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vom 30.03.2001

Wasserwerfer behinderten Castor-Lkw

Polizei ließ keine Demonstranten an die Transportstrecke

as Gorleben. »Applaus, Applaus, Applaus», hallte es über den Äther, als der Polizeieinsatzleiter um 8.10 Uhr seinen unterstellten Kräften mitteilte: »Alle Castoren sind im Zwischenlager!» Aus seiner Stimme klang spürbar Erleichterung.

Allerdings war die Anspannung bei den leitenden Beamten von Polizei und Bundesgrenzschutz schon frühzeitig abgeflacht. Denn es war »keinen Störern» gelungen, auch nur in die unmittelbare Nähe des rund 200 m langen Transportzuges zu kommen.

Der Reihe nach. Um 6.41 Uhr rollte der erste der sechs Transportzüge aus dem Gelände der Umladestation in Dannenberg. Zwei Minuten später - die ersten waren schon auf die B 191 Richtung Quickborn eingebogen, durchfuhr der letzte der sechs mit den Castor-Behältern beladene Tieflader das Tor. »Ab jetzt zählt die Zeit», scherzte ein Polizist. Doch schon am Seybruch beklagte ein Beamter, dass noch zuviele Polizeiwagen auf der Transportstrecke stehen und den Castor-Transport behindern - Störer aus den eigenen Reihen. Um 6.46 Uhr rollten dann der komplette Atommüll-Konvoi auf der B 191.

Erst zu dieser Zeit waren rund 200 Atomkraft-Gegner, die sich in Splietau getroffen hatten, auf den plötzlichen Start der Transportfahrzeuge aufmerksam geworden, zu spät, um noch in die Nähe der Nordroute zu gelangen. Die Polizei hatte zudem den Zugang hermetisch abgeriegelt.

Während die Spitze des Zuges gegen 7 Uhr Quickborn passierte, entwickelte sich ein regelrechter grün-weißer Lindwurm, denn mehrere Polizei-Abteilungen schlossen sich den Castor-Tiefladern an.

Im Vergleich zu vorangegangenen Atommüll-Transporten gings im Eiltempo um 7.15 Uhr durch Langendorf und 7.35 Uhr durch Grippel, Pretzetze und Laase. Dort hatten sich nach Schätzung der Polizei rund 500 Demonstranten versammelt. Doch auch ihnen gelang es nicht, in die Nähe der Transportstrecke zu kommen. »Keine Störer, das war ne tolle Leistung», lobte ein Hundertschaftsführer seine Beamten.

Auf der langen Waldstrecke zwischen Laase und Gorleben sollten die Lkw richtig Fahrt aufnehmen. Doch das klappte erst mit Verzögerung: Zwei Wasserwerfer aus Erfurt behinderten den Zug und lösten bei den Verantwortlichen Ärger aus. Doch der verflog schnell.

Auch als der Leitstelle gemeldet wurde, dass sich in Gedelitz rund 80 Fahrzeuge mit »Autonomen» gesammelt hatten, kam keine Hektik mehr auf. Ordnungshüter, die noch per Hubschrauber herangeflogen wurden, brauchten nicht einzugreifen. »Hier sind so viele Kräfte, da kann nichts mehr schiefgehen», meldete ein Hundertschaftsführer.

Zur selben Zeit passierte der Castor-Transport das Gorlebener Ortsschild und bog um 8 Uhr auf die letzte 700 Meter lange Gerade Richtung »ZL» - sprich Zwischenlager - auf die Kreisstraße 2 ein. Vorweg fuhr ein technischer Zug mit je zwei Räumpanzern und Wasserwerfern. Auf dieser Strecke hatten die Behelmten ein regelrechtes Spalier gebildet, unmittelbar in Höhe des Eingangs zum Atommüll-Zwischenlager sogar in Dreierreihen. »Das einzige, was uns jetzt noch aufhalten kann, wäre ein Verkehrsunfall der hessischen Kräfte», scherzte ein Beamter.

Und weniger später hieß es zufrieden: »War das ne Meisterleistung?»

Bearbeitet am: 30.03.2001/ad


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