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vom 29.09.2001

Vieles auf Castor-Transporte übertragbar»

Info-Abend der »Frauen/Lesben Genua Soli-Gruppe
Wendland»

pw Lensian. Als »Kriegstage in Genua» hatten italienische
Zeitungen die Tage während des Treffen der G8-Nationen im
Juli bezeichnet: Bei den
Anti-Globalisierungs-Demonstrationen wurde der 23-jährige
Carlo Guiliani von der Polizei erschossen, es gab mehrere
hundert Verletzte und Festnahmen. Noch heute sind vier
Deutsche in Haft, ein weiterer steht in Italien unter Hausarrest.

Ihnen wird Zerstörung, Plünderung und Zugehörigkeit zu einer
kriminellen Vereinigung, dem so genannten »Schwarzen Block»,
vorgeworfen; bei einer Verurteilung drohen ihnen mehrere Jahre
Haft. Weitere zehn Deutsche wurden nach mehreren Wochen Haft
entlassen; ob Anklage erhoben wird, ist noch nicht entschieden. Um
sie und weitere mögliche Angeklagte zu unterstützen, haben in den
Wochen nach dem G8-Gipfel einige Lüchow-Dannenberger Frauen
die »Frauen/Lesben Genua Soli-Gruppe Wendland» gegründet.
Anlass dazu sei unter anderem die »persönliche Freundschaft» zu
einigen Inhaftierten gewesen, sagte ein Mitglied der Soli-Gruppe.
Mit einem Informationsabend während der Frauen/LesbenKneipe im
Lensianer »Café Schwarzen Hahn» ist die Gruppe am Mittwoch
erstmals an die Öffentlichkeit getreten. Vor rund 20 anwesenden
Frauen berichteten die Mitglieder der Gruppe, dass die 15
Personen nach dem Gipfel, zum Teil außerhalb von Genua und
außerdem »sehr willkürlich» festgenommen worden seien.
Beispielsweise sei der 18-Jährige, der zur Zeit in Italien unter
Hausarrest steht, lediglich wegen seines schwarzen T-Shirts
verhaftet worden, als er in einer Telefonzelle stand. Dunkle Kleidung
zähle nämlich als eines der Accessoire des »Schwarzen Blocks»,
nach Meinung der Soli-Gruppe nichts weiter als ein »Konstrukt».
»Besonders geschockt» sei sie über Informationen gewesen, dass
die Inhaftierten in den Polizei-Kasernen geschlagen und gefoltert
worden seien.

Da keine der Anwesenden persönlich in Genua gewesen war,
konnte die Soli-Gruppe nur Berichte anderer wiedergeben. Ein vom
Berliner Produktionsstudio »Kanal B» aufgenommenes Video, das
während des G 8-Gipfels in Genua gedreht worden ist,
dokumentierte allerdings eindeutig polizei-liche Übergriffe.

Die Zuschauerinnen reagierten geschockt und sprachlos auf den
Film. Dann wurde allerdings doch noch diskutiert: Was für
Auswirkungen wohl in Deutschland zu erwarten seien. Vieles sei
auch »auf Castor-Transporte übertragbar», wie beispielsweise
Einreiseverbote oder Rasterfahndung. Die Teilnehmerinnen waren
sich einig, »offensiv» damit umzugehen. Gerade nach den
Terror-Attentaten in den USA befürchten sie, dass große Teile der
Bevölkerung Gesetzesänderungen in diese Richtung »für ganz
richtig so» halten würden. Eine Teilnehmerin meinte: »Was fehlt, ist
eine Gegenöffentlichkeit». Die soll bei einer weiteren
Informations-Veranstaltung am 16. November im »Café
Grenzbereiche» in Platenlaase gebildet werden.

Bearbeitet am: 29.09.2001/ad


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