwas anderes als den Kampf gegen Castor. Zum Beispiel den Kampf gegen die Quecke in meinem Garten.» Auch für Paddeltouren, Kino und Theatermachen mit Schülern muss Zeit sein. Am Ende seines Berufslebens würde er gern im Ausland unterrichten, vielleicht in der Ukraine wegen der freundlichen Menschen dort. «Tot bin ich erst, wenn ich mich über nichts mehr wundern kann.»

Bearbeitet am: 29.03.2001/ad


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