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vom 30.03.2001

Freundlichkeit zeigen

90 Pastoren vermittelten im Castor-Einsatz

pw Gorleben. »Konfliktlotsen» wurden sie von der Polizei
genannt, die Kirche hatte den Begriff »Mediatoren» vorgeschlagen: Die 90 Pastoren, die während der vergangenen Tage zwischen Kernkraftgegnern und Polizeikräften zu vermitteln versuchten. Sie alle hatten sich ausführlich auf ihren Einsatz vorbereitet.

So auch Thomas Anselm Müller aus Küsten und Udo Engel aus Wustrow, die immer wieder an verschiedenen Stellen der Castorstrecke das Gespräch mit Polizisten und Demonstranten suchten. Kurz nachdem der Castor in das Zwischenlager eingefahren ist, ziehen sie eine ersteBilanz: »Sicherlich haben wir nicht in der ersten Reihe friedensengelsgleich mit den Flügeln geschlagen, das wäre auch gar nicht gegangen», sagt Pastor Engel. Andererseits habe er oft erlebt, dass sich Menschen über die Anwesenheit eines Pastors freuten. »Wir haben versucht Freundlichkeit zu zeigen und die Würde des jeweils anderen zu achten», beschreibt Thomas Anselm Müller den Einsatz.

Die Aktion zeige, wie die Kirche sich in Zukunft engagieren könne. Viel wichtiger sei jedoch die Öffnung der Kirchen und Gemeinderäume für Demonstranten gewesen. Als Passierschein in sonst abgeriegelte Gebiete hat sich der von Polizeichef Reime ausgestellte Pass erwiesen: »Er hat mich persönlich weitergebracht, aber es kann eigentlich nicht sein, dass der Pass von der Polizei ausgestellt wird; das verunsichert viele Demonstranten», hat Pastor Müller erfahren. Er hätte den Pass am liebsten vom Ordnungsamt des Landkreises bekommen. So habe er vor allem mit Polizisten und Beamten vom Bundesgrenzschutz (BGS) »ein paar ganz gute Gespräche» führen können. Wie mit dem BGSler, der auf den Gleisen bei Seerau glücklich war, auf einen Pastor zu treffen. Konnte er dem doch erklären, womit er den auch für ihn problematischen Einsatz rechtfertigt: »Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat.» Ein umstrittener Satz aus Römer 13, aus dem der Beamte auf den Gleisen jedoch seine Legitimation zieht. Immer wieder wird deutlich, dass viele Beamten dem Castor kritisch gegenüber stehen.

Es gibt aber auch die, die »denen, die das hier durchziehen» voll und ganz vertrauen. Wenn die Diskussionen hitziger werden, greifen die Pastoren vermittelnd ein. Oft beobachten sie auch nur, fragen etwa nach Schienenräumungen, ob alles in Ordnung ist. Schwierig ist das richtige Timing. Als die Pastoren am Mittwochmorgen um sieben Uhr am Verladekran eintreffen, liegt der, abgesehen von Polizisten und Journalisten, verwaist da - ein Ergebnis der spektakulären Robin Wood-Aktion. Am Donnerstag zur selben Zeit sehen die Pastoren nur noch die Castoren auf der Straße in Richtung Gorleben verschwinden. Viele versprengte Demonstranten laufen umher; sie wissen, dass sie den Transport nicht mehr aufhalten können. Die meisten beobachten wortlos -wie die drei Pastoren- den unaufhaltbaren Zug der Castoren.

Bearbeitet am: 30.03.2001/ad


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