ejzmini.gif (1299 Byte)

vom 02.12.2009

Aufgepeppte Fiktion

Ein »Gorleben-Krimi» mit Originalszenen sorgt für Irritationen

Anmerkung der Castor-Nix-Da Redaktion

 

by Lüchow. Das Widerstanddorf 1004 ist am 4. Juni 1980 nicht geräumt worden, weil die Polizei bei Rebecca Harms Molotowcocktails fand.

02a.jpg (43169 Byte)

Bild: "Ein Dorf sieht Mord": Der mit der Gorleben-Geschichte spielende Krimi, der am Montag im ZDF lief, enthält auch dokumentarische Szenen mit Wiedererkennungswert.

Wer nach dem Krimi »Ein Dorf sieht Mord», der am Montag im ZDF lief, einen solchen Schluss zieht, liegt völlig falsch. Dass in dem Krimi die Geschichte einer fiktiven Filmfigur und die von Harms seltsam kombiniert werden, ist manch einem Betrachter am Montag seltsam aufgestoßen. Im Rückblick auf die Geschichte der Filmfigur Ute Landau werden Szenen aus dem 1980 von der Wendländischen Filmkooperative gedrehten Dokumentarfilm »Der Traum von einer Sache» über das Dorf 1004 und dessen Räumung gezeigt, vor allem Szenen mit Harms. Die ist überrascht, hat den Film gar nicht gesehen. Vor gut zwei Jahren hatte Rebecca Harms Kontakt zu den Filmemachern, die wollten mit ihr reden und auch Aufnahmen machen, schickten eine Drehbuchversion - und ließen nichts mehr von sich hören, berichtet sie. Gesehen hat den Krimi am Montag allerdings die Filmemacherin Roswitha Ziegler von der Wendländischen Filmkooperative aus Dickfeitzen -und war entsetzt.

Eine solche Kombination von Fiktion und Realität hatte sie sich nicht vorstellen können, sie sei »hanebüchen» und »furchtbar». Fiktion müsse sich nicht an Fakten halten, ist sich Ziegler bewusst, sie fragt sich allerdings, warum die Krimi-Filmer dann unbedingt die Originalszenen mit Rebecca Harms haben wollten. Ihr Erklärungsversuch: Die wollten ihrer Geschichte um die fiktive Filmfigur Ute Landau Authentizität verpassen, sie aufpeppen. Das aber findet Ziegler nicht richtig. Und: Wer sich nicht auskenne, könnte nun irrigerweise glauben, dass die Figur Landau und deren Molotowcocktails der alleinige Grund für die Räumung des Dorfes 1004 gewesen seien. Doch tatsächlich hätten Politik und Polizei keine solchen konstruierten Gründe für die Räumung des Dorfes gebracht. Ziegler: »Der Drehbuchautor hat nicht kapiert, was damals eigentlich passiert ist.»

Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Umweltschutz hat diesen »Gorleben-Krimi» mit gemischten Gefühlen gesehen. Dass sich auf diese Art und Weise das Stichwort »Gorleben» in den Köpfen der Fernsehzuschauer festsetzt, findet Ehmke durchaus gut. »Es zeigt, dass wir eine spannende Widerstandsgeschichte haben - auf einmal ist Gorleben im Film.» Und dass das ZDF auf seiner Internetseite zu Links mit weiteren Informationen zum Thema Endlagerung, Risiken, strahlendem Erbe und geschönten Gutachten verweist, verbucht Ehmke ebenfalls auf der Habenseite. Ansonsten findet er solche Spielfilme auf Gorleben-Basis »befremdlich», was daraus auch resultiere, »dass wir so nah dran sind, immer vergleichen wir Gesichter, Orte, Fakten». Die Geschichte des Films vom Montag fand Ehmke »völlig unglaubwürdig».

Wolfgang Ehmke verweist darauf, dass »der wirkliche Krimi noch läuft», der habe sich 1982/83 abgespielt, »als die Ergebnisse jener Tiefbohrungen ausgewertet und auf Weisung aus Bonn so geschönt wurden, so dass der Bau des ,Erkundungsbergwerks» beginnen konnte». Angesichts des bevorstehenden 30. Jahrestag der Räumung des Dorfes 1004 am 4. Juni 1980 plant die BI mit einer »Umzingelung der Festungsmauern des ,Erkundungsbergwerks» den anderen Krimi, den von Lug und Trug um die Machbarkeit Gorlebens, aufleben zu lassen - da gibt es noch ein paar politische Leichen im Keller».

Bearbeitet am: 02.12.2009/ad


Zurück zur Homepage