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vom 31.03.2001

Steine aus Radweg gewühlt

Nach Castor: Mauer kaputt, Dosen im Garten und eine allerletzte Rangelei

jg Dannenberg. Heute wird das Stroh, das auf der Esso-Wiese in Dannenberg vom Demonstranten-Lager übrig geblieben ist, aufgebrannt. Ganz offiziell, mit Genehmigung, auf dem Osterfeuerplatz.

Am Ortseingang von Splietau verspricht noch ein großes Schild »Suppe», die vor einer Woche bei der Stunkparade ausgeschenkt wur-de, und irgendwo pappt ein Zettel, der zu einer längst gewesenen Pressekonferenz einlädt.

Reste der Castortage. Reste, die vom vorübergehenden Aufenthalt vieler Menschen in einem sonst recht ruhigen Landstrich kündeten, piekten Mitarbeiter der Straßenbauverwaltung gestern beispielsweise am Rand der Landesstraße 256 auf: Papier, Schachteln, Überbleibsel turbulenter Tage. Nicht überall werden solche »Erinnerungen» mit Gleichmut hingenommen. In der Bahnhofsstraße etwa zählt ein Bürger zehn leere Bierdosen in seinem Vorgarten und weiß: »Bei den Nachbarn siehts teilweise noch viel schlimmer aus».

Zum Beispiel bei jenem Anlieger - wie zu hören war, ein Atomkraftgegner -, dessen hübsche, bewachsene Trockenmauer einer Gruppe Demonstranten zum Opfer fiel. Sie brachen die Steine aus, türmten sie inmitten der Straße auf - zur Barrikade gegen Polizeiautos. Übles weiß die Samtgemeindeverwaltung vom Besenberg zu berichten: Dort wühlten Chaoten Pflastersteine aus einem Radweg und nahmen sie mit. »Wohl als Wurfgeschosse», vermutet ein Behördenmann. Mitarbeiter des Bauhofes den Schaden beseitigt, der Weg ist wieder befahrbar. Hier und da wurden Verkehrsschilder umgeknickt, bemalt dagegen wurden nur wenige.

In puncto Schilder ist der Schaden weitaus geringer als 1997, teilte die Samtgemeinde mit. Die Notquartiere, die Protestierer an den Castor-Tage nutzen, sind mittlerweile geräumt. Nicht überall, so war zu hören, sind jene Unterkünfte so blitzsauber hinterlassen worden wie in der Gusborner Schule. Dort haben die jungen Leute die Räumlichkeiten so blank geschrubbt und gewienert, wie es eine Putzkolonne kaum besser hätte machen können. Sogar der Hausmeister soll sehr angetan gewesen sein über das Saubermachen der Besetzer. In der Dannenberger Mehrzweckhalle gibt es hier und da noch ein paar Spuren der jungen Besetzer. Sie sollen sich zwar bemüht haben, die Behausung so sauber wie möglich herzurichten - doch hält der Landkreis darüber hinaus eine professionelle Grundreinigung des Gebäudes für nötig, hieß es gestern.

Auch eine allerletzte Rangelei nach dem Castor-Transport wurde noch gemeldet: Als die Behälter schon im Zwischenlager waren, sah sich eine Demonstrantenschar gemüßigt, die Straße zu blockieren. Zu behindern gabs nichts mehr, also schien der Aufzug nur noch dazu zu dienen, die Polizei zu ärgern. Diese versuchte es anfangs mit freundlichem zureden, später dann eskalierte das Ganze; Schlagstöcke sollen gezückt worden sein. Vorbei.

Bearbeitet am: 31.03.2001/ad


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