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vom   14.08.2004


So gesehen


Wie gehabt

Von Christiane Beyer

Eigentlich alles wie gehabt in diesem fünften Pastorenbericht: Von der ersten Ausgabe an werden immer wieder Vorkommnisse benannt, "die sich beim nächsten Castor-Transport nicht wiederholen dürfen", sagt Superintendent Kritzokat. Und was passiert: Es wiederholt sich, was sich nicht wiederholen sollte.

Das einzig Neue dieser Berichte sind dann Ausreißer, wie etwa der, dass diesmal ein Pastor auf dem Pfarrgrundstück - als Seelsorger und Vermittler erkennbar - polizeiliche Gewalt körperlich zu spüren bekommt. Und nicht einmal Superintendent und Propst finden das überraschend. Schließlich werden am Rande von Castor-Transporten immer wieder Menschen gedemütigt und geschlagen.

Der Pastor, sein Kirchenvorstand und der Vorstand einer benachbarten Kirchengemeinde haben Anzeige erstattet. Und sie gehen damit den Weg, den angesichts polizeilicher Übergriff e verschiedener Art in den vergangenen Jahren auch viele geschlagene und in ihren Rechten beschnittene Demonstranten gegangen sind.

Das Ergebnis: Die juristischen Verfahren gehen im Regelfall zugunsten der Demonstranten und nicht der Ordnungsmacht aus. Dass die Polizei daraus Konsequenzen zieht, ist nicht zu erkennen. Dabei könnte die im Laufe der vergangenen Jahre ja daraus gelernt und Fingerspitzengefühl dafür entwickelt haben, wie einerseits CastorTransporte zu sichern und andererseits Demonstrationen im Sinne unserer Rechtsordnung zu schützen sind.

Doch nichts da. Da können sich auch polizeiliche Konfliktmanager und kirchliche Vermittler noch so sehr bemühen. Wenn sie auf Einheiten stoßen, die etwa nach Landesrecht ganz eigener Art ("In Bayern wird niemand weggetragen") agieren oder auch Vorbesprechungen schwänzen, die im Vorfeld des Castor-Transportes zur Information der Einheiten dienen, dann sind auch die, die auf Seiten von Kirche und Polizei vermitteln wollen, hilflos. Die Konfliktmanager der Polizei beklagen sich darüber nur hinter vorgehaltener Hand. Die Kirche will die Diskussion öffentlich führen.

Denn für die Demonstranten ist es überhaupt kein Trost, Jahre später Urteile zu bekommen, die die Polizei in ihre Schranken weist - wenn es dennoch beim nächsten Transport so weitergeht wie gehabt.

Bearbeitet am: 14.08.2004/ad


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