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vom 26.01.2012

Nachbereitung »überflüssig»

Keine Bürger-Schilderungen der Metzinger Castor-Krawalle im Göhrder Rat - Arbeitsgruppe für nächsten Transport

rg Göhrde. Der Rat der Gemeinde Göhrde wird sich nicht mit den Geschehnissen in Metzingen beim Castor-Transport im vergangenen November befassen. Eine Mehrheit aus UWG-, FDP- und CDU-Ratsleuten lehnte es auf der Sitzung des Gremiums am Dienstag im Naturum in Göhrde ab, sich mit den Krawallen und dem harten Polizeieinsatz auseinanderzusetzen - und sich von Einwohnern der Ortschaft ihre Erlebnisse schildern zu lassen.

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Bild: Am 24. November und am Tag darauf kam es in Metzingen zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, die rigoros durchgriff und Wasserwerfer einsetzte. Archivaufn.: R. Groß

Lediglich dem Bilden einer Arbeitsgruppe, die sich im Vorfeld des nächs- ten Atommüll-Transportes nach Gorleben mit der Polizei, der Verwaltung und möglicherweise auch mit Anti-Castor-Gruppen zusammensetzt, stimmten die UWG-, FDP- und CDU-Ratsleute zu. Für alles andere, und ganz besonders für die Nachbereitung des Transportes, sei die Samtgemeinde zuständig, betonte Rosalinde Klappstein (FDP). Eine Auseinandersetzung im Göhrder Rat sei daher »überflüssig».

Es ging heftig zu in Metzingen am Castor-Wochenende im November 2011. Schwere Zusammenstöße zwischen kompromisslos agierender Polizei und einer Horde gewaltbereiter Autonomer bestimmten den sogenannten Laternenumzug in der Göhrde-Ortschaft. Zwar machten die Steine- und Feuerwerkskörper-Werfer nur einen kleinen Teil der Demonstranten aus, die sich am Sonnabend an und auf der B 216 versammelt hatten, um gegen den Castor-Transport zu demonstrieren, aber es waren, wie so häufig, die friedlichen Demonstranten, die die volle Wucht der eingreifenden Staatsmacht abbekamen, weil sich das vermummte Volk unter die Normal-Protestierer mischte, sie als Puffer und Sichtschutz benutzte. Viele Metzinger erlebten die Geschehnisse hautnah, als Demo-Teilnehmer oder als Anwohner. Ihre Wahrnehmungen interessierten die Mitglieder der »Gruppe Göhrde», also die Ratsmitglieder von SPD, Grünen und GLW im Göhrder Gemeinderat. »Die Bürger in Metzingen hatten Angst, machten sich Sorgen, erlitten Verletzungen und Schäden - daran sollten wir als Rat Anteil nehmen, sollten zeigen, dass uns das nicht scheiß-egal ist», so Grünen-Ratsherr Karl-Otto Poripp. Doch der Antrag der »Gruppe Göhrde», die Sitzung zu unterbrechen, um die Bürger zu Wort kommen zu lassen, fand keine Mehrheit, eine Auseinandersetzung mit den Geschehnissen blieb an diesem Abend im Naturum aus.

Es habe zu dem Thema bereits »viele Artikel und Leserbriefe in der EJZ gegeben, nachzutreten hat keinen Zweck», begründete Dietmar Harlfinger (FDP) seine Ablehnung. Und Rosalinde Klappstein forderte jene Göhrder Bürger, die »etwas dazu beizutragen haben», auf, sich an die Samtgemeinde Elbtalaue zu wenden. »Die arbeitet das auf, und es wäre viel zu aufwendig, wenn das jeder Ort auch noch einzeln für sich machen würde», stellte sie ihre Position klar heraus.

Darum, dass das nun jedes Dorf machen soll, ginge es auch gar nicht, so SPD-Ratsfrau Brigitte Molter. »Metzingen ist immer wieder ein Knackpunkt - und in diesem Jahr war es nunmal extrem», betonte sie. Die Gemeinde könne es »nicht hinnehmen, wenn die Polizei Wasserwerfer einsetzt, ohne dass es dafür einen Anlass gibt», so Molter. Darüber müsse jetzt gesprochen werden, »jetzt sind die Erinnerungen und Eindrücke noch frisch». Und außerdem kämen die Bürger »zu uns Ratsleuten, nicht zur Samtgemeinde», um ihre Erlebnisse zu schildern.

Andreas Meyer (UWG) warnte davor, dass Metzingen, mehr als bisher noch, »ein Wallfahrtsort für Polizei und Demonstranten» werden könnte, wenn man das Thema Gewalt immer wieder aufkoche. Von einer Auf- arbeitung halte er wenig, denn er erwarte nicht, dass neben Bürgern auch die Polizei Stellung beziehe. »Besser ist es, wie von Dietmar Harlfiger vorgeschlagen, das im Vorfeld eines Transportes zu machen - um Schaden von der Gemeinde und ihren Bürgern abzuwenden.»

 

Bearbeitet am: 26.01.2012/ad


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